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WDR-Recherchen über den World Wide Fund For Nature:Vertreibung von einer Million Ureinwohner für den Tiger

Er führt unter anderem die massenhafte, oft gewalttätige Vertreibung von Naturvölkern in Indien und Indonesien an, die seit Jahrhunderten mit als heilig verehrten Wildtieren zusammengelebt hatten. Huismann reiste nach Indien, wo derzeit eine Million Ureinwohner vertrieben werden sollten, angeblich zum Schutz des Tigers - doch lokale Aktivisten halten das für Blödsinn. Das Tigerprojekt des WWF bestehe seit 1974, da habe es noch 5000 Tiger gegeben. Wäre es erfolgreich, müssten dort jetzt mindestens 8000 Tiger leben, sagt ein Umweltaktivist, doch es sind offenbar viel weniger. Und diese wenigen Raubkatzen werden täglich acht Stunden von Ökotouristen des WWF-eigenen Reiseunternehmens und von 155 Jeeps in einem Tigerreservat verfolgt, zum Anschauen. Die betuchten Gäste müssen den Recherchen zufolge rund 10.000 Dollar dafür bezahlen - lokale Aktivisten beklagen, im Namen des Ökotourismus werde der ursprüngliche Wald zerstört.

In Argentinien geht es um genmanipulierte Monokulturen, die Mensch und Umwelt belasten. Huismann reiste in den Norden des Landes, in den Gran Chaco, einst der größte Savannenwald der Erde. Inzwischen ist er zur Hälfte gerodet und von einer Soja-Monokultur überzogen, die sich auf die Nachbarländer ausbreitet und angeblich Menschen krankmacht. Die Haltung des WWF? "Schon heute ist die Soja-Wüste in Südamerika doppelt so groß wie die Fläche Deutschlands", sagt der Sprecher in dem Film. "Eine Verdopplung ist geplant - der WWF Argentinien unterstützt das Vorhaben, weil die Wälder hier, so der WWF 'minderwertig' sind - und durch menschliche Nutzung 'degradiert'". Von dem ursprünglichen Waldbestand ist nichts mehr zu sehen.

Die Gratwanderung eines Umweltschutzverbandes

Huismann war auch auf Borneo unterwegs, wo die Brandrodung für den monokulturellen Anbau von Palmen zur Gewinnung von Palmöl weit fortgeschritten ist. Im Gegenzug schaffen die Verantwortlichen hier ein Alibiwäldchen für genau noch zwei Orang-Utans - aber selbst diese drohen wegen der minimalen Größe des Reservates zu verhungern, sagt Huismann: "80 Hektar auf einer Plantage von 14.000 Hektar, 0,5 Prozent. Ist das ein Erfolg, wenn 99,5 Prozent vernichtet werden?" Dörte Bieler, die im WWF für Biomasse zuständig ist, wird in einer der eindrücklichsten Szenen des Films mit dieser Frage konfrontiert und antwortet lakonisch: "Also, der sehr sichere Tod wäre ja, wenn die 80 Hektar jetzt nicht mehr wären. Dann wären sie jetzt schon tot."

Ein Beispiel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Industrie nennt Bieler auf Nachfragen von Huismann auf Anhieb nicht. Ihr sei einfach wichtig, als Nichtregierungsorganisation (NGO) "nicht nur belächelt zu werden, sondern als kompetenter Gesprächspartner akzeptiert zu werden."

In Indonesien besucht Huismann eine Plantage, in der ungefilterte Abwässer im Boden versickern - sie wird den Recherchen zufolge gerade mit Hilfe des WWF als "nachhaltig" zertifiziert. Mit diesem Zertifikat "kann das Unternehmen in Europa den Zuschuss für 'regenerative Energie' kassieren", sagt der Sprecher im Film und ergänzt: "Und der WWF bekommt ein Honorar dafür, dass er das Unternehmen in Sachen 'Nachhaltigkeit' berät. Für beide Seiten ein lohnendes Geschäft."

Allein eine Großbank lässt laut Huismann 100 Millionen Dollar für eine "Klima-Partnerschaft" mit dem WWF springen. Doch in Indonesien finanziere eben dieses Geldinstitut die Abholzung durch Palmölkonzerne, der inzwischen große Teile des Regenwalds zum Opfer gefallen sind. Trotzdem sitze der WWF mit den Großen aus der Lebensmittelindustrie am "Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl" (RSPO). Andere NGOs wie Friends of the Earth oder Greenpeace distanzieren sich, sind aus dieser Runde ausgetreten oder waren nie dabei.

Verquickt mit Geld- und Blutadel

Der Film dokumentiert auch die Verquickung von Geld- und Blutadel mit dem WWF. Ehrenpräsident ist Prinz Philip. Er rechtfertigt im exklusiven Interview mit dem WDR die Jagd auf Tiere so: "Es muss ein Gleichgewicht zwischen den Arten hergestellt werden. Das kann man nicht der Natur überlassen. In dem man Raubtiere dezimiert, schützt man die Tiere." Seinen persönlichen Tigerabschuss 1961 verteidigt der 90 Jahre alte Gemahl der britischen Königin damit, dass es schließlich nur einer gewesen sei.