W&V: Nachwuchs für Chefpositionen Wo sind die jungen Entscheider?

Der Fernsehbranche fehlt es an jungen Leuten in den Entscheiderpositionen. Dort sitzen seit Jahren dieselben Manager. Unverbrauchte Talente steigen nicht auf oder gehen gleich ins Online-Business.

Von Sigrid Eck

Zu Tausenden drängen sie ins Fernsehen. Junge Menschen wollen zu Shows wie Deutschland sucht den Superstar (RTL), oder zu Popstars (ProSieben). Ihr Ziel ist der glanzvolle Auftritt vor der Kamera. Aber dahinter? Wo sind der 28-jährige Produzent und die 30-jährige Programmchefin, die ihren Weg nach oben gemacht haben? Wo ist das Talent, das kürzlich eine neue Show konzipiert hat?

Jung und erfolgreich: In so mancher Branche selbstverständlich - z.B. wie Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck - aber wo bleiben die jungen Produzenten und Programmleiter?

(Foto: REUTERS)

Es gibt sie nicht. Stattdessen dominieren Mittvierziger bis Mittfünfziger die deutsche Fernsehlandschaft. "Wir sind so alt wie in den 70er-Jahren, als es noch kein Privatfernsehen gab", stellt einer der deutschen Top-Produzenten lapidar fest.

In anderen Branchen ist Erfolg keine Frage des Alters: Als Lars Hinrichs das Social-Netzwerk Xing gründete, war er 27 Jahre alt. Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck gewann mit 34 Jahren den Oscar. Dabei sind die Ausbildungswege in die Medien kaum noch zu zählen - keine deutsche Uni, Hochschule oder sogar Berufsschule, die nicht einen Medienstudiengang im Angebot hätte. Der Nachwuchs wird offiziell gehegt, gepflegt und mit Preisen belohnt. Aber was kommt danach, wenn die Gehätschelten ein bisschen älter geworden sind? Praktikantenverträge oder befristete Stellen.

Senderchefs, Programmverantwortliche, große Produzenten und Ehemalige konstatieren, wenn auch gerne hinter vorgehaltender Hand: In den Entscheidungsetagen arbeiten seit zehn bis 15 Jahren die gleichen Leute. Die etablierten Bosse machen ihren Job, keine Frage. Aber sie bleiben unter sich. Sechs Thesen, warum es an der Spitze der TV-Branche kein Talent gibt, das jünger als 40 Jahre alt ist.

These 1: Das Nutzungsverhalten verändert sich. Und damit auch die Vorstellung, wo man arbeiten möchte. Die meisten brauchen gar keinen klassischen Fernsehsender mehr, beobachtet Christoph Caesar, Lehrbeauftragter an der Fresenius Medien FH in Köln und Partner bei der PR-Agentur Brunomedia. Große Events wie DSDS oder Schlag den Raab werden zwar live und oft mit Freunden gesehen, viele Inhalte aber kommen aus dem Internet via iTunes oder On-Demand-Portale. Der klassische Couch-Potato wächst nicht mehr nach. "Und damit schwindet auch die Begeisterung für das Medium Fernsehen", bilanziert Caesar.