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Kamala Harris auf dem Vogue-Cover:Angemessen ist das nicht

Kontroverse um ´Vogue"-Cover von US-Vizepräsidentin Harris

Einmal staatstragend, einmal eher lässig: Die künftige Vizepräsidentin Kamala Harris auf dem digitalen und dem gedruckten Cover der aktuellen "Vogue".

(Foto: Tyler Mitchell/dpa)

Die künftige US-Vizepräsidentin Kamala Harris ist auf dem Cover der "Vogue" zu sehen. Warum nun verständlicherweise viele irritiert sind.

Von Julia Werner

Kamala Harris ist auf dem Februar-Cover der amerikanischen Vogue zu sehen. Und die Aufregung auf Twitter ist groß. Denn die erste Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten steht in Converse-Turnschuhen und einem unglücklichen Jacke-Jeans-Outfit vor einer Fotowand aus rosa Taft und moosgrünem Samt. Und lächelt in die Kamera, als sei sie beim Hundefriseur erwischt worden. "Ist das dem Amt angemessen?" - lässt sich das Entsetzen vieler zusammenfassen. Dieses Entsetzen gilt aber nicht so sehr den Turnschuhen, die Harris' Markenzeichen sind - sondern der nachlässigen Arbeit des angeblich immer noch wichtigsten Modemagazins der Welt. Und seiner Königin, Anna Wintour.

Die Frage lautet, warum die Chefredakteurin ausgerechnet dieses Foto für die Printausgabe ausgesucht hat, das eher wirkt wie ein Probeschnappschuss. Und nicht das andere Motiv, auf dem Kamala Harris in einem gut sitzenden hellblauen Hosenanzug von Michael Kors mit einem selbstsicheren Lächeln posiert, und das das Magazin als digitales Cover postete. Ein Autor des New York Magazines twitterte, er habe aus sicherer Quelle, dass das Team Harris fest mit ebenjenem Cover gerechnet habe, das Thema nahm an Fahrt auf. Eine Aktivistin bezeichnete das Foto als an sich nicht schlecht, aber unter den Standards von Vogue, es sähe aus wie kurz vor Schulanfang gemachte Hausaufgaben, respektlos also. In der Tat wirken Vogue-Cover normalerweise anders, man denke an die königliche Hillary Clinton im Samtkleid vor Amtsantritt ihres Mannes, oder an Michelle Obama, die ihr Glamour-Talent und ihre gestählten Oberarme gleich dreimal auf der US-Vogue in Szene setzte.

Vor dem Hintergrund der "Black Lives Matter"-Proteste war Wintour stark kritisiert worden

Vogue-Mitarbeiter sahen sich also gezwungen, der New York Post Rede und Antwort zu stehen. Die zukünftige Vizepräsidentin habe darauf bestanden, sich selbst zu stylen. Was natürlich der Albtraum eines jeden Stylisten ist. Hinzu kommt: die Produktion eines Cover-Fotos ist harte Detailarbeit, normalerweise wird dafür ein ganzer Tag angesetzt. Zeit, die eine angehende Vizepräsidentin wohl eher nicht in ein Foto für ein Modemagazin investiert.

Warum die Wahl trotz besserer Alternative auf ein qualitativ so durchschnittliches Foto fiel, bleibt ein Geheimnis der gerne durchregierenden Vogue-Chefin. An dem ebenfalls zirkulierenden Vorwurf, Vogue habe die Hautfarbe der Senatorin per Bearbeitung aufgehellt, dürfte hingegen nichts dran sein. Dafür ist Anna Wintour zu lange im Geschäft. Mitte letzten Jahres hatten ihr Mitarbeiter vor dem Hintergrund der "Black Lives Matter"-Proteste schließlich fehlende Inklusivität von schwarzen Mitarbeitern vorgeworfen. Sie war mit dem Versprechen der Besserung davongekommen, liefert sich intern aber, wie man aus Condé-Nast-Kreisen hört, spitzfindige Duelle mit dem Mann, der als ihr Nachfolger gehandelt wird. Edward Enninful, erster schwarzer Chefredakteur einer Vogue-Ausgabe (der britischen), ist angeblich bereit für den Sprung. Gerade hat man ihn bei Condé Nast zum Chef aller europäischen Ausgaben gemacht, noch berichtet er an Wintour. Noch. Denn dass der schwarze Vogue-Fotograf Tyler Mitchell nur das in den Augen der Mehrheit bessere Motiv als sein Vogue-Cover twitterte, spricht Bände über den inklusiven Führungsstil der Anna Wintour. Und die leicht idiotische Coverzeile über ihre Tonsicherheit: The United States of Fashion. Angemessen ist das nicht.

© SZ
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