"Unter Feinden" im ZDF Fäuste der Finsternis

Nicholas Ofczarek (2.v.l.) und Fritz Karl (2.v.r) stehen als Kommissare im Verdacht, einen jungen Mann überfahren zu haben.

Lars Becker hat einen neuen ZDF-Krimi gedreht. Den Mix aus Gewalt, Düsternis und Unlogik retten glänzende Schauspieler.

Von Franziska von Malsen

Zu guter Letzt bricht es doch aus ihm heraus: Kommissar Diller verdrischt seinen Kollegen Kessel, und er tut es so richtig. Als Kessel schon blutspuckend in der Wiese liegt, tritt Diller (Nicholas Ofczarek) ihm noch einmal mit aller Kraft in den Bauch. Nicht schön. Siebzig Minuten schaut man da schon zu, wie Diller den Kollegen nimmermüde von einer Scheiße aus der nächsten zieht, und dabei den eigenen Job riskiert. Der eine zieht dem anderen eins über, Konfliktbewältigung nach Becker ist das. Lars Becker. Der ist kein Psychoanalytiker, sondern Regisseur und Drehbuchautor.

Unter Feinden ist, trotz der Romanvorlage von Georg M. Oswald, ein typischer Lars-Becker-Krimi. Raue Männer verwickeln sich in dunkle Geschichten, die meiste Zeit herrscht finstre Nacht. Dreckig geht es zu, bei den Fahndern genauso wie bei den Schurken.

Ein libyscher Kriegsverbrecher hat den beiden Kommissaren den Leichnam einer Zeugin vorbeibringen lassen. Tragisch ist das auch deshalb, weil der verprügelte Kessel (Fritz Karl) den Mord an der jungen Frau überhaupt erst ermöglicht hat. Denn der ehemalige Drogenfahnder ist heroinabhängig. Sein Entzug hat nichts geholfen, Kessel ist wieder voll drauf. Das muss schiefgehen, denn vor lauter Horrortrips paktiert er mit dem Bösen. Statt sie zu schützen, hat er die Zeugin den Schergen ausgeliefert.

So oder ähnlich düster hat Becker das schon in diversen Folgen seiner früheren Krimi-Reihe Nachtschicht und in mehreren Tatort-Folgen erzählt. Ein Meister mit Anleihen beim Film noir wurde er genannt, ein kantiger Typ mit Haltung - und ein Großroutinier. Das beschreibt seine Filme trefflich, vor allem deren Drehbücher. Die wirken routiniert unlogisch bis hanebüchen. Unter Feinden ist da keine Ausnahme. Dass man die Klopper in der Story murrend hinnimmt, liegt an der großartigen Besetzung.

Verzweifelte Gesichtsverspannungen

Die bekommt Becker in nahezu allen Filmen zusammen. Für Unter Feinden ist es die Topriege aus Österreich: Fritz Karls verzweifelte Gesichtsverspannungen lassen einen über die Misere jenes Polizeiwürstchens beinahe selbst verzweiflen. Kaum eine Gesichtsregung zeigt dagegen Nicholas Ofczareks Diller. So seelenruhig wie breitschultrig belügt er nicht nur die ermittelnde Staatsanwältin, sondern auch seine Frau, gespielt von Birgit Minichmayr. Die ahnt, dass ihr Mann und sein Kollege nicht ganz sauber sind. Sie ist nämlich (Riesenzufall) Krankenschwester, und Diller lädt ausgerechnet vor ihrer Klinik einen Dealer ab, den der Kollege Kessel in seinem Drogenwahn über den Haufen gefahren hat.

Endgültig fragwürdig wird der Plot bei der Figur des libyschen Kriegsverbrechers (Merab Ninidze). Der konnte als Angehöriger von Gaddafis Geheimdienst zwar ungehindert nach Deutschland einreisen und sitzt nun, von Diller und Kessel doch noch gefasst, ausgerechnet im selben Knast wie ein weiteres seiner Opfer. Dieser Mann wird seinem Folterer am Ende die Kehle aufschneiden. Wohlgemerkt mit einer auf eine Zahnbürste montierten Rasierklinge. So geht Gerechtigkeit bei Becker.

Dass bei dem Autorenfilmer Recht und Gesetz außer Kraft sind, kann man als Bruch mit ausgeleierten Krimi-Konventionen feiern. Man kann es aber auch so sehen, dass Beckers dunkle Welten mit jedem neuen Film mehr zum Abklatsch ihrer selbst geraten. Bei Unter Feinden sind es einmal mehr die Schauspieler, die den Film retten.

Unter Feinden, ZDF, Montag, 10.3.2014, 20.15 Uhr.