WDR-Dokureihe Heiße Ware

Rettung naht: ein Gelsenkirchener Feuerwehrmann bei seiner schweißtreibenden Arbeit.

(Foto: Lutz Leitmann/WDR)

"Feuer & Flamme" geht mit Feuerwehrleuten aus Gelsenkirchen auf Tuchfühlung - mittlerweile schon in der zweiten Staffel.

Von Hans Hoff

Jeder freut sich, wenn die Feuerwehr kommt, weil dann Rettung naht. Genau deshalb wird man sich auch beim WDR über die wackeren Männer mit den roten Autos freuen, die diesen Montag wieder ins Regionalprogramm ausrücken. Die zweite Staffel der Dokureihe Feuer & Flamme steht auf dem Sendeplan, was bedeutet, dass es zumindest für diesen Teil des WDR-Angebots keine Diskussionen darüber geben dürfte, wie man an die Protagonisten der neun 45-Minüter gekommen ist, denn die haben sich alle selbst gemeldet. Und weil so viele Menschen beim Dreh dabei sein wollten, stehen auch alle Zweifel, hier könnte irgendwer etwas inszeniert haben, ganz hintenan.

Zuletzt war der WDR in die Schlagzeilen geraten, weil in einigen Menschen hautnah-Dokumentationen Fakten nicht zueinander passen wollten, weil unklar war, wie Filmemacher die handelnden Personen rekrutiert hatten. Bei der mit einer Fernsehpreis-Nominierung für die erste Staffel geadelten Reihe Feuer & Flamme dürfte es dazu kaum Fragen geben, denn die Menschen, die hier mitspielen, rekrutieren sich quasi selbst. Jede Folge beginnt mit einem Anruf in einer Gelsenkirchener Feuerwehrwache. Jemand ist krank, oder es brennt. Dann rücken die roten Autos aus, und der Zuschauer ist sehr nah dabei, weil die Feuerwehrleute kleine Körperkameras an ihrer Ausrüstung tragen, die das Geschehen jeweils aus der individuellen Sicht der Retter dokumentieren. Zusätzlich filmt ein Kamerateam aus der Distanz mit.

Das fällt vor allem deshalb aus dem Rahmen, weil sonst nicht oft derart viel Aufwand betrieben wird. So waren 20 Produktionsmitarbeiter 70 Tage lang im Einsatz. Rund um die Uhr saß ein Kamerateam in der Wache und wartete auf Alarm, was nicht immer funktionierte, weil es eben auch mal tagelang ruhig blieb. WDR-Redakteur Hans-Georg Kellner kommentiert das lapidar. "Wenn man beschließt, sich auf die Wirklichkeit einzulassen, muss man mit der Wirklichkeit leben", sagt er. Am Schluss der 70 Tage lagen trotzdem 2000 Stunden Filmmaterial vor. Bei einem Großeinsatz waren laut WDR 57 Kameras gleichzeitig in Betrieb.

Redakteur Kellner hat sich mal den Spaß gemacht, das sendefertige und das aufgezeichnete Material in Relation zu setzen. Am Ende der Rechnung stand ein Verhältnis von 1 : 530. Doch trotz des beinahe verschwenderisch anmutenden Großeinsatzes von Mensch und Material liegt der Preis einer Sendeminute immer noch bei günstigen 2000 Euro.

Dank Körperkameras kann der Zuschauer mit den Einsatzkräften in verrauchte Keller hinabsteigen

Bemerkenswert ist zusätzlich die Tatsache, dass die Serie ohne einordnenden Kommentar auskommt. Was zu sagen ist, stammt aus Interviews, die nach den Einsätzen mit den Feuerwehrleuten geführt wurden. Der Rest dokumentiert die Einsätze und geht vor allem mit den Körperkameras ganz nah ran. So kann der Zuschauer mit den Einsatzkräften hinabsteigen in einen verrauchten Keller oder auf ein verrauchtes Dach klettern. Er ist live dabei, sehr nah am Feuer. Viel näher geht nicht.

Auf die Frage, ob man mit solch einer Serie, die ganz nah ran geht, nicht auch die Anspruchshaltung der Gaffer stärkt, hat Kellner keine letztgültige Antwort. "Schwer zu sagen. Die Mordrate steigt ja auch nicht nach Ausstrahlung eines Tatorts", sagt er und hofft, dass es vielleicht auch abschreckt, wenn man Gaffer mit den Händen in den Hosentaschen nichtsnutzig am Unfallort herumstehen sieht. "Das ist ja kein schönes Bild."

Natürlich mussten alle Gefilmten ihr Einverständnis zur Ausstrahlung geben, was ein knappes Viertel der Aufnahmen unbrauchbar gemacht hat. Doch die überwiegende Mehrheit hat zugestimmt. Nicht nur im Moment des Einsatzes, sondern auch Tage später. "Man geht mit einem gewissen Abstand noch mal vorbei", berichtet Kellner. Ihm und seinem Redakteurskollegen Philipp Bitterling ging es darum, die Dinge so zu zeigen, wie sie wirklich sind, ihnen vor allem nichts hinzuzufügen. Bis auf ein paar symbolhafte Städteaufnahmen sei alles echt, schwören die beiden.

Nun rechnet man insgeheim damit, dass die zweite Staffel die passablen Quoten der ersten noch übertreffen kann und hofft, dass auch die kurzen Videoclips, die man aus den einzelnen Dokus destilliert hat, bei Youtube wieder genauso gut funktionierten. Ein Clip aus der ersten Staffel kratzt inzwischen tatsächlich an der Eine-Million-Klicks-Grenze, was höchst bemerkenswert ist, denn er hat damit schon dreimal so viele Zuschauer wie bei der Ausstrahlung im linearen WDR-Programm.

Feuer & Flamme, WDR, 20.15 Uhr.