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W&V: Turbulenzen bei Penthouse:"Keiner verlässt das Büro"

Die Redaktion der deutschen "Penthouse" hatte wegen ausstehender Zahlungen zum Teil den Dienst verweigert - nun ließ der österreichische Verlag die Münchner Redaktion räumen.

Lisa Priller-Gebhardt

Das deutsche Magazin "Penthouse" blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück - hohe Verlags- und Chefredakteursfluktuation inbegriffen. Doch was am Dienstag, den 4. Mai, am Münchner Redaktionssitz geschah, bildet den traurigen Höhepunkt: Nachmittags um halb drei betritt der "Penthouse"-Verlagsleiter, Stefan Korntheuer, die Redaktionsräume an der Pilgersheimerstraße. In seinem Schlepptau: Vier Packer. Auf die knappe Ansage: "Die Münchener Redaktion wird geschlossen" und "Keiner verlässt das Büro" bauen vier Muskelmänner innerhalb von einer halben Stunde die komplette Technik ab und verschließen das Büro. Das berichten übereinstimmend Chefredakteur Markus Boden, Marketing- und Eventleiterin Uli Eder sowie Art Director Pascal Mänder. Auch Ulrich Grund von der Kanzlei Romatka in München bestätigt die Vorgänge.

Markus Boden

"Es war die totale Blockade": Penthouse-Chefredakteur Markus Boden.

Zum Hintergrund: Ende letzten Jahres übernahm das österreichische Unternehmen Sinon Media die Lizenz für die deutsche "Penthouse"-Ausgabe und gründete in München ein Redaktionsbüro. Doch schon bald hakt es: Redakteure und Fotografen warten auf ihr Geld. Gerüchte machen die Runde, Legerer wolle die Redaktion nach Wien holen und das Heft von dort aus billiger produzieren. Der Verlagsleiter reist nach München, zerstreut die Umzugs-Gerüchte und kündigt die Zahlung der ausstehenden Gehälter an. Doch: "Geld kam keines", sagt Boden. Und: Korntheuer habe weder auf Anrufe noch auf Emails reagiert. "Es war die totale Blockade".

Den Mitarbeitern kamen Zweifel an den gemachten Zusagen und sie nahmen anwaltliche Hilfe in Anspruch. Danach hatte sich die im Stich gelassene Mannschaft entschlossen, die Daten der fertig gestellten Juni-Ausgabe erst dann an die Druckerei liefern, wenn alle ausstehenden Rechnungen bezahlt seien. In Österreich war man sich der brenzligen Situation bewusst: Tatsächlich gingen Teilzahlungen ein und die Redaktion gab die Daten frei. Verleger Otto Legerer muss das Verhalten gewurmt haben. Er soll sogar von Erpressung gesprochen haben. "Doch um Erpressung handelt es sich nur dann, wenn man sich persönlich bereichern will und davon kann nun wirklich keine Rede sein", sagt Boden.

Er geht davon aus, der Verlag habe die Situation bewusst zur Eskalation gebracht. Bis an jenem Dienstagnachmittag um halb drei. "Die Männer sind sehr massiv aufgetreten. Wir hatten kaum Zeit, unsere persönlichen Dinge an uns zu nehmen. Innerhalb von 30 Minuten mussten wir raus aus dem Büro und die Türe wurde verschlossen", sagt Mänder. Er selbst wartet nach wie vor auf die Zahlung von zwei Monatsrechnungen. Seine Kollegin Uli Eder ist immer noch geschockt. "Niemand verdient es, so behandelt zu werden. Ich fühlte mich bedroht und meiner Würde beraubt", sagt Eder. Noch heute wartet sie auf ausstehende Gehälter und die Begleichung ihrer Auslagen.

In einer österreichischen Pressemitteilung ließ Korntheuer verbreiten: "Das Redaktionsbüro München ist unverändert". Nach Kenntnisstand von w&v-online sind die Büroräume aber weiterhin verwaist. Das Magazin wird seither offenbar von Wien aus erstellt. Fraglich ist jedoch, von wem. Im Impressum von Penthouse.de wird kein Chefredakteur genannt. Die nächste Ausgabe sollte ursprünglich am 24. Juni an den Kiosk kommen. Diesen Termin können die Wiener nicht halten. Laut Pressehandel erscheint das nächste Heft mit einwöchiger Verspätung. Korntheuer war trotz mehrerer Versuche nicht für eine Stellungnahme zu sprechen.

© sueddeutsche.de/kar
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