US-Start der vierten Staffel von "Game of Thrones":Serie als Abgrund

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Was "Game of Thrones" besonders faszinierend macht, ist die intensive Beschäftigung mit den Figuren und ihren Abgründen, wohlgemerkt bei der Einführung von mittlerweile mehr als 250 namentlich erwähnten Figuren. Und: Ihr anschließendes erbarmungloses Sterbenlassen. Es gelingt den Produzenten D.B. Weiss und David Benioff, dass der Zuschauer mit diesen Charakteren fühlt - und tatsächlich weint, wenn etwa Robb Stark getötet wird.

Nur: Danach geht es einfach weiter mit dem Fressen und dem Saufen und dem Sex und der Gewalt. Im Vordergrund stehen nicht die Figuren, schon gar nicht ihre Darsteller. Der Star ist die Geschichte und ihre Stilisierung, das filmische Umsetzen dieser Phantasie von George R. R. Martin, diese Fantasy-Welt mit Drachen und weißen Wanderern, mit paralysierten Kindern und Zwergenprinzen.

Ein Fehler, eine Ungenauigkeit, eine falsche Ironie kann in diesem kniffligen Genre eine komplette Serie zerstören, doch hat es diesen Fehler in "Game of Thrones" noch nicht gegeben - obwohl nicht wenige Kritiker genau darauf warten.

Spekulationen über Spekulationen

Zum Beginn einer jeden Staffel hieß es zunächst, dass "Game of Thrones" niemals mit dem bereits Gezeigten würde mithalten könnten, die selbst gelegte Latte sei zu hoch - und doch wurde es stets besser, weil es stets schlimmer wurde.

Die ersten drei Spielzeiten waren eine Klimax der expliziten Unterhaltung. Die Frage vor dem Start der vierten Staffel war deshalb: Wie schlimm kann es noch werden? Der Slogan der Spielzeit jedenfalls lautet: "All men must die" - alle müssen sterben, vermutlich auch die Frauen. Die Zeitschrift Entertainment Weekly veröffentlichte schon einmal eine Karte, wo sich die prägenden Personen zu Beginn der Staffel befinden - verbunden mit Spekulationen, was mit diesen Figuren passieren sollte.

Weil zahlreiche deutsche Fans der Serie die erste Episode mit dem Namen "Two Swords" noch nicht gesehen haben (auf Sky Go und Sky Anytime läuft sie am Montag, auf Sky Atlantic HD am 2. Juni), sei nur so viel gesagt: Bislang ging es in der Serie um einen Krieg, der mit schweren Schwertern geführt wurde.

Je schlimmer, desto süchtiger

Dieser Krieg ist vorbei. Doch schon die Anfangssequenz dieser ersten Folge - von Regisseur D.B. Weiss stilistisch herausragend umgesetzt - verdeutlicht, dass es nun einen Krieg geben wird, der womöglich nicht von dem gewonnen wird, der besonders gut mit dem Schwert umgehen kann. Und natürlich geht es ums Fressen und ums Saufen, um Sex und das Abtrennen von Körperteilen - das wird am Ende dieser Episode deutlich.

"Ich werde tun, was Königinnen tun", sagt Daenerys Targaryen in einem Trailer zur vierten Staffel: "Ich werde herrschen!" Das Gleiche gilt für "Game of Thrones". Die Serie bleibt das Beste, was derzeit im TV zu sehen ist, jeder Widerspruch dagegen ist sinnlos. Nur: Je schlimmer es wird, je nackter, je viszeraler, desto süchtiger werden die Zuschauer. Der Sender HBO kann sich freuen. Er hat da eine Droge, von der kaum jemand loskommt, der sie einmal probiert hat.

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