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Verleger Eberhard Ebner:Zeitungsmensch

Ein lesender Verleger. Einer, der ohne Zeitung nicht leben könnte - und das ist nicht im ökonomischen Sinne gemeint: Eberhard Ebner, der seit 2003 auch zu den Verlegern der "Süddeutschen Zeitung" gehört, wird am Donnerstag neunzig Jahre alt.

Als Journalist weiß man nicht so genau, ob man lieber einen alten Verleger oder neue Verleger hat. Alt und neu ist hier nicht lebensaltermäßig gemeint, sondern eher historisch. Eberhard Ebner zum Beispiel ist ein alter Verleger, der vor langer Zeit aus der Schwäbischen Donau-Zeitung die Südwest Presse machte. Ebner war bis vor Kurzem aktiver Verleger dieser Südwest Presse in Ulm; seit 2003 gehört er auch zu den Verlegern der Süddeutschen Zeitung.

Ebner ist nicht nur im Sinne beruflicher Erfahrung ein alter Verleger, sondern, man darf dies durchaus so sagen, auch lebensaltersmäßig. An diesem Donnerstag wird Ebner 90 Jahre alt. Er ist nicht mehr so aktiv, wie er es einmal war. Aber er ist das geblieben, was er immer war: ein Zeitungsmensch, ein Büchermann, ein lesender Verleger. Er liest "seine" und andere Zeitungen, er liest Bücher und Aufsätze. Das ist sehr schön und leider nicht mehr die Regel. Als Chefredakteur bekommt man es, natürlich kaum bei der Süddeutschen, heute immer wieder mit Verlegern oder anderen Verlagshierarchen zu tun, die eigentlich nicht lesen. Das ist seltsam, weil man denkt, dass nichtlesende Verleger so was sind wie vegane Metzger, nur weniger blutig in der Ausübung ihres Geschäfts.

Eberhard Ebner war einer der Treibenden dabei, dass sich die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH), zu deren führenden Gesellschaftern er gehörte und gehört, vor 16 Jahren am Süddeutschen Verlag (SV) beteiligt hat. Mittlerweile hält die SWMH mit 81,25 Prozent den Löwenanteil am SV. Der Einstieg der SWMH beim SV war für Ebner nicht nur eine Sache verlegerischen Denkens, sondern es ging auch um die Leidenschaft des lesenden Verlegers. Nicht zu Unrecht hält Ebner die Süddeutsche für die beste Tageszeitung vielleicht nicht in Schwaben, aber doch in Deutschland.

Es gibt nicht mehr viele Verleger wie Eberhard Ebner. Er könnte ohne Zeitung nicht leben, und das ist nicht ökonomisch gemeint. Etwas viel Besseres kann ein Journalist über einen Verleger wohl nicht sagen.