Verleihung in Köln Fernsehpreis geht an umstrittenes Format "Auf der Flucht"

Mit der Reihe hat sich das ZDF teils recht deutliche Kritik eingehandelt, jetzt ist "Auf der Flucht" mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet worden. Kabarettist Ottfried Fischer wird für sein Lebenswerk geehrt.

Im Duell zweier umstrittener TV-Formate hat sich die ZDFneo-Reihe Auf der Flucht gegen die RTL-II-Dauershow Berlin -Tag und Nacht (BTN) durchgesetzt. Die Sendung, in der Prominente sich auf die Spur von Flüchtlingen begeben, wurde am Mittwochabend in Köln mit dem Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie "Beste Unterhaltung Doku/Dokutainment" ausgezeichnet. Internationale Hilfsorganisationen hatten die Reihe kritisiert.

Auch BTN war gerügt worden: "Ein bewusst dilettantisches Schauspiel", nannte der Medienwissenschaftler Bernd Gäbler, früher Leiter des Grimme-Instituts in Marl, das in einer Berliner WG angesiedelte Format. Es solle die Vermutung mobilisiert werden: "Was so schlecht gespielt ist, kann nur echt sein." Das Format sei "aggressive Anti-Kunst" und lebe nur von einem "Kult des Authentischen".

Susanne Wolff wurde für ihre Leistung im ARD-Drama Mobbing in der Kategorie "Beste Schauspielerin" geehrt. Sie setzte sich damit gegen die Konkurrentinnen Nadja Uhl, Claudia Michelsen, Julia Jäger und Alice Dwyer durch. Matthias Brandt nahm für seine Leistungen in Polizeiruf 110 die Auszeichnung als "Bester Schauspieler" entgegen. Nominiert waren in dieser Kategorie auch Robert Atzorn, Volker Bruch, Tom Schilling, Lars Eidinger und Jan Josel Liefers.

"Ich nehme diesen Preis nicht an"

Das ARD-Drama Operation Zucker wurde zum "Besten Fernsehfilm" gekrönt. Die Geschichte um die Zwangsprostitution rumänischer Kinder in Deutschland behauptete sich gegen Der Fall Jakob von Metzler (ZDF) und die Guttenberg-Satire Der Minister (Sat.1). "Ich freue mich, dass es den Mut gibt, solch radikale Filme zu machen", sagte Produzentin Gabriela Sperl über Operation Zucker. "Und ich hoffe, dass nach der Wahl die Politiker sich für Kinder und gegen Prostitution einzusetzen."

"Ich nehme diesen Preis nicht an" - mit diesen Worten betrat Kabarettist und Schauspieler Ottfried Fischer die Bühne. Für einen Augenblick herrschte Stille unter den Gästen im Kölner Coloneum, bis Fischer nachschob: "Eine Pointe!" Vor fünf Jahren hatte der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki mit dieser Bemerkung die Auszeichnung abgelehnt, weil ihm viele TV-Sendungen, die an jenem Abend prämiert wurden, nicht gefielen. Fischer jedoch nahm den Ehrenpreis der Stifter für sein Lebenswerk an.

Als "Bester Mehrteiler" gewann die ZDF-Produktion Unsere Mütter, unsere Väter gegen den ARD-Zweiteiler Der Turm und das ZDF-Epos Das Adlon. Eine Familiensaga. Als "Beste Show" wurde die ProSiebenSat.1-Reihe Got to Dance gekürt. Dies blieb für den gastgebenden Sender Sat.1, für den das Komikergespann Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher moderierte, auch der einzige Preis am Abend. Entertainer Stefan Raab, der für seine Polit-Talkshow Absolute Mehrheit in der Kategorie "Information" nominiert war, musste sich der ZDF-Sendung auslandsjournal XXL: Brasilien geschlagen geben.