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US-Zeitung "Washington Post":Bezos' vager Masterplan

Amazon-Gründer Jeff Bezos

Amazon-Gründer Jeff Bezos wird auf ein Vermögen von 25 Milliarden Dollar geschätzt. Seit August ist er außerdem der Eigner der Tageszeitung Washington Post.

(Foto: AFP)

Was will Jeff Bezos mit der "Washington Post" anfangen, die er kürzlich gekauft hat? Bei einem Besuch in der Redaktion des Traditionsblatts machte der Milliardär nun erstmals ein paar vage Ansagen.

Es wurde als eine "Zäsur für die gesamte Medienwelt" bezeichnet, als Amazon-Gründer Jeff Bezos Anfang August die traditionsreiche US-Tageszeitung Washington Post für 250 Millionen Dollar kaufte. So euphorisch die meisten Beobachter auf die Ankündigung reagierten, die Ironie, dass ausgerechnet ein Internetmilliardär eine Print-Zeitung rettet, blieb ihnen nicht verborgen. "Der Eisberg hat gerade die Titanic gerettet", schrieb Andrew Leonard, Autor der Magazin-Webseite Salon.com. Aber warum sollte Bezos so etwas tun?

Genau diese Frage blieb bisher unbeantwortet. Warum sollte der erfolgreiche Visionär Bezos eine Zeitung kaufen, die allein im ersten Halbjahr 2013 einen operativen Verlust von etwa 50 Millionen Dollar machte? Weiß er etwa nicht wohin mit seinen geschätzten 25 Milliarden Privatvermögen? Und noch wichtiger - wie wird er sich in das laufende Geschäft der Washington Post einbringen, sind etwa redaktionelle Veränderungen zu befürchten? Bei einem Besuch in der Redaktion erklärte Bezos nun den Redakteuren die Zukunftsvision für sein neues Steckenpferd.

Weg in ein neues "goldenes Zeitalter"

Auf den ersten Blick, erscheint Bezos' Masterplan ziemlich ernüchternd. In einem Interview mit der Zeitung sagte er, dass er gar keinen habe. Aber darum gehe es auch gar nicht, man dürfe nicht erwarten, dass er alleine eine Lösung finden werde. "Wenn wir die Washington Post in ein neues goldenes Zeitalter führen, dann aufgrund des Einfallsreichtums und der Experimentierfreude der Mitarbeiter." Und weiter: "Die Probleme können nicht durch ein einziges Genie gelöst werden, sondern bloß durch Teamarbeit. Dafür braucht man Zeit." Bezos werde der Washington Post deshalb lediglich beratend zur Seite stehen und finanziellen Rückhalt geben, bis das Blatt ein profitables Geschäftsmodell gefunden hat.

Darum soll es jetzt vor allem gehen: Ein neues Geschäftsmodell für die Post zu finden. "Veränderungen werden durch gemeinsame Anstrengungen erreicht. Du lernst, du diskutierst, du machst Brainstormings und dann beginnen die Antworten langsam aufzutauchen", erklärt Bezos.

Dabei müsse man sich bloß an das Modell halten, das auch Amazon zum Erfolg verholfen hat. "Bei Amazon hatten wir drei Mottos, die den Erfolg des Portals ausmachten. Denk als Erstes an den Kunden. Erfinde. Und sei geduldig. Ersetzen wir nun den 'Kunden' mit 'Leser', kann dieses Konzept auch der Washington Post zum Erfolg verhelfen."

Erfolg trotz Internet

Das Hauptproblem der Tageszeitung sei vor allem das Geschäftsumfeld im Internet. "Die Post ist berühmt für investigativen Journalismus, der viel Arbeit und Geld kostet. Nur damit einige kostenlose Webseiten die Arbeit später zusammenfassen und kostenlos anbieten", erläutert Bezos. Dagegen helfe allerdings auch kein digitales Abonnement, wie es die New York Times oder Bild.de bereits eingeführt haben.

Eine wirkliche Offenbarung sind die Äußerungen Bezos' eher nicht. Dass die Zeitungsbranche neue Ansätze und Ideen finden muss, ist so offensichtlich, dass man es nicht mehr zu erwähnen braucht. Ein bisschen mehr als Hoffnung kann Bezos bisher nicht anbieten. Außer natürlich seinem Geld.

© Süddeutsche.de/jspe/pak

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