WDR Es wird still in Hollymünd

Wellblech, Grünspan und Gestrüpp: Mit dem Ende der "Lindenstraße" leert sich das Produktionsgelände "Bocklemünd" bei Köln. Wie soll es weitergehen?

Von Hans Hoff

Wenn man auf dem Kölner Autobahnring an der Ausfahrt Bocklemünd vorbeifährt, kann man die hässliche Seite der Lindenstraße sehen. Ein großer grauer Klotz erhebt sich hinter laubbefreiten Bäumen. In dem Klotz steckt, nur von der anderen Seite zugänglich, das Café Bayer, in dem die Bewohner von Deutschlands berühmtester Seifenopernstraße regelmäßig sorgenschwere Blicke und bedeutungsschwangere Sätze austauschen. Noch. Denn die Lindenstraße steuert auf ihr Ende im Frühjahr 2020 zu. Das bedeutet, dass - bedingt durch den technischen Vorlauf - schon Ende 2019 die Lichter im Café Bayer ausgehen werden.

Die Produktionsräume der Lindenstraße besetzen nur einen kleinen Teil des 296 839 Quadratmeter großen WDR-Produktionsgeländes, das nicht nur in Senderkreisen unter dem Namen "Bocklemünd" bekannter ist als der es umgebende Stadtteil. Aber die Soap teilt sich mit ihrer direkten Umgebung die Endzeitstimmung. Alles hier ist in die Jahre gekommen, nichts riecht nach Zukunft. Vieles transpiriert eine Art Wellblechcharme mit Grünspan hier und ungepflegtem Gestrüpp dort. Verlassene Westernstädte wirkten einst wohl ähnlich, wenn sich der Goldrausch gelegt hatte. Nach modernem Fernsehen sieht das alles nicht aus.

Ein bisschen liegt das natürlich am Alter des Geländes. Anfang der Sechzigerjahre wurde hier losgelegt, damals entstanden Bauten, die heute unter anderem Ausstattungsbetrieb, Fundushalle und das Gebäude des heutigen Beitragsservice beherbergen. Vielen dieser Häuser sieht man ihr Alter deutlich an. Während sich der WDR in der Kölner Innenstadt um zeitgemäße Ausstattung mit viel Glas und schlankem Metall bemüht, wirkt hier alles, als habe sich lange niemand mehr gekümmert.

Vor über 20 Jahren sind die "neuen" Fernsehstudios aufs Gelände gekommen, in denen heute noch Produktionen abgewickelt werden. Hier entstehen Sendungen wie Maischberger, Frag doch mal die Maus, Quarks und der Kölner Treff. Derzeit arbeiten knapp 300 Festangestellte für die jeweiligen Produktionen. Dazu kommen freie Mitarbeiter und die circa 1000 Beschäftigten des Beitragsservices. Es dürfte also keineswegs leer werden, wenn die Lindenstraße Ende des Jahres auszieht. Allenfalls noch ein bisschen trostloser.

Dabei wurde hier lange und oft Fernsehgeschichte geschrieben. Nicht nur mit der Lindenstraße. Auch die Vorabendserie Verbotene Liebe und die große Spielshow Mensch Meier entstanden lange hier. In den Jahren nach 1987 träumte man sogar ganz groß - zumindest dem Namen nach. Da nannte sich das Gelände an Sommerwochenenden noch stolz "Hollymünd" und versammelte Stars und Sternchen live vor der Kamera, was Zuschauer en masse herbeipilgern ließ. Nach 14 Jahren war aber Schluss mit dem abenteuerlichen Vermengungsversuch von Hollywood und Bocklemünd. Das Konzept der Open-Air-Show mit Promifaktor habe sich überlebt, hieß es beim Sender.

An bessere Tage erinnern noch ein paar Großplakate. "Hier produzieren wir für Sie" steht da direkt neben einer vergilbten Riesenwerbung für die schon vor über zwei Jahren abgesetzte Show Zimmer frei. Es sei noch nicht abzusehen, was mit den Lindenstraße-Kulissen passiert, heißt es aus dem WDR. Das werde sich erst irgendwann in den kommenden Monaten klären.

Die anhängenden Studios sollen für andere WDR-Produktionen genutzt werden. Nach einem überzeugenden Plan für Bocklemünd - nach Zukunft - hört sich das noch nicht so recht an.