bedeckt München 19°

USA:Moderator John Oliver begleicht Arztschulden von 9000 Amerikanern

John Oliver

John Oliver hat mit einer spektakulären Aktion in seiner Sendung auf die Schattenindustrie von Inkassounternehmen hingewiesen.

(Foto: Greg Allen/AP)
  • Um auf die Schattenwirtschaft in vielen US-Bundesstaaten hinzuweisen, hat US-Moderator John Oliver ein eigenes Inkassounternehmen gegründet.
  • Er kaufte für 60 000 Dollar die Arztschulden von 9000 Amerikanern auf - und erließ sie den Betroffenen.
  • "Ich hätte legal meine Mitarbeiter bei diesen Menschen anrufen und ihr Leben auf den Kopf stellen lassen können", sagt Oliver.

43 Millionen US-Amerikaner haben Schätzungen zufolge Schulden wegen unbezahlter Arztrechnungen. Seit Sonntagabend sind es nun immerhin 9000 Menschen weniger: In seiner Talkshow "Last Week Tonight" verkündete Moderator John Oliver, ihre Arztschulden beglichen zu haben.

Oliver wollte mit der Aktion auf eine florierende Schattenwirtschaft hinweisen: In vielen US-Bundesstaaten ist es legal, Schulden zu kaufen und dann einzutreiben - auch wenn diese bereits teilweise verfallen sind. Zu diesem Zweck hatte Oliver eine Firma namens Central Asset Recovery Professionals (Carp) gegründet. Nach Olivers Angaben war der bürokratische Aufwand dafür geringer, "als wenn man Fische aus einem See fangen wollte".

Carp kaufte also für 60 000 Dollar die Schulden für Arztkosten von 9000 Amerikanern, die insgesamt 15 Millionen Dollar betrugen. Hätte es sich nicht um eine komödiantische Aktion gehandelt, sondern um ein echtes Inkassounternehmen, hätte er eine Menge Geld eintreiben können.

"Ich hätte legal meine Mitarbeiter bei diesen Menschen anrufen und ihr Leben auf den Kopf stellen lassen können, und das wegen Medizin-Schulden, die sie gar nicht mehr bezahlen mussten", erklärte Oliver in seiner Sendung. "Daran wäre überhaupt nichts falsch, außer der Tatsache, dass absolut alles daran falsch ist."

Statt das Geld einzutreiben, übergab der Moderator die Schuldnerliste an die Non-Profit-Organisation RIPMedicaldebt.org, die Geld für Aufkauf und Begleichung von Schulden armer Menschen sammelt. Die Organisation begrüßte die durch "Last Week Tonight" erzeugte Aufmerksamkeit für das Thema. "Das ist absolut fabelhaft", sagte ihr Geschäftsführer Craig Antico. "Das wirft ein Schlaglicht auf ein Problem, von dem wenige Menschen wissen."

© SZ.de/AP/ewid/vit

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite