"Verbotene Liebe" wird 18 Tausendmal gerührt

18 Jahre, 104.100 Sendeminuten, 7770 Filmküsse: Solche Zahlen können niemanden kaltlassen. "Verbotene Liebe" gehört zum Beständigsten unter den deutschen Seifenopern. Jetzt wird sie volljährig.

Von Charlotte Frank

Mit dem Motiv der Fischfabrik hatten jene Fernsehzuschauer, die für den anstehenden Jubeltag allenfalls ein müdes Lächeln übrig haben, bisher vielleicht nur John Steinbecks "Die Straße der Ölsardinen" assoziiert mit ihren Arbeitern in Gummihosen und Wachstuchschürzen und ihrem stinkenden Tagwerk, "die gefangenen Fische zu schneiden, zu putzen, zu kochen, zu verpacken und zu verlöten". Aber die Fischfabrik taugt als mannigfaltiges Symbol. Vielleicht wegen der verlöteten Ware, die hinten raus kommt.

"Natürlich hätte ich mir früher nie vorstellen können, in einer Fischfabrik zu arbeiten", sagt der Schauspieler Kristian Kiehling, "aber das ist auch ein Spiel mit mir selbst: Schaffe ich es, unter diesen Bedingungen meinem künstlerischen Anspruch gerecht zu werden?" Kiehling findet: Ja. Die Zuschauer können sich davon selbst ein Bild machen, am 30. und 31. Mai, um 18 Uhr in der ARD. Dann beginnt Kiehlings Zeit als neuer "Hauptcast" der ARD-Vorabendserie Verbotene Liebe, dann zeigt Das Erste ein zweitägiges Serienhighlight, dann wird gejubelt: Verbotene Liebe wird 18 Jahre alt. Hurra! Endlich volljährig.

18 Jahre, fast 4300 Folgen, 104.100 Sendeminuten, 7770 Filmküsse: Solche Zahlen können nicht einmal denjenigen kaltlassen, der sonst lieber Steinbeck liest oder zumindest so tut. Verbotene Liebe - Kenner sprechen von "VL" - ist im Verlauf ihrer Adoleszenz eine feste Programmmarke der ARD geworden, ein Orientierungspunkt für Millionen Zuschauer im fragmentierten TV-Markt; ein öffentlich-rechtliches Phänomen, wie Tatort und Tagesschau. "Eine Familiensaga im ganz großen Stil", hat Elke Heidenreich einmal geschrieben. Also: Zeit zu gratulieren? Zumindest Zeit, mal wieder genau hinzuschauen.

Man ahnt dunkel, worum es grundsätzlich so geht

Es wird ja auch mal wieder so spannend: Tanja von Lahnstein fiebert einem fulminanten Abend entgegen. Mit ihrer Designerin Rebecca von Lahnstein will sie bei einer Fashionshow mit ihrem Label "Ligne Clarisse Lahnstein" groß rauskommen. Aber obwohl Tanja von Lahnstein selbst ein Biest ist, hat sie nicht mit dem jüngsten Coup ihres Gegners gerechnet, der hinten auch von Lahnstein heißt und vorne Ansgar: Klammheimlich hat dieser Ansgar von Lahnstein den verruchten Berliner Designer Juri Adam eingekauft, der Tanja ihren Auftritt vermasseln soll. "Ausgerechnet auf der Fashionshow lässt Ansgar die Bombe platzen", heißt es in der Ankündigung des Serienhighlights. Wie es weitergeht, wird nicht verraten, man darf gespannt sein. Man ahnt ob des Plots aber dunkel, worum es bei Verbotene Liebe grundsätzlich so geht.

"Verbotene Liebe ist die Chanel-Seife unter den Daily Soaps", hat der Stern einst formuliert, womit klar wäre, dass die ARD hier nicht - wie in ihrer 2011 eingestellten Serie Marienhof - in popeligen Mietshäusern Alltagsprobleme grauer Mäuse und zerstrittener Nachbarn verhandelt. Bei Verbotene Liebe ist alles eine Nummer größer, glitzernder, gemeiner. Da hauen sich Intriganten aus der Welt des Adels und des Prunks die Köpfe ein, schlafen mit Verwandten von nah und fern, fliegen mit Yachten in die Luft, werden schwanger, werden homosexuell, lügen, betrügen, verlieben und bescheißen sich nach Lust und Laune, und wenn all das langweilig wird, taucht ein vergessenes Stiefkind auf, ein Halbbruder oder zur Not ein verruchter Designer mit einem nie aufgearbeiteten Bürgerkriegstrauma im Gepäck.

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"Mit der Rolle des Juri wird ein extrem vielschichtiger Charakter eingeführt", sagt Kristian Kiehling alias Juri Adam. Er sitzt im "Lichtwerk", einem weitläufigen Studio in Hamburg-Ottensen, anlässlich des anstehenden Geburtstags haben die Serienmacher zu Shootings und Interviews eingeladen. Zur Volljährigkeit bekommt die Serie einen moderneren Schnitt und eine neue Kameraführung, außerdem werden im Telenovela-Stil immer neue, in sich geschlossene, im weitesten Sinne verbotene Liebesgeschichten erzählt.