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"Walulis Woche" im SWR:War mal witzig

In der ARD-Mediathek und im SWR-Fernsehen startet der satirische Wochenrückblick "Walulis Woche". Warum nicht gleich mit den Grenzen des Humors anfangen?

Von Aurelie von Blazekovic

Was für Zeiten, um ein neues Satireformat zu starten, zumal eines, das zum Start den Humor anderer Medien seziert. Die TV-Sendung Walulis Woche nimmt sich gleich mal das brisanteste Comedy-Thema der Stunde vor: die Cancel Culture und die Frage, was man eigentlich noch sagen darf, ohne gecancelt zu werden.

Der Moderator Philipp Walulis beschäftigt sich, nach ein paar pflichtgemäßen Witzen über die Drogenermittlungen gegen Münchner Polizisten, anhand schlecht gealterter Clips aus der Fernsehvergangenheit mit der Frage, "warum Comedy-Helden jetzt gelöscht werden sollen". Dafür springt er zwischen aktuellem Twitter-Diskurs über Rassismus und deutschem Fernsehen der Neunziger- und Nullerjahre hin und her. Zwei Welten, die - wie die Sendung mit vielen Beispielen belegt -wirklich überhaupt nicht mehr zusammengehen.

Da ist etwa ein Ausschnitt der Sketch-Sendung Switch reloaded aus dem Jahr 2006, mit Bernard Hoëcker als Rapper 50 Cent und Michael Kessler als N-Wort-sagender Florian Silbereisen. Oder ein viel älterer Filmausschnitt von Otto Waalkes, oder die ewigen Witze auf Kosten Schwuler bei Erkan und Stefan, bei Bully Herbig, oder das Imitieren eines Inders von Kaya Yanar. Alles heute ein wenig bis höchst unangenehm.

Walulis pragmatisches Fazit: Wenn man da alle canceln würde, bliebe niemand mehr übrig in der Comedy. Und dann zitiert er Ricky Gervais, hier in der Rolle des Comedy-Weisen: "Just because you're offended, doesn't mean you're right". Wer sich angegriffen fühlt, hat also noch lange nicht recht. Und außerdem, bevor man gänzlich verteufelt, lohne sich doch ein wenig Kontext zu den fraglichen Darstellungen. Alles vernünftig, auch wenn man etwas ratlos zurückbleibt, bei der Menge des Für und Widers, das Walulis Woche präsentiert.

Es ist nicht das erste medienkritische Satireformat von Philipp Walulis. 2011 startete Walulis sieht fern (auf dem mittlerweile eingestellten ARD-Digitalsender EinsPlus), das einen Grimme-Preis gewann und später für Funk als Walulis weiterentwickelt wurde.

Die neue Sendung wird zwischendurch immer wieder auch ernst. Das Subjekt eines Witzes ist nicht immer sein Objekt, lernen Zuschauerinnen und Zuschauer. Will heißen, es kommt vor allem darauf an, auf wessen Kosten ein Witz geht. Und dann sind aber auch Menschen mit der persönlichen Erfahrung und historischem Wissen zu hören, die erklären, warum Darstellungen wie Blackfacing und Bezeichnungen wie das N-Wort von der Gewalt, die sie in sich tragen, nicht zu trennen sind.

Auch die Kritisierten dürfen selbst zu Wort kommen und ihre aus dem Geschmack der Gegenwart gefallenen Darstellungen mit einem Vorwort versehen. "Natürlich war Blackfacing auch 2006 nicht in Ordnung", sagt Bernhard Hoëcker, und Kaya Yanar findet, man müsste anstelle von einzelnen Komikern eigentlich den ganzen Zeitgeist von früher angreifen. Aber gäbe es da nicht auch im Hier und Jetzt genug zu besprechen?

Walulis Woche. Donnerstags in der ARD-Mediathek, sonntags um 23.20 Uhr im SWR-Fernsehen.

© SZ/tyc
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