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US-Wahl:Eines der lautesten Medien in der rechten "Echokammer"

Als Andrew Breitbart 2012 starb, übernahm Stephen Bannon die Seite und machte sie zum wohl wichtigsten Medium des Wutbürgertums. Genaue Geschäftszahlen veröffentlicht Breitbart nicht, doch angeblich hat die Seite inzwischen fast 20 Millionen Leser, 2012 waren es kaum drei Millionen. Breitbart News ist damit das führende rechte Gegenstück zu linken Nachrichtenseiten und Blogs wie Huffington Post, Daily Kos oder Talking Points Memo, die allenfalls im Ton milder sind, nicht aber in der missionarischen Überzeugung, die einzige Wahrheit zu besitzen und verbreiten zu müssen. Vielleicht ist es kein Zufall, dass Andrew Breitbart das Handwerk der ideologischen Agitation unter anderem bei der Huffington Post gelernt hat.

Zugleich ist Breitbart eines der lautesten Medien in der rechten "Echokammer" geworden. Mit diesem Begriff sind all jene konservativen Internet-Seiten - Nachrichtenportale, Foren, Blogs - gemeint, die sich Geschichten hin- und herwerfen. Irgendwann wird aus bloßen Gerüchten auf diese Weise in den Augen vieler Leser eine Wahrheit - es stand ja schließlich nicht nur bei Breitbart, sondern auch bei Infowars, bei Gatewaypundit, bei Redstate und einem Dutzend anderer Seiten.

Das xenophobe, nationalistische Weltbild der Redaktion

Die Geschichte über die vermeintlich todkranke demokratische Kandidatin Clinton ist ein Paradebeispiel, wie diese Art von Medienarbeit funktioniert. Die auf unbekannten Quellen fußende Behauptung irgendeines Wachmanns, Clinton fühle sich nicht gut, wird zu einer Tatsache erklärt. Dann wird ausführlich über (die längst bekannte) Gehirnerschütterung geschrieben, die Clinton vor einigen Jahren erlitten hat. Und dann werden mehrere Neurologen zitiert, die sagen, dass Gehirnerschütterungen gefährlich sind und Spätfolgen haben können. Am Ende der Recherche liegt Clinton praktisch schon im Sarg.

Diesen Modus Operandi wendet Breitbart bei vielen Geschichten an, ob nun über korrupte Politiker oder Islamisten, die sich als Flüchtlinge tarnen. Es gibt immer eine Quelle, irgendeinen Vorfall; doch was dann an angeblichen Fakten hinzurecherchiert wird, ist oft schlicht falsch, gewaltig bearbeitet oder politisch so eingefärbt, dass es dem xenophoben, nationalistischen Weltbild der Redaktion entspricht. Und die Website genießt es sichtlich, Sprachrohr der Wutbürger zu sein: Die halbe Seite bestand am Donnerstag aus Berichten über die Empörung, die Bannons Ernennung ausgelöst hat. Alle negativen Kommentare über den scheidenden Chef wurden mit Stolz und Genuss zitiert.

Bannon hat die Mission von Breitbart News in den vergangenen Monaten verändert. Aus der Seite, die gegen alles Mögliche war, machte er eine Seite, die für jemanden war: Donald Trump. Breitbart hat Trump von Beginn an unterstützt, dessen Aufstieg zum Präsidentschaftskandidaten wäre ohne die stetigen Berichte darüber, wie grandios der Immobilienhändler ist und wie schrecklich seine innerparteilichen Gegner waren, kaum möglich gewesen. Trump gab den Breitbart-Reportern jede Menge ebenso exklusive wie nichtssagende Interviews, Breitbart verkaufte den Kandidaten dafür als Prototyp des wütenden Außenseiters, der sich nichts mehr gefallen lässt und Washington aufräumen wird. Angeblich waren etliche ranghohe Redakteure mit dieser Liebedienerei nicht einverstanden. Verhindern konnten sie sie nicht.

Dass Donald Trump nun Stephen Bannon zum Chef seines Wahlkampfs macht, wird als durchaus böses Omen gesehen: Bannon hat schon als Journalist - wenn man ihn denn so nennen will - keine Gefangenen gemacht. Als Wahlmanager wird er seinen Kandidaten kaum zum Kuscheln überreden wollen.

© SZ vom 19.08.2016/doer
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