USA Küss den Ring

Donald Trump gibt seinen Widerstand gegen die Übernahme des Medienkonzerns Time Warner durch den Mobilfunkriesen AT&T nicht auf. Dabei geht es weniger um diesen einen Fall - als um die Zukunft der Medienlandschaft in den USA.

Von Jürgen Schmieder

Es ist gerade mal ein paar Wochen her, dass der Mobilfunkgigant AT&T im Juni den Medienkonzern Time Warner nach einem viel beachteten Kartellrechtsprozess für 85,4 Milliarden Dollar gekauft hat. Ein Bundesgericht hatte den Zusammenschluss ohne Vorbehalte gegen die Bedenken des US-Justizministeriums genehmigt - doch nun hat eben dieses Ministerium vor einem Berufungsgericht Einspruch gegen diese Entscheidung eingelegt. Ein typischer Spielzug des Geschäftemachers Donald Trump? Typisch jedenfalls wäre, dass der Einspruch plötzlich und überraschend daherkommt, hanebüchen und relativ aussichtslos zu sein scheint - und genau deshalb langfristig wirkungsvoll sein könnte.

Dem US-Präsidenten ist der Zusammenschluss auch deshalb zuwider, weil dadurch der von ihm leidenschaftlich gehasste Nachrichtensender CNN gestärkt werden könnte. Trump hatte bereits als Präsidentschaftskandidat angekündigt: "Meine Regierung wird diesen Deal nicht zulassen!" Nun also teilte sein Justizministerium in einer Ein-Satz-Erklärung mit, man werde gegen die Entscheidung des Richters vorgehen. Die Regierung hatte die Klage gegen den Milliardendeal stets damit begründet, dass eine zu große Marktmacht und Nachteile für Wettbewerber und Kunden zu befürchten seien, das Gericht hatte die Beweise als "zu dünn" erachtet.

Nun aber geht es weniger darum, den bereits abgesegneten Zukauf aufzuhalten, als um den Versuch, das letzte Wort zu haben und eine Botschaft an künftige Verhandler zu senden: Bei künftigen Fusionen bestimmen wir, wo es langgeht. Vergleichbar mit dem Trump-Handschlag nach abgeschlossenen Verhandlungen, bei dem mindestens zwei Finger des Partners gestaucht werden. Und Beobachter grübeln, ob sie aus Angst nicht doch lieber einfach den Ring küssen sollen.

Dass Trump CNN hasst und Fox News liebt, spielt eine Rolle in den Milliardengeschäften

Die amerikanische Medienlandschaft verändert sich gerade gewaltig, was an Streamingportalen wie Netflix, Hulu und Amazon Prime liegt, die Inhalte sowohl produzieren als auch vertreiben und deshalb - und auch, weil sie erfolgreich Daten sammeln - sehr effizient agieren. AT&T hat also gute Gründe, sich breiter aufstellen zu wollen. Nicht nur, dass das Mobilfunkgeschäft weniger rasant wächst, viele Verbraucher sparen sich die hohen Gebühren für die traditionellen Pakete aus oft mehreren Hundert Fernsehkanälen, wie sie AT&T oder Comcast anbieten. Der Distributor AT&T argumentierte also für das Gericht schlüssig, mit dem Zukauf des Produzenten Time Warner (dem auch die Sender CNN und TBS, der Bezahlsender HBO und das Studio Warner Bros. gehören und der bereits in Warner Media umbenannt worden ist) konkurrenzfähiger gegenüber den Silicon-Valley-Unternehmen zu sein und letztlich zum Wohle der Kunden zu agieren. Auch wenn er nach der Fusion die Preise für einige Leistungen wie etwa ein monatliches Kabelabo erst einmal erhöht hat.

Bereits vor fünf Jahren hatte der Medienkonzern Comcast den Konkurrenten NBC Universal übernommen, und kurz nach der Genehmigung der Fusion von AT&T und Time Warner im Juni hat das Unternehmen ein offizielles Angebot für einen Großteil des Murdoch-Medienimperiums 21st Century Fox abgegeben: 65 Milliarden Dollar. Es geht um das Hollywood-Studio 20th Century Fox, die Kabelsender FX und National Geographic sowie um Anteile am Streamingportal Hulu. Allerdings hat auch der Disney-Konzern Interesse und sein Angebot auf mittlerweile 71,3 Milliarden Dollar erhöht. Das Justizministerium hat den Zukauf im Juni nach einer unüblich kurzen Überprüfung von sechs Monaten genehmigt. Man muss dazu wissen, dass Trumps Lieblingsnachrichtensender Fox News dabei nicht zum Verkauf steht, auch Rupert Murdoch will offenbar lieber an Disney verkaufen.

Fusionen wie diese könnten auch Auswirkungen für europäische Zuschauer haben

Comcast kann nun bis zur Fox-Aktionärsversammlung am 27. Juli ein verbessertes Angebot abgeben, es heißt jedoch, dass das Unternehmen von den aktuellen Interventionen des Justizministeriums abgeschreckt sei. Indirekt also hat die Trump-Regierung dieses Wettbieten beeinflusst.

Und dann wäre da noch Verizon, dessen Geschäftsführer Lowell McAdam immer wieder betont, keine Medienunternehmen kaufen zu wollen, dann aber übereinstimmenden Berichten zufolge doch interessiert gewesen sein soll an den inzwischen zum Verkauf stehenden Fox-Anteilen, am Produktionsstudio Lionsgate und an der Sendergruppe CBS. Es heißt, dass Verizon auch den Verlauf der Fusion zwischen AT&T und Time Warner genau beobachte und erst dann weitere Schritte plane. Solche vertikalen Fusionen, bei denen sich keine Konkurrenten zusammenschließen, sondern einander ergänzende Unternehmen, sind gerade gängig in der US-Medienlandschaft. Das könnte auch den europäischen Markt beeinflussen.

Comcast hat etwa gerade ein Angebot für Sky abgegeben, bei dem die Bezahlsendergruppe mit 34 Milliarden Dollar bewertet wird. Bei Versuchen wie diesem geht es darum, als traditioneller Konzern gemeinsam mit einer Technikfirma konkurrenzfähig zu bleiben. Und der Einspruch des Justizministeriums ist folglich nichts weniger als eine Ansage, dass die Trump-Regierung mitbestimmen will, wer am Ende konkurrenzfähig sein wird.

AT&T-Geschäftsführer Randall Stephenson reagierte gelassen auf den Einspruch Trumps: "Das ändert gar nichts. Die Chancen, dass dieser Deal noch aufgehalten oder verhindert wird, sind unglaublich gering. Die Fusion ist abgeschlossen, Time Warner gehört uns." So spricht einer, der weiß, dass dieser Spielzug des Geschäftemachers Trump nicht ihn betrifft, sondern vielmehr alle anderen, die künftig zum Händeschütteln antreten müssen.