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"Vertraue mir" im ZDF:Jürgen Vogel kämpft gegen geballte Klischees

"Vertraue mir" mit Jürgen Vogel im ZDF

Der Ex, dein Freund und Retter: Bankerin Elena (Julia Koschitz) mit ihrem gar nicht mehr so Verflossenen Marc (Jürgen Vogel).

(Foto: ZDF und Martin Valentin Menke)

Bankerin Elena will sich an die Spitze ihres männlich dominierten Umfeldes ackern: Der Plot von "Vertraue mir" klingt erst mal gut - wären da nicht plattitüdenhafte Dialoge und überzeichnete Figuren.

Deutsche Fernsehfilme haben zwei Standardzutaten: eine sehr beschränkte Auswahl an Handlungsorten (tiefste Provinz oder Berlin) und das Hauptthema "Liebe". Dementsprechend muss man den Fernsehfilm Vertraue mir von Franziska Meletzky zunächst loben: Der Thriller spielt im Frankfurter Bankenmilieu und die Hauptfigur ist trotzdem kein schleimfrisuriger Schlipsträger, sondern eine Bankerin namens Elena (Julia Koschitz).

Die will sich mit aller Härte an die Spitze ihres männlich dominierten Umfeldes ackern, stößt allerdings auf Dokumente, die auf dubiose Geschäfte der Bank hinweisen. Ihr kühler Chef Dr. Ahrends (August Zirner) will davon nichts hören, stattdessen wird Elena auf einmal von allen geschnitten und muss sich fragen: Ist sie paranoid oder einer Intrige auf der Spur?

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Wie gut, dass - an dieser Stelle dann doch wieder ganz der deutsche Fernsehfilm - die Liebe in Form von Elenas Ex-Freund und EDV-Chef Marc (Jürgen Vogel, hackeruntypisch übrigens meist ohne Kapuzenpullover ) in ihr Leben tritt. Gemeinsam bleibt den beiden eine Nacht, um die Zukunft der Bank und am Ende auch Elenas Existenz zu retten.

"Ich hatte die Schnauze voll vom globalen Beschiss bei allen Banken auf der Welt" - Ist klar

Das Grundgerüst von Vertraue mir bietet also allen Grund zur Hoffnung auf etwas Abwechslung im TV. Tatsächlich hält auch Jürgen Vogel sich in dem Film angenehm zurück, ganz in dem Wissen, nur Sidekick der starken Frauenfigur zu sein - die ihn nach eigenen Angaben an dem Projekt überhaupt erst reizte: "Man erwartet von ihr, weil sie eine Frau ist, dass sie ihren Job anders macht als Männer. Aber das tut sie nicht. Das findet man zunächst wahnsinnig unsympathisch - aber eigentlich ist das nicht fair", sagt Vogel.

Umso ärgerlicher ist es, dass man sich nicht wahnsinnig viel Mühe mit den Dialogen und der Figurenzeichnung gemacht hat. Beispiel: Wie reagiert ein Bankenchef auf eine Leiche vor seinem Büro? Genau, er bittet die Polizei, das wegzuräumen und geht weiter. Und was sagt der von der Bank geschasste Ex-Mitarbeiter: "Ich hatte die Schnauze voll vom globalen Beschiss bei allen Banken auf der Welt." Ist klar.

Und eben diese sehr großflächig ausgebreitete "Die da oben an der Macht scheißen doch auf uns"-Logik ist es auch, bei der es sich der Film doch eine Spur zu einfach macht. Selbst wenn man wie Jürgen Vogel sagt: "Der Film soll nicht die große Wahrheit darstellen. Das war auch nicht das Ziel von Franziska, der Regisseurin." Ein bisschen mehr Argumente, ein bisschen weniger Schwarz-Weiß hätte man dem Zuschauer doch zutrauen können.

Jürgen Vogel sagt übrigens auch: "Ich bin kein Verfechter von großen Botschaften. Der Film sind hoffentlich 90 Minuten gute Unterhaltung." Vermutlich ist genau das die Perspektive, aus der man ihn betrachten sollte.

Vertraue mir, ZDF, 20.15 Uhr.

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