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US-Debattenmagazin:Zwei Welten

Unternehmer Chris Hughes, 32, hat die Schwierigkeiten beim Umbau des alten, traditionsreichen New Republic unterschätzt, wie er kürzlich erklärte.

(Foto: oh)

Digital-Unternehmer gelten gern als Hoffnung der alten Verlage. Doch jetzt gibt Facebook-Mitgründer Chris Hughes nach vier konfliktreichen Jahren beim Debattenmagazin "New Republic" auf und verkauft.

Das traditionsreiche amerikanische Debattenblatt The New Republic steht vor einem Neuanfang. Eigentümer Chris Hughes, ein Mitgründer von Facebook, teilte am Freitag mit, er habe das Magazin verkauft. Es gehört nun dem politisch liberalen Verleger Win McCormack aus Oregon, der unter anderem das Literaturmagazin Tin House herausgibt. An die Spitze des Blattes holt McCormack den Journalisten Hamilton Fish vom Washington Spectator. Die New York Times fasste zusammen, mit dem Verkauf endeten für Chris Hughes vier schwierige Jahre: Der junge Digitalunternehmer war 2012 eingestiegen und mit seinen Umbauplänen für die defizitäre The New Republic auf Konfrontation mit den Mitarbeitern gegangen. Als er 2014 Guy Vidra von Yahoo als Geschäftsführer installierte und Bloomberg-Mann Gabriel Snyder als Chefredakteur, verließen 28 wichtige Journalisten auf einmal das Blatt, eine Ausgabe des New Republic fiel komplett aus. Das seit 1914 erscheinende Magazin, zu dessen Gründern die Publizisten Walter Lippmann und Herbert Croly gehörten und in dem wesentliche politische Debatten des vorigen Jahrhunderts ausgetragen wurden, sollte nach den Plänen von Hughes' Mannschaft nur noch zehnmal im Jahr statt monatlich erscheinen. Man wolle zu einem "vertikal integrierten digitalen Medienunternehmen" werden, hieß es.

Damit ist Hughes gescheitert. Seine Verkaufspläne hatte er kürzlich in einem Brief angekündigt. Er habe 20 Millionen Dollar für das Magazin ausgegeben, gestand Hughes, aber die Schwierigkeit dabei unterschätzt, ein altes, traditionsreiches Blatt in ein digitales Medienunternehmen zu verwandeln.