FPÖ-Chef HC Strache:Österreichischer Kleinkrieg um Haare, Harn und Koks

Heinz-Christian Strache

FPÖ-Vorsitzender Heinz-Christian Strache.

(Foto: AP)
  • Nach hartnäckigen Gerüchten über den Gesundheitszustand des österreichischen Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen veröffentlichte dieser seine Krankenakte.
  • Im Scherz forderte Florian Klenk, Chefredakteur der Wochenzeitung Falter, daraufhin nun auch von FPÖ-Chef Strache eine ärztliche Untersuchung.
  • Strache nahm die Aufforderung ernst und zog Klenk in einen Kleinkrieg um Gesundheitschecks.

Von Cathrin Kahlweit, Wien

Man muss die Sache wohl im Kontext sehen: Seit Monaten wird im Bundespräsidentenwahlkampf in Österreich das Gerücht geschürt, dass Kandidat Alexander Van der Bellen, 72, schwer krank sei: Er habe Lungenkrebs, heißt es - aber auch Gebrechen wie Demenz und Parkinson werden ihm angedichtet.

Dem einstigen grünen Parteichef und seinem Wahlkampfteam wurde das irgendwann zu bunt, Van der Bellen veröffentlichte seine Krankenakte, sein Arzt sagte öffentlich, der Mann habe "eine herrliche Lunge". Auch die Behinderung von Van der Bellens Gegenkandidat Norbert Hofer (FPÖ) ist mittlerweile ein Medienthema. Er hat sich vor vielen Jahren bei einem Paraglide-Unfall verletzt und geht seither am Stock.

Hofer hat zwar Pflegegeld beantragt, aber nie in Anspruch genommen

Hofer hat vor zwei Jahren Pflegegeld sowie eine Berufsunfähigkeitspension beantragt, aber nie in Anspruch genommen. Er könnte das auch erst, wenn er kein Geld mehr als Nationalratspräsident - oder Bundespräsident - verdienen würde.

In diese Debatte über echte und unterstellte Gesundheitsprobleme grätschte unlängst Florian Klenk, Chefredakteur der österreichischen Wochenzeitung Falter. Er forderte von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ebenfalls einen Gesundheitscheck: "Jetzt interessiert mich nur noch Straches Haar- und Harntest. Dann hätten wir's."

Klenk löschte den Tweet zwar später und entschuldigte sich - der Witz sei "danebengegangen" -, aber Strache fand die Angelegenheit nicht lustig. Er fühlte sich angegriffen, forderte Klenk ebenfalls zum Drogentest auf - unter notarieller Aufsicht. Was anfangs noch den Charakter einer Posse hatte, wurde schnell zum regelrechten Battle in den sozialen Medien.

Noch ein Scherz, den Strache nicht lustig fand

Der FPÖ-Chef schrieb, Klenk arbeite mit "hintenherum kommenden Verleumdungen, Rufschädigungen und Anschuldigungen", Klenk konterte damit, dass er die perfiden Methoden des "framing" habe aufzeigen wollen, mit denen FPÖ-nahe Kreise arbeiteten. Diese hätten Alexander Van der Bellen genau das zugemutet - hintenherum kommende Verleumdungen.

Mittlerweile ist der Kleinkrieg um Haare und Harn, Koks und Alkohol in eine neue Phase eingetreten: Strache war bei einem Arzt seines Vertrauens, dem ehemaligen Chefarzt der Wiener Polizei, der nahm den Test vor und schickte ihn an ein Labor. Klenk ging direkt in ein Labor, nahm als Zeugen den bekannten Kabarettisten Thomas Maurer mit und filmte seine Haar-Spende.

Er habe den Umweg über einen Arzt vermieden, twitterte Klenk, weil er nicht sicher sein könne, dass so eine Probe auch im richtigen Labor unter dem richtigen Namen ankomme. Auch dies ein Scherz, den Strache nicht lustig fand angesichts des aktuellen Ärgers um fehlerhafte Briefumschläge, mit denen Briefwahlunterlagen verschickt werden.

Klenk spielt mit und erfindet den Hashtag #Wotangate

Außerdem erfand er den Hashtag #Wotangate: "Ich will absolut ausschließen, dass die Haarproben von einem Gehilfen irrtümlicherweise vertauscht werden und dann möglicherweise die Haare von Straches Plüschteddy Wotan untersucht werden."

Strache, stinksauer, konterte, Klenk ziehe nun auch noch die Reputation eines renommierten Mediziners in Zweifel und überhaupt mache man keine Scherze über Suchtkranke, dazu seien Drogenkonsum und seine fatalen Folgen eine zu ernste Angelegenheit.

Dann wurde er persönlich: "Man will mich, weil ich den Mächtigen zur Gefahr werde, anschütten und diffamieren. Man will mit haltlosen Unterstellungen - für die man sich dann scheinheilig entschuldigt - meinen Ruf beschädigen.

Etwas wird schon hängenbleiben, das ist das schmutzige Motto mancher, mittlerweile ziemlich nervösen Puppenspieler und deren Handlanger in Österreich! Aber das wird's nicht spielen, liebe Freunde!"

Strache legt Klenk eine Umschulung zum Friseur nahe

Klenk findet es symptomatisch, dass der Chef einer Partei, die mit Diffamierungen und Hetze ihr Geschäft betreibe, nun betroffen reagiere, wenn jemand diese Praxis spiegele; er wundert sich, dass sich Medienprofi Strache so ein "Thema umhängen" lasse.

Aber auch der Falter-Journalist räumt ein, nun sei es mal gut mit dem Hin und Her. Strache wiederum versucht, sich doch noch an einem späten Scherz: Klenk solle doch zum Friseur umschulen, wenn er so auf Haare und Haartests fixiert sei.

Umschulung oder nicht: Die Sache wird weitergehen. Spätestens, wenn die Laborergebnisse da sind. Beide Kontrahenten haben versprochen, sie zu veröffentlichen.

© SZ.de/ck/ees
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