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Verlage:Die Zeit danach

Das Gesellschaftsressort des "Spiegel" bekommt nach der Affäre um den Ex-Reporter Claas Relotius einen neuen Namen und eine neue Chefin. Auch inhaltlich sollen sich Dinge ändern, Reportagen aber wichtiger Bestandteil des Hefts bleiben.

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel baut sein Gesellschaftsressort um. Unter neuer Leitung und mit neuem Namen werde das Reportage-Ressort auch inhaltlich neu ausgerichtet, teilte der Spiegel Verlag am Mittwoch mit. Die Seiten in der Mitte des Heftes sollten wie bisher der "Platz für Reportagen, Porträts, Reports und große Rekonstruktionen" bleiben, doch werde dieser künftig auch von Kollegen aus den anderen Ressorts bestückt. Geführt wird das in "Reporter" umbenannte Ressort von Özlem Gezer.

Die Veränderungen sind eine Reaktion auf den Fälschungsskandal um Claas Relotius, der als Reporter im Ressort Gesellschaft zahlreiche erfundene Geschichten ins Blatt gebracht hatte. Der damals noch amtierende Ressortleiter Matthias Geyer hatte die Verantwortung für das Team im Frühjahr abgegeben, nachdem er im Zusammenhang mit dem Skandal in die Kritik geraten war. Die vom Spiegel wegen der Affäre eingesetzte dreiköpfige Kommission hatte Geyer vorgeworfen, die Aufklärung in dem Fall nur zögerlich vorangetrieben zu haben. Geyer und der Spiegel haben sich im August getrennt.

Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann erklärte nun, besondere Erzählstücke seien "ein wichtiger Bestandteil der DNA des Spiegel, daran ändern auch die Fälschungen von Claas Relotius nichts". Das neue Führungsteam werde beweisen, "dass der Reportage bei uns zurecht ein besonderer Platz eingeräumt wird." Gezer, 38, ist seit 2012 beim "Spiegel". Sie war zunächst Redakteurin im Deutschlandressort, seit 2014 arbeitet sie im Gesellschaftsressort, seit 2017 als stellvertretende Ressortleiterin. Sie war es, die Claas Relotius nach zahlreichen Vertuschungsversuchen ein Geständnis entlockte.