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W&V: Gewinnspiele im Fernsehen:Es müssen dringend neue Modelle her

Wie geht es nun weiter? "Call-in wird eine tragende Säule des Programms von 9Live bleiben", kündigt Ralf Bartoleit, Geschäftsführer des Senders, an. Mit dem jüngst erzielten Vergleich habe 9Live "einen großen Schritt für die Nachhaltigkeit dieses Geschäftsmodells getan". Doch Bartoleit weiß auch, dass dringend neue Modelle her müssen. Deshalb arbeitet er "Zug um Zug daran, den Sender auf weitere Säulen zu stellen". In den vergangenen Monaten wurden verschiedene Konzepte getestet, darunter eine Finanzberatungssendung ( Finanzen.de) und verschiedene 50-Cent-Spieleformate. Je nach Entscheidung der Länder beim Glücksspielvertrag "werden wir uns verschiedene neue Formate fürs TV anschauen", sagt der Manager.

Einen anderen Weg geht Sport 1. Momentan finden noch Gewinnspiele am Schirm statt, doch "langfristig" will der Münchner Sender "die Flächen für Call-in eher reduzieren". Bereits Anfang des Jahres habe man die Schiene um 23 Uhr aus dem Programm genommen. Und die Nachmittags-Schiene werde häufig für eine Sonderprogrammierung zu aktuellen Ereignissen genutzt.

Anders sieht es bei den Radiosendern aus. Gewinnspiele dienen dort dazu, den Hörer länger bei der Stange zu halten oder den Sender einzuschalten. Die Erlöse aus den Anrufen dienen vielfach zur Refinanzierung der ausgesetzten Preise. "So können attraktive Sachpreise oder hohe Geldsummen auch von regionalen Anbietern angeboten werden", sagt Klaus Gräff, Geschäftsführer der RBC, einer 100-prozentigen Tochter der Regiocast. Nach Zeiten der Verunsicherung durch die Anfang 2009 eingeführte Gewinnspielsatzung habe sich die Lage wieder entspannt. Deshalb, sagt Gräff, werde die "Bedeutung des Einsatzes von Mehrwertnummern als Erlösquelle weiter wachsen". Die RBC werde ihr Call-Volumen um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigern.

Die Einschätzung kann Valerie Weber, Geschäftsführerin und Programmdirektorin bei Antenne Bayern, nicht teilen: "Als Geschäftsmodell haben Gewinnspiele mit Call-in-Charakter in vielen Märkten ausgedient." Bei dem Sender mit Sitz in München basieren nach eigener Aussage alle Spiele auf kostenlosen Hotlines oder auf Internet-Beteiligung. Letzteres sei "als Geschäftsmodell für Kunden interessant, die sich im Rahmen eines Spiels sowohl on air als auch optisch online präsentieren und Kontakte machen wollen", sagt Weber.

Das könnte die Zukunft sein. Auch 9Live-Chef Bartoleit findet das Crossover-Modell interessant: im TV für Spiele zu werben, die im Internet stattfinden.