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DW in Ungarn:Orbán-Regierung empört sich über Deutsche Welle

Deutsche Welle Standort Berlin

Die steuerfinanzierte Deutsche Welle ist der Auslandssender der Bundesrepublik.

(Foto: Martin Müller/imago stock&people)

Die DW plant ein neues Angebot in Ungarn, es wird in Budapest schon jetzt mit Häme und Vorwürfen bedacht.

Von Cathrin Kahlweit

Die Regierung in Budapest ist bekannt dafür, dass sie ausländische Medien sehr genau darauf abklopft, ob und wie negativ sie über Ungarn berichten. Einen kritischen Beitrag in der Kika-Nachrichtensendung Logo! über Verfassungsänderungen und Medienkontrolle fand der ungarische Außenminister einst "unfair und geschmacklos". Satirische Vergleiche in der ZDF-Heute-Show zwischen Ministerpräsident Viktor Orbán und Hannibal Lecter sowie, Monate später, deftige Kritik am Verhalten der Ungarn und Polen im EU-Budgetstreit überschritten in den Augen Budapests die Grenzen des Anstands; Regierungssprecher Zoltán Kovács sah sich sogar an Zeiten erinnert, in denen sich die "Deutschen überlegen fühlten und auf alle anderen herunterblickten. Das ging nicht so gut aus". Mal beschwert sich ein Kanzleramtsminister, "die öffentlich-rechtlichen Medien" führten eine "Schmutzkampagne gegen Ungarn"; mal legen ungarische Botschafter ausländischen Medien nahe, sich wegen einer "Missdeutung der Lage" in Ungarn "zu entschuldigen".

Nun will die Deutsche Welle schrittweise mit einem Dienst in ungarischer Sprache starten. Peter Limbourg, der Intendant des deutschen Auslandssenders, sagte der SZ dazu, im Fokus stünden für den Anfang vor allem die sozialen Medien, ab Ende März soll ein eigener Youtube-Kanal mit Videos über Europa, aber auch aus Ungarn bespielt werden. Man wolle, so Limbourg, mit Videos und News beispielsweise dazu beitragen, dass in Ungarn ein "realistischeres Bild von Europa" zu sehen sei. Motivation sei, ganz klar, auch ein Beitrag zur Medienvielfalt in einem Land, in dem die Pressefreiheit unter Druck sei. Geplant ist eine Zusammenarbeit mit ungarischen Medien wie ATV, Hvg oder Telex. Auch der Sender Klubrádió, der gerade seine Lizenz verlor, könne mit seiner Internetplattform ein Partner sein.

In Budapest werden diese Pläne mit Empörung aufgenommen. Auf der englischsprachigen Webseite der Regierung heißt es unter der Überschrift "Kulturkampf?", der Start eines ungarischsprachigen Programms durch die steuerfinanzierte Deutsche Welle zeige, dass die Scheinheiligkeit vorbei sei und die Wahrheit ans Licht komme. Die deutsche Medienelite und Menschen wie Heute-Show-Moderator Oliver Welke glaubten, "Ungarn und Polen sind dumm". Das neue Format, so die Analyse auf der Regierungswebseite, enthalte nicht etwa zum Beispiel "Programme über europäische Zeitgeschichte, Rückblicke auf die Zeit des Kolonialismus oder Features über deutsche Aufwiegler wie Karl Marx und Friedrich Engels". Sondern es wolle, zitiert der ungarische Regierungssprecher Zoltán Kovács sarkastisch den DW-Intendanten Peter Limbourg, "echte Geschichten" erzählen. Was damit gemeint ist, ist in den Augen von Kovács klar. Das sei eine "Vorbereitung auf die ungarischen Parlamentswahlen 2022", das Ziel mithin: politische Einmischung, nicht Information, sondern Kulturimperialismus. Deutsche-Welle-Intendant Limbourg dazu: "Wir orientieren uns nicht an der Meinung des Regierungssprechers, wie wir unser Programm gestalten. Vielleicht sollte man auch erst einmal schauen, was wir senden."

© SZ/tyc
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Peter Limbourg_Intendant Deutsche Welle_(c) DW J. Röhl

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