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NDR-Doku über VfB Oldenburg:Es fehlte nur ein bisschen Glück

Sportclub Story - Legenden einer früheren Fußballhochburg

Vom Stadion Donnerschwee wechselte der Club ins Marschweg-Stadion.

(Foto: Inka Blumensaat/NDR)

Der VfB Oldenburg war immer ein Verein der traurigen Helden - eine NDR-Doku würdigt die Flüchtigkeit des großen Moments.

Von Holger Gertz

Jeder Held braucht seinen Dichter, heißt es. Und jedem Heldenverein ist zu wünschen, dass er irgendwann einer Dichterin begegnet, die seine Größe erkennt und ihm einen Teppich ausrollt, einen Bilderteppich. So gesehen hat der VfB Oldenburg Glück gehabt, dass die NDR-Sportreporterin und Filmemacherin Inka Blumensaat sich entschieden hat, seine Geschichte zu erzählen. Genauer gesagt eine Phase seiner Geschichte zu Beginn der Neunziger, als sich weltpolitisch alles zum Besten zu wenden schien. Und als der VfB Oldenburg, dieser ewig unterklassige, weltpolitisch unbedeutende und trotzdem stolze Verein aus Niedersachsen zu einem Höhenflug ansetzte, wie er ihn vorher und leider auch danach nicht mehr erlebt hat. So viele Helden wie damals versammelten sich nie wieder im Stadion Donnerschwee, genannt "Hölle des Nordens": der Trainer Wolfgang Sidka. Der Manager Rudi Assauer. Der Spielmacher Wolfgang "Maxe" Steinbach aus Magdeburg, genannt "Maradona des Ostens". Der Vorstand natürlich: Klaus Baumgart, ein Partyschlagersänger. Der hatte gerade einen Hit: "Klingeling, hier kommt der Eiermann." War das nicht peinlich - und herrlich zugleich?

Beinahe wäre der VfB 1991 in die Fußball-Bundesliga aufgestiegen, es fehlte nur ein Punkt zum Wunder. Es fehlte nur etwas Glück, das dem VfB Oldenburg oft gefehlt hat, er ist ein Verein der traurigen Helden. Sinnbildlich steht der Satz, den der frühere Vereinspräsident Klaus Berster am Anfang dieser Dokumentation formuliert: "Man spricht ja immer vom Licht am Ende des Tunnels. Ich habe gesagt: Jungens, passt auf, das kann auch 'ne entgegenkommende Lokomotive sein."

Sportclub Story - Legenden einer früheren Fußballhochburg

Auch einer der Helden von damals: der frühere Vereinspräsident Klaus Berster.

(Foto: NDR/Inka Blumensaat/NDR/Inka Blumensaat)

Inka Blumensaat hat mehr als 300 Beiträge aus den Archiven von NDR und Radio Bremen ausgewertet und viele der Zauberer und Eiermänner von damals nochmal vor die Kamera geholt (wobei der Maradona des Ostens bescheiden darauf hinweist, dass der echte Maradona doch noch mal eine ganz andere Hausnummer gewesen sei). Heraus kommt eine dichte halbe Stunde über die Flüchtigkeit des großen Moments - und über einen Leidenschaftsfußball, der nicht nur in Oldenburg schon lange untergegangen ist. "Die goldene Zeit des VfB Oldenburg" ist die jüngste Episode einer Reihe von Dokumentationen, die der NDR am späten Sonntagabend unter dem Label "Sportclub Story" sendet. Die Schwerpunkte sind unterschiedlich: Filmessays über den Umgang mit Dopingsündern. Über das Loch im Leben nach der Karriere. Dokus über das letzte Pokalfinale der DDR und über die historische Tour de France 1997, in der Hochphase des kollektiven Selbstbetrugs. Zum vergangenen Jahreswechsel haben die Filmautoren Ben Wozny und Ole Zeisler mit Campingwagen und Thermoskanne verschiedene Athleten und Vereine im Norden abgeklappert, ein origineller Jahresrückblick als Reise durchs Coronaland.

Jeder dieser Filme nimmt sein Thema ernst, und auch Blumensaats Betrachtung über Oldenburg ist mit spürbarer Wärme gemacht. Der Verein ist längst in den Tiefen der Niederklassigkeit gestrandet. Wenn er mal sportlich halbwegs stabil ist, bricht - klingeling - garantiert sonst wo was weg: Das scheint ein Naturgesetz zu sein. Und jetzt ist auch noch Corona. Verglichen mit heute waren es echt goldene Zeiten damals. Und dann, auf den alten Aufnahmen, diese Bandenwerbung von früher: "Imbiss Jelken", "Botterbloom-Eis", "Hullmann-Korn". Für einen Oldenburger jedenfalls: ein echter Herzenswärmer, dieser Film.

Sportclub Story - Die goldene Zeit des VfB Oldenburg, Sonntag 23.35 Uhr NDR

© SZ/cag
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