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Zur letzten Folge "Unter Verdacht":"Wie habe ich das gemacht in Hollywood?"

ZDF zeigt 'Unter Verdacht'

"Mir wird die Eva nur fehlen als eine Aufgabe, die ich fast 20 Jahre lang gehabt habe", erzählt Senta Berger, die jahrelang die Kriminalrätin Prohacek spielte. Die letzte Folge "Unter Verdacht" ist am Samstag, den 28.03. im ZDF zu sehen.

(Foto: dpa)

Fast 20 Jahre spielte Senta Berger die Rolle der Kriminalrätin Dr. Eva Prohacek. Ein Gespräch über Glaubwürdigkeit, Schlager und den verliebten Michael Douglas.

An diesem Samstag wird in der 30. und letzten Folge von Unter Verdacht (20.15 Uhr ZDF) die Münchner Kriminalrätin Dr. Eva Maria Prohacek pensioniert. Jahrelang hat sie als interne Ermittlerin gegen Korruption im eigenen Hause ermittelt. Senta Berger hat dieser Figur all die Jahre etwas sehr besonderes mitgegeben und wurde dafür mit vielen Fernsehpreisen ausgezeichnet. Zeit für einen Anruf bei ihr daheim.

Frau Berger, wird Ihnen die Eva Prohacek fehlen, dieses Unbeirrbare auch in schweren Zeiten?

Ich verwechsele niemals Fiktion und Wirklichkeit. Ich bin die Verwalterin meiner Figur. Mir wird die Eva nur fehlen als eine Aufgabe, die ich fast 20 Jahre lang gehabt habe, die mir Freude und Mühe gemacht hat, und die anstrengend war und die auch schön war. Mir wird die Erfahrung fehlen, dass man zu Drehorten kommt, einen neuen Raum betritt und sofort weiß: Der Text, den wir für diese Szene vorbereitet haben, funktioniert hier nicht. Lass dir was einfallen. Ich war immer schon eine sehr gute Improvisateurin. Das hat mir immer Spaß gemacht, rein zu springen und etwas ausprobieren. Sich der Situation auszusetzen und damit zu spielen. Das wird mir fehlen.

Was hat zu dem Entschluss geführt, die Reihe nach 18 Jahren einzustellen?

Ich habe den Anstoß gegeben. Vor zwei Jahren habe ich zum ersten Mal mit den Kollegen darüber gesprochen. Ich bin ja nun deutlich älter als die Eva, und das sieht man auch.

Sieht man nicht.

Danke. Ich nehme es als Kompliment. Aber als ich mit Unter Verdacht angefangen habe war ich 60, und nun werde ich im Mai 79 Jahre alt. Das hört sich unglaublich an, vor allem für mich. Ich kann es aussprechen, aber ich glaube es nicht. Ich denke, es ist an der Zeit, sich nicht an etwas zu klammern, das an Glaubwürdigkeit verliert.

Wie ist eigentlich aus einer gebürtigen Wienerin eine fast waschechte Münchnerin geworden?

Da stimmt ja nicht. Wir wohnen in Bayern, am Stadtrand. Ich komme kaum in die Stadt, aber ich habe meinen Frieden mit München gemacht. Ich liebe Münchens schönes Umland. In den schlechten Zeiten, Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre, sind wir Kinder im Sommer "verschickt" worden von Wien nach Tirol oder nach Kärnten. Das waren wunderschöne Ferien, und manchmal komme ich mir hier auch so vor. München war mir immer zugeneigt, freundlich und sympathisch, aber es ist natürlich nicht meine Stadt. Als Wienerin kann man mit keiner anderen Großstadt wirklich warm werden.

Sie haben in den 60er Jahren in Hollywood mit John Wayne gedreht, mit Frank Sinatra, und Michael Douglas war angeblich verliebt in sie, als sie mit seinem Vater gedreht haben.

Ich will das ein für alle Mal richtig stellen. Diese Riege von männlichen Hollywood-Stars, an deren Seite ich gespielt habe, die stimmt ja so nicht ganz. Das ist so ein Namedropping, das ich ganz bestimmt nicht in Umlauf gebracht habe und das mir nicht gefällt. John Wayne und Frank Sinatra haben aus großer Sympathie zum Staat Israel in dem Film "Cast A Giant Shadow" (1966: Der Schatten des Giganten) mitgespielt. Ich hatte Szenen mit ihnen, kurze Szenen, so genannte Cameo-Auftritte. Mein Partner in dem Film war Kirk Douglas.

Ein ganz Großer.

Wenn ich so zurückblicke, frage ich mich immer: Wie habe ich das gemacht in Hollywood? Woher habe ich diesen Mut, diese Entschlossenheit genommen? Es hatte auch etwas Spielerisches. Ich wollte wissen, wohin mich das alles führt. Ich wollte mich aber nicht abhängig von einer amerikanischen Karriere machen und habe deshalb auch wieder den Absprung gefunden. Ob das richtig war? Wer mag das beurteilen? Mein Leben war auf jeden Fall nach Hollywood interessanter als in Hollywood.

Aber dass Michael Douglas ein bisschen in Sie verliebt war, stimmt?

Natürlich.

In den 60er Jahren haben Sie auch mal ein paar Schlager gesungen. Wie klingen die heute in Ihren Ohren?

Sehr komisch. Wirklich. Ich konnte aber ganz gut singen. Ich habe ja als Mona in Kir Royal auch "Somewhere Over The Rainbow" gesungen. Das war gar nicht mal so schlecht. Was habe ich damals eigentlich so alles gesungen?

Zum Beispiel 1967, da beklagten Sie sich, ihr Partner habe "Für Romantik keine Zeit".

Ach, das war ganz lustig. Ein schönes Andenken.

Sie haben kürzlich gesagt "Ich löse mich langsam aus dem Beruf". Ist der Abschied von der Eva Prohacek da ein Schlusspunkt oder eher noch ein Komma?

Ich weiß es selber nicht. Ich weiß nicht, was jetzt durch die Corona-Situation entsteht. Wir haben gerade ganz kurzfristig die Absage bekommen, dass wir nicht drehen werden.

Was für ein Projekt?

Das ist ein Film mit Florian David Fitz, der diesen Film auch geschrieben hat. Es geht um einen kleinen Jungen, der lieber ein Mädchen sein will. Burghart Klaußner und ich spielen die Großeltern. Eine Komödie zum Nachdenken.

Zukunft jetzt ungewiss?

Ja, vor allem für die Mitarbeiter.

In einer Rezension Ihres Buches steht, Sie seien eine patente Frau. Können Sie damit etwas anfangen?

Ja, patent zu sein hat für mich immer damit zu tun, dass man versucht, eine Situation in den Griff zu kriegen, da zu sein, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen, zupacken zu können. Das stelle ich mir unter patent vor, und deshalb ist es eine Auszeichnung für mich. Ich finde es gut.

© SZ vom 28.03.2020/tmh
Senta Berger

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