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Was liest man im Osten?:Politik spielt keine große Rolle.

Die Super Illu bildet mit biederem Charme, den unvermeidlichen Schlager- und DEFA-Stars sowie Hartz-IV-Ratgeberseiten zwar längst nicht mehr die gesamte Realität in den fünf neuen Ländern ab. Trotzdem ist ihr Erfolg - vor allem beim älteren Publikum - ungebrochen. Und sie kostet wenig, 1,50 Euro, der Stern dagegen mit 3,40 Euro mehr als das Doppelte.

Auch Manuela Thieme, Chefredakteurin der Zeitschrift Das Magazin aus Berlin, spürt den Unterschied. "Für Ostdeutsche sind drei Euro im Monat für unser Heft schon viel Geld, unsere westdeutschen Leser sind dagegen überrascht, wie viel ihnen dafür geboten wird." Ihre Zeitschrift, in Zeitungen schon einmal als New Yorker des Ostens gelobt, ist die Antithese zur Super Illu. Es gibt darin lange Reportagen, Satiren von Wiglaf Droste und auch Fotokunst.

Nur in einem gleichen sich die Blätter: Politik spielt keine große Rolle. Kontroversen seien nicht so beliebt im Osten, sagt Thieme, vielleicht, weil solche Auseinandersetzungen oft zu Lasten der Ostdeutschen enden - so fragte beispielsweise der Spiegel: "1250 Milliarden Euro Aufbau Ost - Wofür?"

Wenn über die neuen Länder berichtet werde, findet Manuela Thieme, dann oft in einer Art Hospitalismus-Journalismus: "Der Osten gilt mit Neonazis, HartzIV und Stasi-Themen oft als Problemzone. Man beugt sich über ihn wie über einen kranken Patienten."

Manchmal werden die Leser in den neuen Ländern aber auch einfach nur falsch angesprochen. Als der Stern vergangenes Jahr die Serie "Sechzig Jahre BRD" druckte, erschien mit jeder Folge auch die Rubrik "Was drüben geschah". Für 16 Millionen Ostdeutsche bedeutet "drüben" jedoch bis heute: der Westen.

Aber auch Magazine wie Brand eins, Landlust oder Freundin haben nur mäßigen Erfolg im ganz nahen Osten. Mit den Journalen, die man lese, "markiert man natürlich auch seinen Status", sagt Tim Sommer. Sommer leitet den Kunsttitel Art und ist der einzige ostdeutsche Chefredakteur eines wichtigen Magazins aus dem Westen. In Ostdeutschland, weiß Sommer, lebten einfach viel weniger Menschen in urbanen Gegenden und mit hohem Sozialstatus.

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