Fernsehen:WDR entscheidet sich gegen Zusammenarbeit mit Nemi El-Hassan

Lesezeit: 2 min

Moderatorin Nemi El Hassan

Nemi El-Hassan.

(Foto: Tilman Schenk/dpa)

Der Journalistin wurde Antisemitismus vorgeworfen, sie durfte deswegen die Wissenssendung "Quarks" nicht moderieren. In einem Gastbeitrag machte El-Hassan dem WDR zuletzt Vorwürfe.

Der Westdeutsche Rundfunk hat sich endgültig gegen eine Zusammenarbeit mit Nemi El-Hassan entschieden. Das teilte der Sender in einer Stellungnahme mit. Zuvor hatte die Journalistin einen Gastbeitrag in der Berliner Zeitung veröffentlicht, in dem sie Kritik am WDR zum Umgang mit ihr in den vergangenen Wochen äußerte. Vom Sender hieß es als Begründung für die Entscheidung: "Das Vertrauen für eine künftige Zusammenarbeit ist nicht mehr vorhanden." Als Grund nannte eine Sprecherin des Senders der SZ zum Beispiel, der WDR habe erst durch die Medien erfahren, dass El-Hassan Likes zu umstrittenen Posts im Netz zurückgenommen habe, obwohl der Sender mit der Moderatorin "im intensiven Austausch war".

El-Hassan schrieb in ihrem Gastbeitrag, sie nehme für sich das Recht in Anspruch, die israelische Regierung zu kritisieren. Dies werde ihr in Deutschland mit seiner Holocaust-Vergangenheit aber nicht zugestanden. "Ich bin und bleibe Palästinenserin, ob das der deutschen Öffentlichkeit nun genehm ist oder nicht."

Der Fall um die Beschäftigung El-Hassans hängt mit Antisemitismus-Vorwürfen zusammen. Ursprünglich sollte die Journalistin die Wissenschaftssendung "Quarks" moderieren. Ihr Start war für November vorgesehen. Die Bild-Zeitung hatte im Kontext der neuen Aufgabe El-Hassans von ihrer Teilnahme an einer Al-Kuds-Demo in Berlin vor einigen Jahren berichtet. Bei den alljährlichen Al-Kuds-Demos in Berlin waren in der Vergangenheit immer wieder antisemitische Parolen gerufen und Symbole der pro-iranischen libanesischen Hisbollah-Bewegung gezeigt worden. El-Hassan hatte sich nach dem Medienbericht in einem Statement von der Demo distanziert. Außerdem wird ihr vorgeworfen, israelkritische Posts im Netz gelikt zu haben. In einem Fall ging es dabei um den Ausbruch von Terroristen aus einem israelischen Hochsicherheitsgefängnis.

Der WDR hatte sich im weiteren Verlauf gegen El-Hassan als Moderatorin von "Quarks" entschieden. Als Begründung hieß es vom Sender, "dass die Auseinandersetzung um ihre Person zu einer unangebrachten Politisierung der renommierten Wissenschaftssendung geführt hat". Die ARD-Anstalt hatte dann zunächst weiter geprüft, ob sie möglicherweise als Autorin für "Quarks" arbeiten könnte.

Am Dienstag warf El-Hassan in ihrem Gastbeitrag dem WDR schließlich vor, er habe sich selbst aus der Schusslinie ziehen wollen. "Die Reaktion des WDR zeigt exemplarisch, dass es schlecht steht um die vielfach gerühmte Debattenkultur in diesem Land", schrieb sie.

Kritik auch an der "Bild"-Zeitung

Der Bild warf El-Hassan vor, sie demontieren zu wollen. "Natürlich darf auch die Bild-Zeitung zur Vergangenheit einer öffentlichen Person recherchieren und Fragen stellen", schrieb sie. "Aber es gibt eine Grenze zwischen kritischer journalistischer Arbeit und einer gezielten Kampagne zur Demontage einer Person." Die Kampagne gegen sie sei in rechten Foren von langer Hand vorbereitet worden. Dort verfolge man das Ziel, möglichst viele Menschen muslimischen Glaubens aus der Öffentlichkeit hinauszudrängen.

Antisemitismusvorwürfe würden dazu gezielt eingesetzt, weil sie besonders wirksam seien, um jemanden auf Dauer unmöglich zu machen. Dabei gehe es den Rechtsextremen natürlich nicht um den Schutz jüdischen Lebens, vielmehr sei der Antisemitismus-Vorwurf nur Mittel zum Zweck. Denn: "Im Land der Täter will sich - verständlicherweise - niemand in eine Situation begeben, die nahelegen könnte, dass man sich nicht vehement an der Bekämpfung des gesamtgesellschaftlichen Problems Antisemitismus beteiligt."

"Der Vorwurf, dass der WDR die Moderatorinnen-Auswahl von einer Bild-Kampagne abhängig mache, ist unsinnig", heißt es dazu schließlich aus Köln. Unabhängig von der medialen Berichterstattung und dem öffentlichen Druck in dem Fall habe der WDR "sorgfältig und umfangreich beraten, weil die Verantwortlichen den beruflichen Weg der jungen Journalistin nicht leichtfertig behindern, sondern ihr eine Chance geben wollten".

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