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Umstrukturierung von News Corp.:Medienmogul Murdoch verlässt Aufsichtsrat von News International

Eine "unternehmenspolitische Aufräumübung" mit Signalwirkung: Der umstrittene Medienunternehmer Rupert Murdoch ist aus den Verwaltungsräten mehrerer Tochtergesellschaften ausgeschieden. Erst Anfang Mai hatte ein britischer Parlamentsausschuss den 81-Jährigen für unfähig erklärt, sein weltumspannendes Medienimperium zu führen.

Der Medienunternehmer Rupert Murdoch ist vor der geplanten Umstrukturierung seines Konzerns aus den Verwaltungsräten mehrerer Tochtergesellschaften ausgeschieden. Wie eine Sprecherin von Murdochs britischem Zweig News International Group in der Nacht zum Sonntag mitteilte, zog sich Murdoch aus entsprechenden Gremien in Großbritannien, den USA, Australien und Indien zurück. Der Schritt erfolgte demnach bereits vergangene Woche.

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Medienmogul Rupert Murdoch: Der 81-Jährige scheidet aus den Verwaltungsräten mehrerer Tochtergesellschaften aus.

(Foto: AFP)

News International versuchte die Bedeutung der Rücktritte in einer Stellungnahme herunterzuspielen: "Es handelt sich um nichts weiter als eine unternehmenspolitische Aufräumübung vor der Aufteilung des Konzerns", hieß es. Damit verwies das Unternehmen auf eine Ankündigung vom 28. Juni, wonach News Corp. in zwei Teile aufgespalten werden solle.

Der Murdoch-Konzern News Corporation soll in zwei separate börsennotierte Gesellschaften aufgegliedert werden. Eine wird für den Buch- und Zeitungsmarkt zuständig sein, die andere für den Bereich Film und Fernsehen. In den USA gehören dem Murdoch-Imperium unter anderem der ultrakonservative Fernsehsender Fox News sowie die Zeitung The Wall Street Journal. Murdoch hatte vergangenen Monat angekündigt, er werde Vorstandsvorsitzender beider Gesellschaften sein.

Die konkurrierende britische Zeitung The Telegraph berichtete auf ihrer Webseite, der Milliardär sei aus den Aufsichtsräten von News International Group, Times Newspaper Holdings und News Corp Investments ausgeschieden.

Zur britischen Gruppe des australischen Medienmoguls gehören unter anderen die Zeitungen The Sun, The Times und The Sunday Times. Murdoch und sein Medienkonzern waren im vergangenen Jahr wegen eines Abhörskandals in Großbritannien in die Kritik geraten. Dass Mitarbeiter des Konzerns mutmaßlich Prominente abhörten, Polizisten bestachen und Handy-Mailboxen der Angehörigen von getöteten Soldaten sowie eines entführten Mädchens knackten, löste Empörung aus.

Auch die engen Verbindungen des konservativen Premierministers David Cameron zum Murdoch-Imperium wurden publik. Im Zuge von Ermittlungen wurden mehr als 50 Verdächtige, überwiegend Journalisten, festgenommen. Unter den Festgenommenen war auch die Murdoch-Vertraute Rebekah Brooks und Camerons früherer Medienberater Andy Coulson. Murdoch ließ zwar das Boulevardblatt News of the World schließen und mehrere leitende News-Corp-Mitarbeiter traten zurück, doch der Ruf des 81-jährigen Medienunternehmers ist angeschlagen.

Beobachter werteten die Ankündigung von Samstag als Zeichen, dass sich der Medienmogul möglicherweise von seinen britischen Zeitungen distanzieren will, die zuletzt im Zwielicht eines weitreichenden Abhörskandals standen. Anfang Mai hatte ein britischer Parlamentsausschuss Murdoch für unfähig erklärt, sein weltumspannendes Medienimperium zu führen.