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Urteil im Kika-Prozess:Haftstrafe für Manager

Millionen von Gebührengeldern hat Marco K. im Kasino verspielt. Nun hat das Erfurter Landgericht den früheren Herstellungsleiter des Kinderkanals wegen Bestechlichkeit verurteilt.

Im bislang größten Betrugsskandal des öffentlich-rechtlichen Rundfunks muss der ehemalige Kika-Manager fünf Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Das Landgericht Erfurt verurteilte den 44-Jährigen wegen Bestechlichkeit und Untreue.

Urteil im Ki.Ka-Prozess erwartet

Der frühere Kika-Herstellungsleiter Marco K. muss fünf Jahre ins Gefängnis.

(Foto: dpa)

Der frühere Herstellungsleiter des ARD/ZDF-Kinderkanals (Kika) hatte gestanden, mit Scheinrechnungen bei dem Erfurter Sender eine Millionensumme veruntreut zu haben - das Geld verspielte er großteils im Kasino. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Als strafmildernd werteten die Richter das Geständnis des Angeklagten und seine Spielsucht, die ein ausschlaggebender Faktor für die Tat gewesen sei. Die Verantwortung liege dennoch in erster Linie bei dem Manager selbst, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Schneider. "Die Taten haben Sie sich ausgedacht und über Jahre geschickt eingefädelt." Der 44-Jährige solle zügig eine Therapie beginnen, appellierte Schneider.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eine Haftstrafe von sechs Jahren und acht Monaten gefordert, die Verteidigung wegen Untreue dagegen auf eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als dreieinhalb Jahren plädiert. Sie gab dem federführenden MDR eine erhebliche Mitschuld: Es habe faktisch kein internes Kontrollsystem gegeben, kritisierte Verteidigerin Doris Dierbach in ihrem Schlusswort.

Mit dem Urteil sei ein weiterer wichtiger Schritt zur Aufarbeitung des Betrugsfalles getan worden, sagte Steffen Kottkamp, Kika-Programmgeschäftsführer, in einer ersten Reaktion. Nun könne man sich wieder mit ganzer Kraft den eigentlichen Aufgaben zuwenden, nämlich ein gutes Kinderprogramm zu machen.

Verteidigerin Dierbach erklärte, der Umstand, dass der Angeklagte über Jahre unbemerkt Gelder abzweigen konnte, sei ein Ansehensverlust für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, den sich der MDR selbst zuzuschreiben habe. Auch der langjährige Programmgeschäftsführer des Kinderkanals und jetzige NDR-Fernsehdirektor Frank Beckmann sei seiner Verantwortung nicht nachgekommen, sagte Dierbach. Hinweise auf häufige Spielbankbesuche hätten dem Vorgesetzten Alarmzeichen seien müssen. Zugleich habe das Erfurter Kasino versäumt, den Angeklagten zu sperren. "Es gab viele Stellen, die die Augen fest verschlossen hatten", sagte die Verteidigerin.

Auch Staatsanwalt Frank Riemann erklärte, Schwachstellen bei internen Kontrollen und die Strukturen beim Kika hätten die kriminellen Machenschaften begünstigt. Der Angeklagte habe außerdem eine erhebliche kriminelle Energie zur Verschleierung seiner Taten an den Tag gelegt. "Er hat sich ständig für die Verletzung seiner Dienstpflicht bezahlen lassen", sagte der Staatsanwalt. Zugleich habe er einen aufwendigen Lebensstil mit zwei Wohnungen, Reisen und VIP-Karten gepflegt.

Der Angeklagte hatte eingeräumt, von 2005 bis 2010 Rechnungen von 4,6 Millionen Euro ohne Gegenleistung zur Zahlung an eine Berliner Produktionsfirma angewiesen zu haben. Das Geld teilte er sich nach eigener Aussage mit der inzwischen insolventen Firma. Der MDR geht seit 2002 von einem Schaden von 8,2 Millionen Euro aus. Die früheren Fälle sind juristisch jedoch verjährt. Der frühere Kika-Manager gab ein notariell bekundetes Schuldanerkenntnis in Höhe von 6,7 Millionen Euro ab. "Das Spielen hat meine wirtschaftliche Existenz ruiniert", sagte er abschließend vor Gericht und entschuldigte sich erneut für seine Taten.