US-Medien TMZ-Chef versteht sein Portal als investigatives Medium

Levin ist 66 Jahre alt und bis heute nicht nur der Chef, sondern auch das bekannteste Gesicht der Seite. In Videos berichtet er aus der Redaktion über die wichtigsten Scoops, meistens im Poloshirt. Auch im Fernsehen ist er oft zu sehen: Entweder in der hauseigenen Sendung TMZ on TV, die unter anderem auf den Sendern Fox oder The CW zu sehen ist. Oder wenn er in den Promi-Nachrichten anderer Sender zum neuesten Klatsch befragt wird. Eine Anfrage der SZ aber blieb unbeantwortet.

Wenn man so will, hat Levin sein ganzes berufliches Leben auf die Gründung der Seite vor elf Jahren hingearbeitet. Nach einem Jurastudium und einigen Jahren als Dozent bekam er eine Kolumne zu Rechtsthemen in der Los Angeles Times, weil er ein Talent dafür hatte, juristische Sachverhalte verständlich und unterhaltsam zu präsentieren. Darauf folgte ein Engagement als Gerichtsreporter bei einem lokalen Fernsehsender, wo Levin unter anderem über den Mordprozess gegen O. J. Simpson berichtete. Später war er Redaktionsleiter der Sendung Celebrity Justice, die über "Famous faces, famous cases" berichtete - die juristischen Fehltritte der Schönen und Reichen.

Boulevardpresse "TMZ jagt Promis wie Freiwild"
Reportage
US-Klatschportal

"TMZ jagt Promis wie Freiwild"

Die Boulevard-Plattform TMZ hat sich zum Zentralorgan der üblen Nachrede entwickelt. Bei ihrer Bustour durch Los Angeles erfährt man eine Menge darüber, wie süchtig die Welt nach Skandalen ist.   Von Jürgen Schmieder

Nichts anderes macht Levin heute mit TMZ, und die Justiz ist nach wie vor eine seiner wichtigsten Quellen: Dem New Yorker zufolge beschäftigt TMZ drei Reporter, die im Gericht von Los Angeles in Vollzeit nach Promi-Geschichten suchen - die Los Angeles Times nur einen. "TMZ ist zu gleichen Teilen Nachrichtendienst und Medienunternehmen", heißt es in dem Artikel.

Wenn andere Medien zögern, profitiert TMZ

Levin versteht seine Seite als investigatives Medium. Er recherchiere für eine Britney-Spears-Geschichte genauso hart wie NBC für eine Story über einen Politiker, sagte er der New York Times: "In der Welt, über die wir berichten, sind wir so etwas wie Associated Press."

Dass die anderen das ganz offenkundig etwas anders sehen und TMZ-News nur verzögert verbreiten, sei ihm nur recht, sagte er im Sommer auf die Frage eines CNN-Reporters: "Das ist doch toll, dann sind wir bis dahin die einzige Quelle für die Geschichte. Ich wünschte, ihr würdet noch viel länger warten!"

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