bedeckt München

WDR-Politmagazin:Entgegen der Wellenreiter

Einen wie Restle stört, was jene tun, die er Wellenreiter nennt, die sich bequem auf ein gegebenes Thema setzen. "Die Wellenreiter recherchieren oft nicht mehr eigenständig, sondern machen sich regelmäßig zum Werkzeug politisch gesteuerter Kampagnen", sagt er. Wenn das passiert, teilt Restle gern seine Meinung mit. Er ist sehr aktiv bei Twitter und nimmt in seinen Tagesthemen-Kommentaren oft eine unerwartete Position ein.

Wenn man Restle eine Weile zuhört, wie er die Dinge beschreibt, wie er das Feuer seiner sechsköpfigen Redaktion beschreibt, wie er die Widerständigkeit seiner Mannschaft skizziert, dann kommt man auf das Bild vom kleinen gallischen Dorf, das sich in seiner Sendung ganz allein alle drei Wochen eine halbe Stunde lang gegen die Römer wehrt. Aber das will er natürlich nicht hören. Man sei ja nicht allein. Er verweist auf die Kollegen vom Rechercheverbund, die auch mit dem NDR und der SZ zusammenarbeiten. Die sitzen auf derselben Etage. Restles Euphorie kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Monitor-Berichte nicht immer die erwünschte Wirkungsmacht entfalten. "Wir warnen manchmal so früh, dass die Gesellschaft noch nicht bereit zu sein scheint, das aufzunehmen", sagt Restle.

"Wir merken schon, dass wir Leute auf Gedanken bringen"

Man habe die Finanzkrise sehr früh beschrieben, habe über die nukleare Gefahr in Europa berichtet und schon 2013 getitelt: "Wie Europas Politik syrische Flüchtlinge ins Meer treibt". Ohne merklichen Widerhall. Inzwischen sei zu spüren, meint Restle, dass Monitor-Berichte wieder mehr wahrgenommen würden, auch in Berlin. "Wir merken schon, dass wir Leute auf Gedanken bringen", sagt er und spult eine lange Liste herunter von Sendungen, die aus seiner Sicht etwas bewirkt haben. Die reicht von Themen wie dem angeblich sicheren Afghanistan über Opels Abgasprobleme bis hin zu TTIP. "Wir konnten mehr beeinflussen als in den Jahren zuvor", findet Restle. Deutlich distanziert er sich dagegen von um sich greifendem Betroffenheitsjournalismus: "Wir machen keine Balla-Balla-Themen, also kleine Einzelfälle mit hohem Unrechtsgehalt, die aber politisch für nichts stehen."

Natürlich muss auch Monitor sparen. Zehn Prozent Kürzung hat WDR-Intendant Tom Buhrow seinen Redaktionen verordnet. Man mache mehr mit weniger Mitteln, sagt Restle und verweist auf das ausgeweitete Onlineangebot. So etwas nimmt er in Kauf, weil er sich gut aufgehoben fühlt. Trotz aller Kritik an öffentlich-rechtlichen Missständen, weiß er um die Vorteile des Systems, und gegen Ende des Gesprächs kommt ihm noch ein Satz über die Lippen, der wie eine Liebeserklärung klingt. "Uns redet hier niemand rein. Dass wir diese Freiheiten haben, dafür steht dieses Haus, der WDR."

Monitor, ARD, 21.45 Uhr.

© SZ vom 09.03.2017/smb

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite