US-Medien:Bekommt Fox News Konkurrenz?

US-Medien: Bei Fox News darf Bill O'Reilly nicht mehr arbeiten. Wird er bald trotzdem wieder auf den Fernsehbildschirmen auftauchen?

Bei Fox News darf Bill O'Reilly nicht mehr arbeiten. Wird er bald trotzdem wieder auf den Fernsehbildschirmen auftauchen?

(Foto: AP)

Fox News ist rechter Mainstream. Doch nun formiert sich eine neue Sendergruppe, die ihm gefährlich werden könnte. Unter anderem mit dem geschassten Fox-News-Star Bill O'Reilly.

Von Jürgen Schmieder

Es ist nicht bekannt, ob sie beim US-Nachrichtensender Fox News wissen, wer Franz Josef Strauß ist. Allerdings haben sie dort dessen Satz zur politischen Landschaft in Bayern - "Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben" - sozusagen als Maxime für die eigene Rolle in der amerikanischen Medienlandschaft adaptiert. Fox News ist konservativster Mainstream. Sie beschäftigen dort auch keine Quacksalber wie Tomi Lahren oder Profiprovokateure wie Milo Yiannopoulos, sondern Leute, die beim Zudrücken von eineinhalb Augen noch als faktenorientierte Journalisten durchgehen.

Der Medienkonzern Sinclair Broadcast hat nun aber erkannt, dass rechts neben Fox News sehr wohl noch eine hübsche Nische existieren könnte. Der Zukauf des Rivalen Tribune Media für 3,9 Milliarden Dollar, der von der Aufsichtsbehörde FCC noch genehmigt werden muss, wird als bedeutsamer Schritt gesehen, einen ernsthaften Konkurrenten zu Fox aufzubauen, der seit der Präsidentschaftswahl einen Quotenrekord nach dem anderen vermeldet.

Die 139 regionalen TV-Stationen von Sinclair gelten als erzkonservative Sender mit geringer nationaler Bedeutung. Es heißt allerdings, dass sie an Donald Trumps Sieg beteiligt waren, weil sie positive Berichte und freundliche Interviews in jenen Bundesstaaten sendeten, die wahlentscheidend waren. Einer Studie des Instituts Pes Research zufolge beziehen mehr als 30 Prozent der Amerikaner ihre politischen Nachrichten über Regionalsender.

Durch den Zukauf bekommt Sinclair 42 weitere Sender, darunter in den wichtigen TV-Märkten New York, Los Angeles, Chicago und Dallas. Der Konzern würde dann 70 Prozent der amerikanischen Haushalte erreichen. Laut FCC-Regeln sind nicht mehr als 39 Prozent erlaubt, doch dürfte der Deal dank einiger Schlupflöcher, dem Verkauf kleinerer Sender und Gesetzesänderungen der Regierung genehmigt werden.

Ein konservativer Sender könnte auch eine neue Heimat für Bill O'Reilly sein

Sinclair-Chef Chris Ripley wollte sich bislang nicht zu den Plänen seines Unternehmens äußern, bei einem Gespräch mit Anlegern sagte er nur: "Es eröffnet eine Vielzahl von Möglichkeiten für uns." Aus dem Umfeld des Konzerns ist zu hören, dass Ripley den landesweiten Unterhaltungssender WGN umstrukturieren möchte. Er soll daraus einen Nachrichtensender rechts von Fox News machen wollen, es gibt zahlreiche Indizien für diesen Plan. Das Unternehmen hat etwa vor fünf Wochen Boris Epshteyn als Chef des Politikressorts eingestellt, er war zuvor Berater von Trump und Mitarbeiter im Pressebüro des Weißen Hauses gewesen. "Ich bewundere Sinclairs Ziel, eine wirkungsvolle Berichterstattung im ganzen Land etablieren zu wollen", sagte Epshteyn. Er sagte wirklich "wirkungsvoll" - nicht "objektiv".

Ein konservativer Sender freilich könnte auch einen neue Heimat für Bill O'Reilly sein, darüber wird nun in den USA heftig spekuliert. Der wurde von Fox News kürzlich wegen Vorwürfen der sexuellen Nötigung gefeuert, sein mit 25 Millionen Dollar versüßter Aufhebungsvertrag enthält keine Klausel, dass er nicht sofort für einen Konkurrenten arbeiten darf. O'Reilly ist das mediale Putzerfischchen von Trump. Der wiederum gönnte dem Moderator ausführliche Interviews.

So eine Symbiose zwischen Moderator und Präsident kann sich lohnen - für den Moderator, für den Präsidenten und für einen Sender, der sich rechts von Fox News etablieren möchte.

© SZ vom 11.05.2017/luch
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