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Verkauf von Springer-Blättern an Funke-Gruppe:Auf dem Weg in die digitale Zukunft

ARCHIV: Axel Springer verkauft Regionalzeitungen, Programm- und Frauenzeitschriften an die Funke Mediengruppe

Das Digitalgschäft als tragfähiges Modell? Der Axel-Springer-Verlag. 

(Foto: Getty Images)

"Ziemlich katastrophal": Der Deutsche Journalistenverband reagiert mit Empörung auf den geplanten Verkauf von Springer-Titeln an die Funke-Gruppe. An der Börse sorgt die Transaktion hingegen für Hochstimmung. Beobachter glauben, dass Springer jetzt als erstem Medienkonzern gelingen könnte, ein tragfähiges digitales Geschäftsmodell zu entwickeln.

Von Paul Katzenberger

Der Verkauf der Springer-Regionalzeitungen und etlicher Zeitschriftentitel des Konzerns stößt auf sehr unterschiedliche Reaktionen. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) sieht durch die Veräußerung Arbeitsplätze gefährdet. Der DJV-Geschäftsführer in Hamburg, Stefan Endter, begründete seine Skepsis mit der bisherigen Geschäftspolitik des Käufers. Angesichts der Rationalisierungsmaßnahmen der Funke-Gruppe bei der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" ("WAZ") sei die Sorge um die Sicherheit der Arbeitsplätze in den Medienunternehmen berechtigt.

Die Verkaufsankündigung bezeichnete er als "ziemlich katastrophal". Springer gebe seinen traditionsreichen Standort Hamburg weitgehend auf, sagte Endter: "Springer entwickelt sich zu einem Mischkonzern und verabschiedet sich weitgehend von seinem Verlagsgeschäft", sagte er.

An der Börse sorgte die Nachricht von der geplanten Transaktion hingegen für einen rapiden Kurs-Zuwachs bei Axel-Springer-Aktien. Der Titel schnellte bis zum Abend um über zehn Prozent auf 38,335 Euro nach oben und notierte damit auf dem höchsten Stand seit April 2012. Die Papiere waren damit auch der mit Abstand größte Gewinner im MDax, dem Leitindex für mittelgroße Unternehmen (MidCaps).

Analyst Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe sprach von einer "sehr guten Nachricht" für das Unternehmen. "Ich habe nicht erwartet, dass Springer sich so schnell von solchen Traditionsmarken trennen würde."

Die zügige Verkaufs-Entscheidung bei Springer könnte auch am schleppenden Absatz liegen, von dem Printprodukte allgemein immer stärker betroffen sind. Die durchschnittliche verkaufte Auflage des Hamburger Abendblatts ging ausweislich des Quartalsfinanzberichtes der Axel Springer AG im ersten Quartal 2013 gegenüber dem Vorjahresquartal um 4,6 Prozent auf 200.700 Exemplare zurück. Die Auflage der Hörzu sank um 5,2 Prozent auf 1,245 Millionen.

Statt schrumpfende Auflagen einzukalkulieren, kann Springer nun mit den Einnahmen aus dem Verkauf planen. Mit diesen werde es Springer leichter fallen, Übernahmen von Online-Anbietern zu refinanzieren, sagte Schlienkamp. Derzeit sucht die Deutsche Telekom einen Käufer für ihren Minderheitsanteil am Kleinanzeigen-Portal Scout24. Der Name Springer tauchte Anfang Juli auf einer Liste von Unternehmen auf, die deswegen mit der Telekom in Kontakt stehen.

Publizistische Wertschöpfungskette ändert sich

Dass Springer den Kaufpreis von 920 Millionen Euro dafür nutzt, seine Digitalsparte durch Zukäufe zu stärken, hält auch der Kommunikationswissenschaftler Klaus Beck von der Freien Universität Berlin für gut möglich: "Dieser Verkauf dient sicher dazu, Kapital freizusetzen", sagte er zu Süddeutsche.de.

Allerdings seien Zukäufe schwieriger geworden. "Die Zeiten, in denen innovative Unternehmen quasi zum Gratistarif eingesammelt werden konnten, sind vorbei." Beck hält es daher für denkbar, dass Springer nun als erster Medienkonzern eigene Online-Geschäftsmodelle in großem Stil entwickeln werde. "Bisher ist mir kein traditioneller Medienkonzern bekannt, der im Online-Bereich selbst innovativ gewesen wäre. Aber wenn man wichtige Vertreter seines Führungspersonals ein Jahr lang ins Silicon Valley schickt, dann hat man vielleicht genau das vor."

Ansatzpunkte hierfür bestünden, da sich die mediale Wertschöpfungskette gerade rasch verändere: "Gute Chancen ergeben sich derzeit in Bereichen, die dem publizistischen Kerngeschäft vor- und nachgelagert sind, also zum Beispiel bei Bewegtbild-Angeboten oder bei der Vermarktung von Werbeinhalten."

Einen völligen Rückzug Springers aus dem Print-Geschäft prognostiziert Beck hingegen nicht. "Wer bislang im Online-Bereich publizistisch erfolgreich sein wollte, brauchte bekannte Print-Titel. Die hat Springer mit Welt und Bild nach wie vor."

© Süddeutsche.de/pak/ihe/leja
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