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Jörg Schönenborns Touchscreen:"Der ist absolut echt, stoßfest und wasserdicht"

Jörg Schönenborn zum Tatort

"Schweiß ist schon geflossen in der Sendung": Jörg Schönenborn.

(Foto: Georg Wendt/dpa)

Jörg Schönenborn präsentiert in der ARD die Wahlergebnisse. Dabei immer an seiner Seite: der Touchscreen. Ein Gespräch über die langjährige Zusammenarbeit - und den "Texas-Ärmel".

Von Fabian Dombrowski

SZ: Herr Schönenborn, verraten Sie es uns: Ist der Touchscreen echt, also reagiert er wirklich auf Berührung?

Jörg Schönenborn: Na klar! Da sind viele Stunden Denk- und Programmierarbeit eingeflossen. Der ist absolut echt, stoßfest und wasserdicht.

Wasserdicht? Das haben Sie getestet?

Ja, Schweiß ist schon geflossen in der Sendung.

Jetzt, bei der US-Wahl, ging der "Texas-Ärmel" durch die sozialen Netzwerke: Immer, wenn Sie sich rübergebeugt haben, hat der Touchscreen Texas geöffnet. Scheint ein sensibler Kollege zu sein.

Ich hatte auch erst das Gefühl, dass es mein Ärmel war. In Wirklichkeit war es vermutlich ein Licht-Reflex. Wenn das Licht drauffällt, gibt es Stellen, die sehr empfindlich sind, auch wenn man sie gar nicht berührt.

Seit wann ist der Touchscreen eigentlich im Einsatz?

Wir haben die ersten Versuche 2004 gemacht. In dieser ausgereiften Form gibt es ihn seit 2012. Ich hatte mir damals überlegt, was ich berichten will, und wir haben das dann entsprechend programmiert. Die Technik haben wir dann 2016 noch sehr verfeinert: Zum Beispiel ist es ja ganz wichtig, dass man wirklich mit den Bundesstaaten spielen kann, von rot nach blau nach weiß. Und bei dieser Wahl haben wir zum ersten Mal den Auszählungsstand live mit dem System verbunden. Vor vier Jahren mussten die Kollegen das immer eingeben.

Was gibt es noch für Funktionen, von denen man als Zuschauer nichts mitbekommt?

Was ich bisher nur zwei-, dreimal eingesetzt habe, ist das Archiv, in dem alte Wahlergebnisse drin sind. Und was mich persönlich immer total fasziniert: Wir haben auch Karten, in denen zum Beispiel schattiert ist, in welchem Bundesstaat hohe Arbeitslosigkeit herrscht und in welchem eine niedrige. Oder wo es besonders viele Corona-Tote gibt. Und bei dieser Wahl ganz wichtig: die Zuwanderung. Aber ab drei Uhr nachts interessieren dann doch nur die ausgezählten Stimmen.

Das heißt, das System musste an die US-Wahl angepasst werden?

Die Systematik ist eine völlig andere als bei deutschen Wahlen. Wir haben aber auch bei deutschen Wahlen schon experimentiert. Wir hatten zum Beispiel mal Videos drin, weil es bei iPads ja auch schön ist, wenn man mal auf ein Video klicken kann. Das hat sich aber nicht bewährt. Wir haben gemerkt, dass das Publikum in Deutschland total auf Klarheit aus ist.

Haben Sie einen Wunsch, was der Touchscreen noch können sollte?

Vielleicht sollten wir mal über Sprachsteuerung nachdenken. Wenn ich also meine Ideen für eine neue Grafik gar nicht mehr an das Team weitergeben müsste, sondern der Schirm das mit künstlicher Intelligenz sofort umsetzen könnte. Dann hätten wir noch ein bisschen Zeitvorsprung.

Welche Pannen gab es bisher?

Wir hatten 2012 einen Komplettausfall. Da mussten wir das ganze System runter- und wieder rauffahren. Vor vier Jahren lief es dann aber schon sehr zuverlässig, und dieses Mal war es wirklich nur der Ärmel.

So schnell wird man von dem Kollegen also nicht im Stich gelassen.

Nein, er ist schon ein feiner Kerl, der Touchscreen.

© SZ
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