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Wahlabend im TV:"Maybrit Illner" im ZDF

Parteispitze oder zweite Garde - wie illuster ist die Gästeliste?

Eine Elefantenrunde sieht anders aus, aber gut, die Sendung läuft nicht mal nach dem Tatort - und in Berlin wollen ja ganz viele Irgendwie-ist-doch-jeder-ein-Sieger-Selfies geschossen werden. Man möchte sich vorstellen, dass solche undankbaren TV-Jobs am Wahlabend parteiintern ausgelost werden. Das kurze Stöckchen gezogen haben: Peter Tauber, Generalsekretär der CDU, Thomas Oppermann, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, Frauke Petry, Bundessprecherin der AfD, und Katrin Göring-Eckardt, Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion. Komplettiert wird die Gästeliste von Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo.

Worum soll es eigentlich gehen?

Um die Frage: "Wahlen im Land - Quittung für Berlin?"

Worum geht es tatsächlich?

Um hochkreative Schönmalerei - Bob Ross hätte seine wahre Freunde an so viel Pastelltünche auf schwarzen Prozentzahlen. Peter Tauber, dessen CDU einzig in Sachsen-Anhalt zufrieden sein kann, sagt: "Für die CDU hat das Ergebnis Licht und Schatten." Thomas Oppermann, dessen SPD in zwei Landtagen künftig weniger Sitze als die AfD haben wird, findet: "Es ist ein sehr gemischtes Wahlergebnis für die SPD." Aber es überwiege dann doch die Freude über den "grandiosen Wahlsieg" von Malu Dreyer in Rheinland-Pfalz. Und Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckart, die wohl mit Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg noch einmal den Ministerpräsidenten stellen darf, aber in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt gerade so die Fünf-Prozent-Hürde geschafft hat, fordert: "Es ist ein riesiger Sieg und da darf man auch mal fünf Minuten stolz drauf sein."

Gemischt ist also das neue gut - kein Wunder, dass Journalist di Lorenzo vor "Selbstgefälligkeit und Selbstzufriedenheit" warnt.

Wie viel wird gestänkert?

Ordentlich. Peter Tauber sagt zu Frauke Petry: "Wenn Sie zuhören, lernen Sie auch - das ist ein Prinzip der Pädagogik." Frauke Petry provoziert die Runde: "Ist es die deutsche Einwanderungsstrategie, für ethnische Säuberung in der Türkei zu sorgen?" Und selbst Moderatorin Illner mischt ein bisschen mit. Sie wirft SPD-Politiker Opperman vor: "Sie haben das drei Wochen vor der Wahl erfunden." Und meint das Solidaritätsprojekt der Sozialdemokraten.

Wer findet die kreativste Erklärung für den Ausgang des Wahlsonntags?

Giovanni di Lorenzo sagt: "Herr Kretschmann ist die Verkörperung eines CDU-Ministerpräsidenten." Diese Lesart der Wahlergebnisse ist nicht direkt neu, aber immer noch wahnsinnig plakativ.

Überstrapazierter Satz?

"Wenn man nach Bayern schaut, sieht man, dass sehr viel sehr gut läuft, was die Unterbringung angeht, was die Integration angeht, deshalb versteh' ich immer gar nicht, warum Horst Seehofer nicht rumläuft und erzählt: 'Ich bin total stolz auf meine Bayern, weil sie das so gut machen.'" Sagt Grünen-Fraktionschefin Göring-Eckardt. Ernsthaft, Horst Seehofer ist plötzlich der parteiübergreifende Posterboy der Flüchtlingskrise?

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In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt haben die Bürger über die Zusammensetzung ihrer Landtage entschieden. In zwei Ländern liegt die AfD vor der SPD, in Sachsen-Anhalt kommt sie sogar auf mehr als 20 Prozent. Wie bewerten Sie die Ergebnisse?

Nachtrag: Wer im Übrigen wirklich klare Ansagen will an diesem Sonntagabend, der schaltet am besten SWR Baden-Württemberg ein. Dort gibt es eine kurze Interviewrunde mit den Frauen der Spitzenkandidaten, also jenen "Damen, die nicht auf dem Stimmzettel standen, aber durchaus ein gewisses Gewicht hatten". Klingt maximal klischeelastig? Ja, aber glücklicherweise ist auch Gerlinde Kretschmann anwesend und gibt eine sehr bestimmte Antwort. Danach gefragt, ob sie sich denn auch als Sieger fühle, sagt die First Lady des Ländles: "Ja. Ich habe dazu auch mein Scherflein mit beigetragen."