"Unter Gaunern" in der ARD Wackere Komplizen

"Ich bin mir sicher, du wärst 'ne lausige Gaunerin", sagt Bettys Vater. Wenn der wüsste!

(Foto: ARD)

In "Unter Gaunern" sind die Dialoge lustig, ohne bemüht "witzisch" zu sein. Es ist eine Familien- und Krimiserie zugleich und erinnert an Zeiten, in denen der ARD-Vorabend noch nicht "Todeszone" hieß.

Von David Denk

Eine bessere Tochter als Betty (Cristina do Rego) kann man sich kaum wünschen. Sie ist weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen und sieht obendrein süß aus. Einen besseren Vater als Bruno (Jophi Ries) kann man sich kaum wünschen. Er vergöttert Betty und kommt beinahe um vor Sorge, als eines Tages die Polizei vor der Tür steht, um sie abzuholen. Der Zuschauer weiß: zu ihrem ersten Arbeitstag. Bettys Sippe hat nicht die leiseste Ahnung.

Keine Familie ist perfekt - das Problem der Schulzens: Betty ist frisch gebackene Polizistin, was ihr Vater auf gar keinen Fall erfahren darf - ihr Vater, der Gauner. Auch nicht ihre Mutter (Julia Jäger), ihr Bruder (Moritz von Zeddelmann), ihr Opa (Peter Franke) - alles Gauner. Weil sie ihnen die Wahrheit nicht zumuten kann und will, wird Betty selbst zur Gaunerin, der durchtriebensten von allen, die in ihrer besten Freundin Carmen (Kaya Marie Möller) eine wackere Komplizin hat. Carmen ist Bettys ständiges Alibi. "Ich bin mir sicher, du wärst ne lausige Gaunerin", sagt der Vater einmal zur Tochter. "Lügen - das bist nicht du." Wenn der wüsste!

Wie Lolle aus "Berlin, Berlin"

Ausgedacht hat sich diesen Hybrid aus Krimi-, vor allem aber Familienserie, der insbesondere für seine Bremer Tatorte bekannte Drehbuchautor Christian Jeltsch. Unter Gaunern ist seine erste Serie - und dann gleich eine, "die ich so geschrieben habe, dass ich sie selbst gern sehen würde". Ähnlich äußert sich der Produzent Michael Polle von X Filme, der Unter Gaunern mit Jeltsch gut drei Jahre lang "in sehr, sehr engem Ping-Pong-Austausch" für Radio Bremen und den NDR entwickelt hat: "Unser eigener Erzählwille stand im Vordergrund." Man kann nachvollziehen, warum beide so stolz sind auf Unter Gaunern: Der Spaß, den alle Beteiligten bei der Arbeit hatten, überträgt sich auf den Zuschauer.

Jeltschs Dialoge sind lustig, ohne bemüht "witzisch" zu sein, Handlung und Figuren sind überdreht, ohne ihre Wahrhaftigkeit einzubüßen. Das sind keine Witzfiguren, das sind Menschen - die längst nicht immer eine gute Figur machen, in der Familie, im Job, im Bett. Menschen wie wir. Cristina do Rego als Betty spielt als Identifikationsfigur in einer Liga mit Felicitas Wolls legendärer "Lolle" aus Berlin, Berlin. Eine junge Frau, die beim Versuch, alles richtig, es allen recht zu machen und auch noch selbst glücklich zu werden, von einem Schlamassel ins nächste stolpert.

Überhaupt ruft Unter Gaunern Erinnerungen an die Zeit wach, als Familienserien wie Nicht von schlechten Eltern, Aus heiterem Himmel, Türkisch für Anfänger oder eben Berlin, Berlin das Programm des Ersten prägten - aus der Zeit also, bevor der Vorabend zur "Todeszone" erklärt wurde, "in der schon viele Kollegen, auch sehr geschätzte, unter die Räder gekommen sind", wie Produzent Polle es ausdrückt. "Natürlich ist dieser Sendeplatz eine Herausforderung, aber Angst ist ein ganz schlechter Ratgeber in unserem Geschäft."

Auf fremdem Terrain

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Ursprünglich wollte Jeltsch Unter Gaunern noch radikaler erzählen, doch gemeinsam mit Produktion und Redaktion, die er als "Glücksfall" bezeichnet, habe man sich entschieden, "die Möglichkeiten Schritt für Schritt auszuloten". Er finde das nicht schlimm, sagt Jeltsch, der Profi genug ist, sich mit den Grenzen des Marktes abzufinden. "Wenn die Serie zu schräg geworden wäre, hätten wir gar nicht erst die Chance bekommen, sie zu machen", sagt er. Neue Folgen sind schon in Planung, offenbar glaubt auch der Sender an das Potenzial von Unter Gaunern - warum er dann nicht gleich mehr als acht Folgen in Auftrag gibt und das Ergebnis nicht stärker bewirbt, bleibt sein Geheimnis.

Vom jüngst gestarteten In aller Freundschaft-Ableger Die jungen Ärzte sind auf Anhieb 42 Folgen geplant, und an Werbung mangelte es zum Auftakt nicht. Das ist auch Produzent Polle nicht entgangen, der sich Kommentaren jedoch vornehm enthält: "Wichtig ist es, sagen zu können: Wir haben alles getan, was in unserer Macht steht, und das ist bei Unter Gaunern der Fall."

Unter Gaunern, ARD, dienstags, 18.50 Uhr.