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Uli Hoeneß nicht mehr RTL-Experte:Schluss nach drei Spielen

Hoeneß ist Fußballexperte bei RTL

Uli Hoeneß beendet nach drei Spielen sein Engagement bei RTL.

(Foto: Henning Kaiser/dpa)

Uli Hoeneß beendet sein Engagement als TV-Experte bei RTL. Bereits in kurzer Zeit musste er feststellen, welche Konflikte seine öffentlichen Urteile auslösen.

Von Martin Schneider

Er wolle "konstruktiv und kritisch" sein, das hatte Uli Hoeneß vor seiner neuen Aufgabe als TV-Experte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei RTL gesagt. Wer glaube, dass er alles "in Schutt und Asche" reden werde, der täusche sich. "Mich reizen Herausforderungen" - so begründete der Ehrenpräsident des FC Bayern sein erstmaliges Engagement als Fernseh-Analyst und -Kritiker.

Nun ist dieses Engagement schon wieder vorbei. Hoeneß hört auf. "Die Zusammenarbeit war von vornherein nur für die drei Märzspiele vereinbart", sagte eine Sprecherin von RTL auf Anfrage des Sportinformationsdienstes (SID). Das wurde in der Tat schon vorher so verkündet. Hoeneß selbst sagte nach dem letzten Märzspiel aber, er werde sich "in Ruhe überlegen", ob es weitergeht.

Konfliktpotenzial: Der Ehrenpräsident des FC Bayern München spricht sich gegen Boateng aus

Hoeneß selbst hat sich noch nicht geäußert, aber es war offensichtlich, welche Konflikte es mit sich bringt, wenn der 69-Jährige im TV kommentiert, am deutlichsten bei der Personalie Jérôme Boateng. Als es darum ging, wen Bundestrainer Joachim Löw für die anstehende Europameisterschaft nominieren sollte, sprach sich Hoeneß gegen Boateng aus. Als TV-Experte eigentlich ein unproblematischer Vorgang - in der Jobbeschreibung steht ja, dass man bewerten und urteilen muss.

Nun ist Hoeneß aber nicht nur Ehrenpräsident beim FC Bayern, sondern sitzt immer noch im Aufsichtsrat des Klubs. Und der entschied kurz darauf, dass der Vertrag des Innenverteidigers nicht verlängert werden soll - eine Personalie mit großem Konfliktpotenzial, weil Bayern-Trainer Hansi Flick gern mit Boateng weitergearbeitet hätte. Angesprochen auf Hoeneß' Urteil im TV, sagte Flick dann auf einer Pressekonferenz: "Ich kenne das von Bayern München, dass man seine Spieler immer unterstützt." Das ist für einen Bayern-Trainer eine recht eindeutige Entgegnung auf Hoeneß.

Interessenkonflikte als TV-Experte sind im Fußball nicht selten - während der WM 2018 sollte etwa der als U-21-Nationaltrainer beim DFB angestellte Stefan Kuntz die Leistung seines Arbeitgebers bewerten - aber Hoeneß hat qua seines Daseins als Uli Hoeneß immer noch eine andere Wirkmacht.

Öffentliche Konfrontation hat der langjährige Manager in seiner Karriere nie gescheut, meist sogar aktiv gesucht. Seine scharfe Kritik am Deutschen Fußball-Bund, die er bei seinem ersten RTL-Auftritt formulierte, war so eine wohlüberlegte Tirade. Und die Lust an der Debatte war sicher auch einer der Gründe, warum er sein Haus am Tegernsee in Richtung Kölner Studio verließ.

Aber solange er eine so prägende Rolle beim FC Bayern hat (und die Frage ist, wie Uli Hoeneß jemals keine prägende Rolle beim FC Bayern haben soll) und die deutsche Nationalmannschaft zu einem großen Teil aus Spielern der Münchner besteht, wird er aus diesem Interessenkonflikt kaum herauskommen. Und das Wohl des FC Bayern, viele sagen auch "seines FC Bayern", hat Hoeneß in seiner Karriere immer über alles gestellt.

© SZ/hy
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