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W&V: Werbeträger "Heidi":Ein Maskottchen für alles

Der Heidi-Hype dauert an - und bringt Marktforscher auf ausgefallene Werbeideen mit der schielenden Beutelratte.

Heidi passt zu Katjes, McDonald's, Taft - ja, eigentlich zu jedem Produkt. Doch der neueste Star am Werbehimmel heißt nicht Klum, sieht nicht aus wie ein Model und hat einen unübersehbaren Sehfehler.

Opossum Heidi - Höhenflug einer schielenden Beutelratte

Experten sehen in der Beutelratte Heidi großes Werbepotenzial - etwa für Navigationsgeräte, Waschmaschinen oder Kontaktbörsen.

(Foto: dpa)

Heidi, das schielende Opossum, kommt aus dem Leipziger Zoo und ist der neue Medien-Liebling. Mehr als 250.000 Fans begeistern sich inzwischen auf Facebook für sie. Damit hat das Tier mit dem schrägen Blick Berufsblondine Daniela Katzenberger (204.000 Fans) locker abgehängt.

Mittlerweile gibt es einen eigenen Song und sogar ein Ebenbild aus Plüsch von der Kösener Spielzeugmanufaktur. Beste Voraussetzungen für eine Karriere in der Werbung, sagen Experten.

Bei Imas spricht man Heidi Eigenschaften wie "süß", "sympathisch" und "interessant" zu, die Marktforscher von Trendscope attestieren "Überzeugungskraft" und "Sexyness". Ipsos-Forscher sprechen von "tollpatschig" und "treu".

"Auf sympathische Weise könnte Heidi den Produktnutzen etwa bei Navigationsgeräten transportieren", meint Testimonialexperte Gerrit Seul von Trendscope. "Nach dem Motto: Mein TomTom gibt mir den Durchblick". Auch für Waschmaschinen und deren Schleuderkraft könnte Heidi passen.

Ipsos-Forscher Bastian Groteloh schlägt Kontaktbörsen vor - "denn schließlich zählen die inneren Werte". Im Prinzip eignet sich das Tierchen für alle Produkte, meint Imas-Chef Achim von Kirschhofer. "Man muss nur einen passenden Kontext kreieren."

Botschafter für den Zoo Leipzig ist die Beutelratte bereits. Dort rechnet man aufgrund des Heidi-Hypes mit einem deutlichen Besucherandrang, wenn im Juli die neue Tropenerlebniswelt eröffnet wird. Darüber hinaus will der Zoo aber eigentlich kein Geld mit dem Opossum verdienen.

Wer das aber möchte, "muss beachten, den Hype um das Tier am Leben zu halten und fortzuspinnen", warnt Imas-Chef Kirschhofer, "sonst kann er schnell zur Eintagsfliege werden." Das sei auch Optikern geraten, denn bei Brillen und Sehhilfen ist der Product Fit offensichtlich, da sind sich die Marktforscher einig.

Beim Brillenriesen Fielmann hat das Tierchen allerdings wohl keine Chance auf einen Job. Denn Firmenchef Günther Fielmann, privat Bio-Bauer, engagiert sich seit zehn Jahren schon für eine ganz andere Rasse: das Kärntner Brillenschaf.

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