"Warten auf'n Bus" im RBB:Das süße Nüscht

Lesezeit: 3 min

Warten auf'n Bus

Manchmal kommt wirklich ein Bus: Kathrin (Jördis Triebel), Johannes (Ronald Zehrfeld) und Ralf (Felix Kramer) am Wartehäuschen.

(Foto: Senator Film Produktion/rbb)

Irgendwo in Brandenburg unterhalten sich runtergewohnte Endvierziger: Die großartige Comedy "Warten auf'n Bus" geht in die zweite Staffel.

Von Holger Gertz

Die erste Staffel von Warten auf'n Bus wirkte im Frühjahr des Corona-Jahres 2020 wie ein Stimmungsaufheller. Die Menschen da draußen versuchten gerade, sich an ein Leben in Distanz zu gewöhnen- da brachte der RBB seine neue Comedy. Allerbestes Timing, denn die Serie handelt vom Miteinander-im-Gespräch-Bleiben, das ist ihr Kern. Im und am Wartehäuschen einer Brandenburger Bushaltestelle unterhalten sich zwei runtergewohnte Endvierziger über dieses und das, und manchmal kommt der Bus, das ist wichtig, aber genauso wichtig ist die im Bus befindliche Busfahrerin Kathrin (Jördis Triebel). Es zeigte sich, dass das Warten auf'n Bus beziehungsweise das Warten auf die Busfahrerin inspirierender ist als, in der Realwelt, das Warten auf das Ende der Pandemie. Das nimmt ja gerade wieder Fahrt auf. Da passt es, dass Warten auf'n Bus (beinahe Grimmepreis-veredelt und beinahe Fernsehpreis-geadelt) in die zweite Staffel geht. Die Menschen da draußen sollen doch im Gespräch bleiben.

Damit der Hund sich nicht den Magen an den Würstchen verdirbt, kostet Ralle das Wurstwasser vor

Wobei das pure Loslabern - man hat es bei Impro-Experimenten im Tatort zu spüren bekommen - sich im Fernsehen gern so unerträglich anhört wie: pures Loslabern. Bei der Brandenburger Busnummer, so beiläufig erzählt sie zu sein scheint, kommt dagegen textliche und darstellerische Klasse zusammen.

Johannes "Hannes" Ackermann und Ralf "Ralle" Paschke werden verkörpert - hier passt der Begriff - von Ronald Zehrfeld und Felix Kramer, und man muss weit zurückgehen, um ein Dreamteam dieser Preisklasse aufzustöbern. Möglicherweise bis zum Odd Couple Felix Ungar und Oscar Madison, und dann bitte in der Topbesetzung Lemmon/Matthau, bei denen allerdings immer was passiert. Bei Hannes und Ralle passiert oft nichts, sogar nüscht, aber vor dieser Kulisse erzählen die beide ihre Geschichte, und sie erzählen in der Tiefenströmung immer noch eine zweite Geschichte mit. Hannes, körperlich "wie 'ne Kreuzung aus Schlachterplatte und Zementmischer", ist auch eine Seele von einem Mann, der vorlaute Ralle ist immer auch ein komplett Angeknockter. Wie sie da an der Bushaltestelle sitzen und wie sie immer im Gespräch sind - da hat man bald das Gefühl: Die lieben sich. Die haben beide warme Augen, mit denen sprechen sie auch.

Warten auf'n Bus

Kathrin (Jördis Triebel) hat angeblich einen "Schübling" versteckt, deswegen verstecken sie und Ralf (Felix Kramer) sich vor dem "Suchling". Näheres in Folge zwei der neuen Staffel.

(Foto: Senator Film Produktion/rbb)

Schon in der ersten Folge der neuen Staffel ("Wieder da") sind sie textlich komplett auf der Höhe, es geht darum, dass der arbeitssuchende Hannes tatsächlich einen guten Job in Aussicht hat: "Ich will meine Tage nich mehr rumbringen, ich will meine Tage VER-bringen." Hannes hat seinen Hesse im Anschlag, "jedem Anfang wohnt ein Zauber inne", und Ralle sagt: "Na sachma, hätt ich nich besser sagen können." Es besteigt also Hannes den Bus, auf dem als Fahrziel "1. Arbeitsmarkt" steht. Und Ralle hütet solange das Haus. Also, er hütet die Haltestelle und wartet und spielt mit dem Hund, der Maik heißt und von Ralle Maiki genannt wird: "Maiki, Fresschen."

Headautor ist wieder Oliver Bukowski. Die Regie übernimmt Fabian Möhrke von Dirk Kummer, er will die Kontinuität wahren, wie das immer heißt, aber etwas weniger Ostalgie im Bild haben. "Wahrscheinlich, weil ich aus dem Osten bin und bei Sachen wie DDR-Museen und Trabisafaris das kalte Kotzen kriege."

Damit der Hund sich nicht den Magen an den Würstchen verdirbt, kostet Ralle das Wurstwasser vor. Ist aber noch gut. Ralle zieht's trotzdem kurz den Boden unter den Füßen weg, ein Hinweis darauf, dass es in dieser Staffel wirklich um was geht. Während der Hund ein Tennisbällchen heranschleppt, das von Ralle erst nach längerer Vorrede ins Panorama geschleudert wird. Er habe schließlich, sagt Ralle, in der zehnten Klasse beim Schlagball-Weitwurf 71 Meter geschafft. "Mit dem Wurf ha' ick Mathe ausgeglichen. Also hinterher keen Geflenne, mein Freund."

Dann wirft er den Ball. Aber er wirft ihn nicht weit. Keen Anlass für Geflenne. Für Maiki nicht, und auch nicht für alle anderen, die sich das ansehen.

Warten auf'n Bus, in der ARD-Mediathek und im RBB am 13. November, ab 20.15 Uhr

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