"Waffen für die Welt - Exporte außer Kontrolle" auf Arte Weg der Waffen

Wie gelangen Waffen mit dem Siegel "Made in Germany" in Krisengebiete? Filmemacher Daniel Harrich hat sich auf die Spur dieser Waffen begeben - und Erkenntnisse mitgebracht, die auch die deutsche Justiz interessieren könnten.

Von Paul-Anton Krüger

Das Sturmgewehr G 3 war bis 1997 die Standardwaffe der Bundeswehr - und ist immer noch einer der am weitesten verbreiteten Exportartikel der deutschen Waffenindustrie. Auch das G 36, das Nachfolgemodell, erfreut sich großer internationaler Beliebtheit. Die Gewehre der Firma Heckler und Koch in Oberndorf am Neckar gelten als zuverlässig, das Beste, was man kriegen kann - wenn man es kriegen kann.

Strenge Exportvorschriften sollen verhindern, dass die Waffen in Krisengebieten eingesetzt werden, dass mit ihnen Menschenrechtsverletzungen begangen werden. Dass dies nicht immer gelingt, zeigt das derzeitige Strafverfahren gegen Mitarbeiter der Waffenschmiede; vor dem Arbeitsgericht Villingen/Schwenningen geht es zudem darum, ob die Chefetage von illegalen Geschäften wusste. In erster Instanz neigten die Richter zu dieser Sichtweise.

Von Deutschland nach Mexiko

Der Filmemacher Daniel Harrich, dessen Film Der Blinde Fleck über das Oktoberfest-Attentat 1980 gerade in den Kinos angelaufen ist, hat sich auf die Spur dieser Waffen gesetzt - und Erkenntnisse mitgebracht, die auch die deutsche Justiz interessieren könnten. Sie untersucht bereits, ob es Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz gab, weil legal an die Polizei in Mexiko gelieferte Sturmgewehre in mehreren Bundesstaaten aufgetaucht sind, in die sie laut der Exportgenehmigung explizit nicht geliefert werden durften.

Harrich hat für seine 90-minütige Dokumentation nicht nur Bilder von diesen Waffen in einer der fraglichen Unruheprovinzen gemacht, er dokumentiert auch, dass die Waffen in den Händen einer Bürgerwehr dort landeten. Sie hatte die Gewehre der Polizei abgenommen. "Made in Germany" ist auf dem Schaft zu lesen, das deutsche Beschusszeichen ist klar erkennbar. Der Filmemacher hat zudem Unterlagen von mexikanischen Behörden aufgetrieben, die nahelegen, dass neben den genehmigten Waffen noch etwa 1000 weitere Gewehre von Heckler und Koch ihren Weg nach Mexiko fanden - ohne dass die deutschen Behörden davon etwas wussten.

Außerdem stieß Harrich auf Hinweise für eine andere ominöse Verbindung von Oberndorf nach Mexiko, genauer zur Dirección General de Industria Militar del Ejército - der staatlichen Rüstungsfirma. Sie baut seit 2006 das Sturmgewehr FX-05 Xiuhcoatl. Es weist eine Reihe technischer Ähnlichkeiten mit dem G 36 auf. Und das mexikanische Verteidigungsministerium zahlte laut vorliegenden Dokumenten für "Technologietransfer" siebenstellige Summen nach Deutschland. Steckt Know-How von Heckler und Koch in der Waffe? Zumindest sprechen die Mexikaner vor der Kamera von einem "deutschen Patent", das in die Entwicklung eingeflossen sei. Es könnte sein, dass dieser aufwendig recherchierte Film am Ende auch bei der Staatsanwaltschaft auf großes Interesse stößt.

Waffen für die Welt - Exporte außer Kontrolle, Arte, Dienstag, 20.15 Uhr, und ARD, 24. Februar, 22.45 Uhr.