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WDR:"Der letzte Cowboy" hat amüsante Momente. Mehr aber auch nicht

Der letzte Cowboy, WDR

Hasso (Peter Jordan, links) kommt in die Luxusvilla von Musikproduzent Andy Huhn (Matthias Weidenhöfer).

(Foto: WDR/Willi Weber)

Die WDR-Produktion versucht, den genialen Wahnsinn des "Tatortreinigers" zu imitieren. Doch die Hauptrolle gerät zur Witzfigur ohne Fallhöhe.

"Guten Tag, Hasso Gründel, Ihr Mann bei Kattelmann. Mit dem Panther 2000 beginnt für Sie die Zukunft der Bodenhygiene."

Würde man jemandem, der sich so vorstellt, einen Staubsauger abkaufen? Eher nicht. Das weiß jeder. Jeder, außer Hasso Gründel. Der war bei der Firma Kattelmann lange im Innendienst für den Außendienst zuständig, muss aber jetzt selbst an die Haustüren, 60 Panther 2000 absetzen. Ansonsten wird der Außendienst dichtgemacht. Gründel hat wenig Zeit. Gerade mal 60 Tage räumt ihm der Chef als Frist ein, und der WDR hat sechs Serienepisoden daraus gefertigt, die er vom zweiten Weihnachtstag an in Doppelfolgen zeigt.

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Natürlich riecht diese Serie ein bisschen sehr nach Tatortreiniger. Hier wie dort platzt ein Mann, der einfach nur seinem an sich ehrenwerten Beruf nachgehen möchte, in fremde Lebenswelten. Hier wie dort gerät er in abstruse Situationen, die sich ergeben aus geheimen Wünschen und verdrängten Sehnsüchten.

Wer ist Behandler und wer Patient?

Da ist der frustrierte Ehemann, der auf einen schwulen Nacktputzservice wartet; da tritt ein Sohn auf, der sich vor Strahlen aus dem All ängstigt, aber viel mehr noch davor, dass seine Mutter von seiner neuen Liebschaft erfahren könnte; und da ist eine Psychologenpraxis, in der ganz schnell unklar wird, wer nun eigentlich Behandler und wer Patient ist.

Hübsche Geschichten hat sich Lars Albaum ausgedacht, Lars Jessen hat sie in Szene gesetzt. Gelegentlich funktionieren sie sogar und kreieren amüsante Momente. Mehr aber auch nicht.

Immer wieder scheitert diese Serie letztlich an ihrer Hauptfigur. Hasso Gründel wird von Peter Jordan (Foto) ordentlich gespielt. Er weiß mit sparsamer Mimik zu überzeugen und sich zu positionieren gegenüber einer plötzlich auftretenden Unverhältnismäßigkeit. Leider aber kann auch Jordan nicht viel ausrichten gegen eine Figur, der es an glaubhaftem Motiv mangelt, was offenbar dadurch kaschiert werden soll, dass man ihr diverse Motive andichtet.

Da ist nicht nur der drohende Jobverlust, da regiert nicht nur eine komplett falsche Selbstwahrnehmung, da türmen sich auch dunkle Wolken über Gründels Beziehung auf. Die Frau weilt in Kur und sorgt sich mehr um den zurückgelassenen Kater als um ihren Gatten. Deshalb muss der Kater immer mit, auch wenn es für Gründel etwas unhandlich ist, in der einen Hand eine Katzenbox zu transportieren und in der anderen einen Panther 2000.

"Ich bin nicht irre, ich bin von Kattelmann"

So wird Gründel immer schon zur Witzfigur, bevor er irgendwo klingelt, die Figur verliert rasch ihre Fallhöhe. "Ich bin nicht irre, ich bin von Kattelmann", sagt Gründel einmal, aber da stellt sich sofort die Frage, warum man ihn dann so irre gezeichnet hat. Zudem verfügt er über keinerlei Selbstbewusstsein, das sich durch überraschende Situationen ins Wanken bringen ließe.

So scheitert Der letzte Cowboy beim Staubsaugerverkauf genauso wie diese an sich ambitionierte Serie. Sie hat sich wohl das Ziel gesetzt, aus dem Alltäglichen ein bisschen Wahnsinn zu destillieren, aber sie verfehlt das Ziel um Längen. Und einen Panther 2000 will man nach der Serie schon gar nicht kaufen.

Der letzte Cowboy , WDR, 26. Dezember, 22.40 Uhr.

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