Übertragungsrechte der Champions League:Wahl mit Kalkül

Der Fußball spielt dabei eine bedeutende Rolle. Kogel ist inzwischen übrigens Aufsichtsratsvorsitzender von Constantin Medien. Zu dem Unternehmen zählt nicht nur die Constantin Film, sondern auch Team, die Agentur, die für die Uefa die Fernseh- und Marketingrechte der Champions League veräußert.

Ob sich Sat 1 für die Rechte an der Euro League (früher Uefa Cup) interessiert, die erst einmal nicht vergeben wurden und neu ausgeschrieben werden, ist offen. Bartl sagte an diesem Dienstag: "Wir bedauern sehr, dass sich die Uefa nicht für Sat1 entschieden hat. Wir hatten ein wirtschaftlich sehr gutes Angebot verbunden mit einem inhaltlich attraktiven und innovativen Konzept abgegeben. Wir sind nach wie vor überzeugt, dass die Ausstrahlung der Champions League im ZDF problematisch ist, und werden alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen. Für Sat1 werden wir uns jetzt um andere Spitzenfußballrechte bemühen."

Die Uefa, beziehungsweise ihre Marketingagentur Team, hat mit der Wahl für das ZDF geschickt taktiert. Sie hat das deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen wieder in den Kreis derer zurückgeführt, die mit Chancen um die Champions-League-Ausstrahlung bieten können. Lange schien nur privates Fernsehen mit seiner unbegrenzten Möglichkeit, die hohen Lizenzkosten durch Werbung zu refinanzieren und damit auch den Interessen der Sponsoren entgegenzukommen, für die Uefa als Partner in Frage zu kommen.

Im Zweiten will man den Zuschlag als eine Art Mandat für eine journalistische Präsentation der Champions League werten. Senderintern heißt es, die Uefa habe sich inhaltlich überzeugen lassen. Dass Sat 1 den Vor- und Nachlauf der Spiele sehr intensiv mit Werbung bestritt, sei unangenehm aufgefallen - was man sich gar nicht vorstellen kann.

So weltfremd kann auch ein Fußball-Verband nicht sein, zu glauben, ein kommerzieller Sender würde sich die Investition ins Übertragungsrecht nicht mit seinen Mitteln zurückholen wollen. Eher passt die Wahl ins Kalkül, den Kreis möglicher Rechtekäufer wieder zu vergrößern. Das belebt die Konkurrenz. Außerdem ist das Geschick des ZDF-Intendanten, in so einem Verfahren die Stärken des öffentlich-rechtlichen Systems auszuspielen, groß.

Schon 2008 griff Markus Schächter zur Champions League, sie wurde ihm damals noch von Sat 1 entrissen. In der Zwischenzeit hat er Argumente gesammelt, glaubt er, um den Vorwurf der Gebührenverschwendung zu entkräften: Das ZDF trennte sich vom Boxen, die Euro League ist lange nicht mehr im Programm, die Tour de France wurde nicht verlängert.

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