US-Einwanderungspolitik Wirbel um ikonisches Foto - Mädchen wurde Mutter nicht weggenommen

Diese Aufnahme des Pulitzer-Preisträgers und Getty-Fotografen John Moore wurde zum Symbol einer unerbittlichen US-Grenzpolitik, auch Hilfsorganisationen werben mit dem Foto.

(Foto: AFP)
  • Das Bild der knapp zweijährigen Yanela war zum Symbol für die unerbittliche Grenzpolitik Amerikas geworden.
  • Eltern, die illegal über die Grenze zu Mexiko kamen, waren von ihren Kindern getrennt worden. US-Präsident Trump hatte diese Maßnahme nach massivem öffentlichen Druck in dieser Woche per präsidialem Dekret gestoppt.
  • In diesem Zusammenhang hatte das Time-Magazin das Bild des weinenden Mädchens auf seiner Titelseite gezeigt.
  • Doch die Mutter hatte das Kind offenbar nur kurz abgesetzt, sie soll gemeinsam mit ihrer Tochter in einer Hafteinrichtung untergebracht sein.

Das Foto eines kleinen weinenden Mädchens aus Zentralamerika hat in der Debatte um die Familientrennungen an der US-Grenze zu Mexiko die öffentliche Entrüstung besonders angefacht - allerdings wurde das Kind gar nicht seiner Mutter weggenommen. Das wurde inzwischen von verschiedenen Seiten klargestellt, darunter von dem Vater des Mädchens und einem US-Grenzschutzbeamten.

Denis Varela, der weiterhin in Honduras lebende Vater der knapp Zweijährigen, sagte in einem Telefoninterview mit einem Fernsehsender des Landes, Mutter und Tochter seien beisammen. Das honduranische Außenministerium habe ihm mitgeteilt, dass sie sich zusammen in einer Hafteinrichtung in Texas aufhielten. Die Mutter habe einen Asylantrag gestellt.

Das Bild der US-Fotoagentur Getty zeigt das Mädchen, wie es weinend zu einem US-Grenzschützer hochblickt, der die Mutter des Kindes durchsucht. Es wurde zum Symbolfoto der menschlichen Dramen, die sich an der Grenze zu Mexiko abspielen. Vor allem in der Debatte um die rigorose Praxis der US-Behörden, illegal ins Land gelangten Eltern ihre Kinder wegzunehmen, wurde es häufig gezeigt. US-Präsident Donald Trump hatte diese umstrittene Maßnahme in dieser Woche nach massivem Druck auch von Seiten einiger Republikaner per präsidialem Dekret gestoppt.

Mutter musste Kind für Durchsuchung absetzen

Das US-Magazin Time benutzte die Aufnahme des Getty-Fotografen John Moore für eine Montage auf seiner Titelseite. Das weinende Mädchen blickt darauf zu US-Präsident Donald Trump hinauf. "Welcome to America" ("Willkommen in Amerika") lautet die Zeile zu der Fotomontage. Das Magazin stellte später die Hintergrundgeschichte des Fotos richtig. Das Mädchen sei nicht schreiend von Grenzschutzbeamten weggetragen worden. Vielmehr habe "ihre Mutter sie in die Arme genommen, und die beiden wurden zusammen abgeführt".

"Welcome to America" - mit seinem ironischen Cover traf das Time Magazine einen Nerv, es wurde in den sozialen Medien dutzendfach geteilt.

(Foto: AFP)

US-Medien wie die Washington Post befürchten nun, die schlampige Recherche könnte die von US-Präsident Donald Trump befeuerte "Fake News"-Debatte weiter verschärfen. Er wirft etablierten Medien regelmäßig vor, Lügen zu verbreiten, die ihn und seine Politik in ein schlechtes Licht stellten. Tatsächlich hätten sich an der Grenze tragische Szenen abgespielt, schreibt die Zeitung, darunter sicher solche, die dem vom Time Magazine geschilderten Szenario ähnelten. Das verwendete Foto zeige allerdings etwas anderes. "Das Bild sagt so gut wie nichts über Trumps jüngst abgeschaffte Politik. Tatsächlich ist es ein Beispiel dafür, dass nicht alle kleinen Kinder von ihren Eltern getrennt wurden."

Die im honduranischen Außenministerium für den Schutz von Migranten zuständige Abteilungsleiterin bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, dass das Kind nicht von seiner Mutter getrennt worden sei. Ein Grenzschutzbeamter aus der Patrouille, die das Mädchen und seine Mutter aufgegriffen hatte, sagte dem US-Sender CBS News, beide seien spät am Abend nahe der Grenze entdeckt worden. Die Beamten hätten dann die Frau aufgefordert, das Kind abzusetzen, damit sie durchsucht werden könne. Das Kind habe daraufhin sofort angefangen zu weinen.

Die Durchsuchung der Frau habe "weniger als zwei Minuten" gedauert, berichtete der Grenzschützer Carlos Ruiz. Direkt danach habe die Mutter ihre Tochter wieder hochgenommen "und das Kind hörte sofort auf zu weinen". Mutter und Tochter hatten mutmaßlich den Grenzfluss Rio Grande durchquert, um nach Texas zu gelangen.

Warum Trumps Dekret einfach nur Show sein kann

Der US-Präsident hat entschieden, dass die Kinder illegal eingewanderter Eltern nicht länger von ihren Familien getrennt werden. Gelöst ist das Problem damit noch lange nicht. Von Thorsten Denkler mehr...