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Initiator von #allesdichtmachen:Querschießer

Volker BRUCH, Schauspieler, Protagonist in der Serie Babylon Berlin , Portraet, Porträt, Portrait, Angeschnittenes Einze

Schauspieler Volker Bruch, bekannt aus der Serie "Babylon Berlin".

(Foto: Malte Ossowski/imago images/Sven Simon)

Warum will #Allesdichtmachen-Mitinitiator Volker Bruch in eine Partei, die "Querdenkern" nahesteht?

Von Nicolas Freund und Harald Hordych

Der Schauspieler Volker Bruch wird inzwischen nicht mehr nur als einer der Initiatoren der missglückten Internetaktion #Allesdichtmachen kritisiert, sondern auch für seinen Antrag auf Aufnahme in "Die Basis". Die Protestpartei, die sich im Juli 2020 gegründet hat, kritisiert die Präventionsmaßnahmen der Bundesregierung gegen das Coronavirus und steht personell und ideologisch in der Nähe der "Querdenker"-Bewegung. Zunächst hatten die Initiatoren von #Allesdichtmachen eine Verbindung zur Querdenker-Bewegung von sich gewiesen.

Dass ein Eintrittsgesuch in "Die Basis" vorliege, bestätigte der Medienbeauftragte der Partei, David Claudio Siber, der SZ. Das Antragsverfahren sei noch nicht abgeschlossen und Bruch noch kein Mitglied der Partei.

Der 41-jährige Bruch, einer der Stars der TV-Serie Babylon Berlin, hatte mit mehr als 50 Schauspielerinnen und Schauspielern ironisch Kritik an den Corona-Maßnahmen der Regierung vorgebracht. 26 der Clips wurden inzwischen zurückgezogen, nachdem Kritiker, darunter andere Schauspielerinnen und Schauspieler, darauf hinwiesen, dass die heillose Aktion nicht zuletzt Pflegepersonal, Ärzte und Erkrankte verhöhne.

Wenige Tage später folgten Medienberichte, unter anderem von Tagesspiegel und Spiegel, die mögliche Verbindungen einzelner Mitwirkender zu rechten Netzwerken und Corona-Leugner-Kreisen nachzeichneten. Diese Berichte legten auch offen, dass sich Volker Bruch beim Dreh von Babylon Berlin weigerte, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, aus medizinischen Gründen hatte er sich mit einem ärztlichen Attest davon befreien lassen.

Maskentragen gehört erkennbar nicht zum Parteiprogramm

Ein Aufnahmegesuch Bruchs bei "Die Basis" spricht nun für die These, die missglückte Video-Aktion könnte von Corona-Leugnern und auch rechten Netzwerken unterwandert gewesen sein. Auf ihrer Website finden sich zahlreiche Videoclips von Corona-Demos; Maskentragen und Abstandhalten gehören erkennbar nicht zum Parteiprogramm. Außerdem heißt es dort: "Mit den Maßnahmen, die 2020 getroffen wurden, geht der Verlust unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung auf dem Wege des Notstandsrechts einher."

Die Partei unterhält in jedem Bundesland einen Landesverband. Zu ihren laut Eigenangaben 15 000 Mitgliedern zählt der Anwalt Markus Haintz, dessen Lehrvertrag die Hochschule Biberach "wegen seiner Aktivitäten" kürzlich nicht verlängert hat, wie es offiziell heißt. Haintz ist laut Schwäbischer Zeitung einer der Organisatoren der vom Verfassungsschutz beobachteten Gruppe "Querdenken Ulm/Neu-Ulm" und tritt dort als Redner auf. Ein weiteres prominentes Mitglied ist der Anwalt Dirk Sattelmaier, der in Videos der Querdenker-Bewegung Werbung für die Einschränkungen zur Bekämpfung des Coronavirus mit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vergleicht.

Bruch ist nicht erreichbar und lässt sich seit Tagen von seiner Agentur wegen Dreharbeiten entschuldigen. Sämtliche Verantwortliche der erfolgreichen Serie und auch die Sender äußern sich auf Anfragen bisher ausweichend. Die Produktionsfirma Degeto schrieb auf Anfrage der SZ: "Wir kommentieren politische Aktivitäten und Haltungen nicht, solange sie nicht gegen geltende Gesetzgebung verstoßen." Die geplanten Dreharbeiten der vierten Staffel von Babylon Berlin seien von den Vorgängen nicht betroffen.

© SZ/cag
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