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Vor dem Ende von "Wetten, dass..?:Lanz fragt ... Warum so viel Hass?

'Wetten, dass..?' aus Offenburg

Moderator Markus Lanz bei der "Wetten, dass..???"-Show in Offenburg (Archivbild vom April).

(Foto: Getty Images)
  • An diesem Samstag zeigt das ZDF zum letzten Mal "Wetten, dass..?" - Moderator Markus Lanz tritt ab. Was wurde er beschimpft, gehasst und lächerlich gemacht.
  • Nun ist es an der Zeit, den Hass ruhen zu lassen.
  • Es gibt gute Gründe, dass das Konzept hinter "Wetten, dass..?" auch ohne Lanz keinen Samstagabend mehr getragen hätte.

Was wurde er beschimpft, gehasst und lächerlich gemacht. Regelmäßig schien es an den Sonn- und Montagen nach "Wetten, dass..?", als gebe es in diesem Land kein größeres Problem als ihn: Markus Lanz, diesen adretten, aufgeräumten Mann, den man, bevor er das liebenswerte Show-Ungetüm übernahm, entweder nicht kannte oder eben irgendwie ganz okay fand als Moderator seiner soliden Talkshow.

Doch als er dann sechsmal im Jahr die Treppe aller Treppen herunterglitt, da war es vorbei mit dieser Mischung aus Ignoranz und Minimalsympathie, mit der man als Mensch im Showbusiness wohl ganz gut leben kann - aber sicher nicht will.

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Es gibt mittlerweile sicher keinen Fernsehkritiker mehr, der ihn nicht verrissen oder wenigstens seufzend verworfen hätte. In den sozialen Netzen belebte die Lanz-Häme den drögen "Wetten, dass..?"-Samstagabend zumindest auf dem Second Screen. Es gibt einen Twitter-Account (@lanzfragt), der einfach Lanz' ungeschickteste Fragen transkribiert. Hintereinander weggelesen wirken die tatsächlich, als wisse da jemand nicht so recht, was er tut. Aber andererseits läse sich wohl das Meiste, was Leute so sagen ganz genau so, wenn sich jemand die Mühe machte, es mitzuschreiben.

Drei Gründe, warum "Wetten, dass..?" nicht mehr funktioniert

Aber wenn Markus Lanz nun den alten Dampfer "Wetten, dass..?" endgültig in den Schiffsfriedhof der deutschen Unterhaltungsgeschichte fährt, ist es an der Zeit, den Hass ruhen zu lassen - und zu fragen, ob nicht jeden Nachfolger von Thomas Gottschalk früher oder später das gleiche Schicksal ereilt hätte. Nicht, weil Gottschalk ein so unfassbar guter Moderator gewesen wäre. Sondern weil erst der Bruch in der Goldlocken-Brokatanzug-Großgesten-Kontinuität das Konzept der Sendung wieder sichtbar gemacht hat. Es gibt gute Gründe dafür, dass dieses Konzept keinen Samstagabend mehr tragen kann.

"Wetten, dass..?" bestand ja abgesehen vom Moderator aus drei Elementen. Erstens: Berühmte Menschen (die man sonst nicht zu sehen bekommt) sitzen auf einer Couch. Zweitens: Nicht berühmte Menschen zeigen, was sie Absurdes können (und die Sendung liefert das Publikum dazu). Und drittens: Berühmte und nicht berühmte Menschen treffen aufeinander (was sonst nie passiert).

Die Stars

Alle drei Elemente haben heute ihre Voraussetzungen verloren. Erstens: Die Stars. Das Celebrity-Phänomen hat jene klar abgegrenzten Plattformen, auf denen sich Berühmtheiten früher präsentierten - die Samstagabendshow, die Klatschpresse - längst restlos überwuchert. Auf Instagram zeigt Rihanna Urlaubsbilder und Beyoncé ihre neue Frisur. Auf Twitter erzählen manche Prominente wesentlich intimere Dinge als sie je auf der Couch von "Wetten, dass..?" sagen würden. Wer will, kann ihnen Nachrichten schicken.

Und wer sich lieber klassisch unterhalten lassen möchte, kann sich auf YouTube Promi-Interviews ansehen, von denen Lanz, aber auch Thomas Gottschalk nur träumen können: Zu amerikanischen Late-Night-Talkern wie Jimmy Kimmel, Jimmy Fallon und Conan O'Brien kommen die größten Stars bis an die Zähne gewappnet mit Anekdoten - weil sie wissen, dass sie auf ein forderndes, schnelles Gegenüber treffen werden.

In den gewaltigen Stadthallen von "Wetten, dass..?" verhallen solche Mitbringsel ohne großen Effekt. Ganz schön war das zuletzt bei Jennifer Lawrence zu sehen. Sie erzählte von ihrem Hund, der ein Lied der ebenfalls geladenen Band One Direction mitjaulen könne. Nachfrage, witzige Reaktion - Fehlanzeige. Die Reaktionszeit eines Riesenpublikums wie in Graz ist zu lang und die nötige Simultanübersetzung erschwert jede Spontaneität.