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Medienkolumne "Abspann":Der Neidfaktor

Tom Hanks

Tom Hanks moderiert die auf allen großen Sendern übertragene Show "Celebrating America", bei der auch Jon Bon Jovi, Justin Timberlake, Demi Lovato und Ant Clemons auftreten sollen.

(Foto: Jordan Strauss/AP)

Die Show zur Inauguration von Joe Biden wird am kommenden Mittwoch alles übertreffen, was es an Fernsehprogramm in den USA je gab.

Von Willi Winkler

Es wird auch diesmal in Washington nicht die größte Zuschauermenge seit Erschaffung Amerikas geben, die feierliche Parade muss ebenfalls ausfallen, der bürgerliche Glanz um die Vereidigung des neuen Präsidenten wird sich darauf beschränken, dass sich Joe Biden auf den Stufen des Kapitols feierlich vereidigen lässt. Das ist nicht ohne Risiko, denn wie fast jedes Mal bei der Amtseinführung, die seit 1937 am 20. Januar stattfindet, droht winterbedingt eine böse Verkühlung, und diesmal haben auch noch die Anhänger des besonders schlechten Verlierers (Entschuldigung, Name entfallen) angekündigt, den feierlichen Akt mit einer mehr oder weniger gewalttätigen Demonstration zu stören.

Dennoch soll es an Pomp nicht fehlen, er wird sogar, virtualisiert, noch pompiger ausfallen als bei Bidens Vorgängern. Am kommenden Mittwoch geht Tom Hanks mit einer Show auf Sendung, die alles übertreffen wird, was es an Fernsehprogramm je gab. Die Vereidigung ist für zwölf Uhr mittags Ostküstenzeit geplant, Celebrating America beginnt bei ABC, NBC, CBS, MSNBC und CNN abends um halb neun (2.30 Uhr morgens am Donnerstag nach deutscher Zeit); Amazon Prime Video, Microsoft Bing, U-verse, AT &T DIRECTV werden übernehmen und auf NewsNOW ist sogar Fox News dabei, der einstige Haussender von Bidens Vorgänger.

Tony Allen, Präsident der Delaware State University, der das Inaugurationskomitee leitet, erklärte der Webseite Deadline, dass die Amtseinführung eine "einzigartige Möglichkeit bietet, die Aufmerksamkeit auf die Widerstandskraft und den Geist eines vereinten Amerika zu richten". Deshalb sollen die Heldinnen und Helden im Kampf gegen die Pandemie und damit "das Beste, was unser Land zu bieten hat" eine Bühne erhalten. Auch an anderen Helden wird es nicht fehlen: Bei Celebrating America sollen Jon Bon Jovi, Justin Timberlake, Demi Lovato und Ant Clemons auftreten; mit weiteren namhaften Gästen wird gerechnet.

Das Festprogramm wird allein schon wegen der Reichweite Diktatoren auf der ganzen Welt vor Neid erbleichen lassen, ganz zu schweigen von Bidens Amtsvorgänger, den gerade auch noch Youtube ausgesperrt hat. Der ganze Aufwand wird die erwarteten Millionen Zuschauer vielleicht auch darüber hinwegtrösten, dass an diesem Tag nicht Amerikas beliebtester Schauspieler, sondern nur Joe Biden die Eidesformel spricht.

© SZ/tyc
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