"Verbotene Liebe" wird 18 Vertrackte Sache. Verzwicktes Glück.

Der wohl wichtigste Neuzugang dafür ist Kristian Kiehling, der nach Stationen am Mozarteum in Salzburg, am Schauspielhaus Köln und in diversen Kino- und Fernsehfilmen nun ins Daily-Soap-Fach wechselt. "In die Fischfabrik", sagt Kiehling, und dass er sich über die Herausforderung freut. "Man muss das mal an die dicke Glocke hängen", sagt er: "In diesem Fernsehland ist der Wurm drin." Wer das Phänomen der Daily Soap, ihrer verschämten Anhängerschaft und ihrer erstaunlichen Beständigkeit gegen alle Widerstände verstehen will, tut gut daran, sich mit einem wie Kiehling zu unterhalten.

Während in seinem Rücken eine Verbotene-Liebe-Kollegin hoch motiviert im extraknappen Paillettenkleid vor der Kamera posiert, redet Kiehling sich in Rage: "In unserer Zunft wird ein Bohei um die Kategorisierung der Schauspieler gemacht." Oben stünden die Theaterleute, dann die vom Kino und vom Film "und ganz unten die Soap-Darsteller. Dabei möchte ich mal einen Theaterschauspieler sehen, der in so kurzer Zeit mit so einem Budget so professionell arbeitet", sagt er. Pro Woche produziert das Verbotene-Liebe-Team fünf Folgen.

"Konkurrenzsituation gravierend verändert"

"Ich nehme möglichst keine Termine zwischen 17.50 und 18.30 Uhr an, ich gehe dann auch nicht ans Telefon", auch das hat Elke Heidenreich über ihre Lieblingsserie geschrieben, als Gottschalks Vorabend-Geschwätz noch lief, und VL deshalb zehn Minuten früher starten musste. Auf ihre Hymne in der Welt am Sonntag hin bekam Heidenreich eine Gastrolle in der Serie verpasst, als Privatdetektivin, aber damit verglichen war selbst ihr Auftritt ganz früher in der Sendung mit der Maus noch unterhaltsam. Könnte auch an der Sendung gelegen haben.

Wahrlich, es ist nicht mehr leicht, das deutsche Publikum mit Soaps zu unterhalten. In den Neunzigerjahren noch galt das Format als Goldgrube für Werbekunden und TV-Manager, nun verliert es zunehmend an Bedeutung. Vor allem junge Zuschauer amüsieren sich besser bei Castingshows oder Scripted-Reality-Sendungen. Die erfolgreichste deutsche Seifenoper, Gute Zeiten schlechte Zeiten, hat von 2000 bis 2010 ein Viertel seiner Zuschauer verloren. Bei Verbotene Liebe hat sich die Anzahl der Zuschauer sogar mehr als halbiert: von 2,9 Millionen 1998 auf heute 1,3 Millionen - ein Marktanteil von nur noch 6,8 Prozent. Das Quotentief und zuletzt zwei Ausstrahlungspausen riefen immer wieder Spekulationen über ein Ende hervor.

TV-Serien

Alexis und die anderen Biester

Ein Grund zur Sorge? Nicht für die ARD. "Die Konkurrenzsituation am Vorabend hat sich in den letzten 18 Jahren gravierend verändert. Nur so sind die Zuschauerrückgänge zu erklären", sagt Bernhard Möllmann, Sprecher der ARD-Programmdirektion. Für Das Erste sei Verbotene Liebe nach wie vor eine "wichtige Farbe" im Programm.

So viel öffentlich-rechtliche Zuversicht möchte man nur zu gerne teilen. Also gratulieren, hinsehen, mitfiebern. Bald wird sich der Designer Juri in die moppelige Näherin Julia verlieben. Aber er merkt nichts von seinen wahren Gefühlen, natürlich nicht. Vertrackte Sache. Verzwicktes Glück. Verbotene Liebe. Sie hört nicht auf.