Twitter-Hype um TV-Comeback #Dallas ist der Justin Bieber eurer Eltern

J. R., Sue Ellen und die Ewing-Sippe sind zurück - und bescheren RTL Top-Quoten: Auch im Netz wird die Fortsetzung des 80er-Jahre-Straßenfegers diskutiert. Nostalgiker belächeln den beträchtlichen Alkoholkonsum der Darsteller. Und die Jungen freuen sich über die Melange von schmierigem Öl, Elektromobilität - und modernen Konservierungstechniken.

Von Tobias Dorfer

Dallas ist also zurück. Wobei, so richtig weg war die legendäre Familiensaga gar nie. 357 Folgen, 14 Staffeln, in Deutschland ab 1981 Quotenbringer für die ARD. Ein Straßenfeger war das damals mit Zuschauerzahlen, die heute höchstens noch Fußball-Länderspiele erreichen. Sagenhafte 18,1 Millionen Dallas-Fans schauten Ende 1985 alleine in Deutschland den Intrigen von J.R. Ewing und seiner Sippe zu.

Nachdem die Serie im Jahr 1991 auslief, zeigte die ARD noch pflichtschuldig Wiederholungen im Vormittagsprogramm, später wurde Dallas zu Kabel1 abgeschoben. Es gab noch dann noch ein paar Fernsehfilme, aber ein richtiges Comeback war das auch nicht. Da sorgte der Auftritt von Larry Hagman, der J.R. Ewing spielt, in einem Werbespot eines Solarzellenherstellers und im ZDF-Traumschiff für mehr Aufsehen.

Jetzt feiert die Saga ihr großes Comeback. Zumindest in Deutschland, denn in den USA läuft #newdallas, wie die Fortsetzung auf Twitter genannt wird, seit Sonntagabend bereits in der zweiten Staffel. Mit Erfolg.

Und auch hierzulande kann sich RTL, das die neuen Folgen zeigt, über ein enormes Zuschauerinteresse freuen - als wären J.R. und Sue Ellen nie weggewesen. 3,9 Millionen Zuschauer wollten den Auftakt der neuen Staffel sehen, der Marktanteil lag bei selbst für den Privatsender glänzenden 20,2 Prozent - und nicht nur die Jungen schauen Dallas. Bei der Zielgruppe der 14-49-Jährigen lag der Marktanteil sogar bei 25,4 Prozent.

Während den deutschen Soaps wie Verbotene Liebe und Gute Zeiten, schlechte Zeiten kontinuierlich die Zuschauer weglaufen, feiert Dallas nun ein grandioses Comeback. Nur warum? Ist es die Extraportion Boshaftigkeit? Der Kult? Die Langeweile, die bei den in hiesigen Soaps thematisierten Teenie-Problemen entsteht?

Auf Twitter ist die Fortsetzung am Vormittag danach das meistdiskutierte Thema. Klar, die Nostalgiker freuen sich auf Twitter über Larry Hagman, Patrick Duffy und Linda Gray, die zwar merklich gealtert sind, aber dafür noch immer genauso bösartig wie damals. Sie bemerken mit Freude, dass bei der Synchronisation kein Risiko eingegangen wurde:

Sie stellen fest, dass die digitale Revolution einen großen Bogen um die Südstaaten gemacht hat:

Und sie amüsieren sich darüber, dass sich der Alkoholkonsum der Familie Ewing in den vergangenen Jahrzehnten auch nicht merklich verringert hat:

Aber es gibt auch neue Fans. Menschen, die damals, als Dallas noch die Straßen leerfegte, zu klein waren, um der whiskygetränkten Lache von J.R. Ewing zu lauschen und die der Kampf um Öl in den USA allenfalls periphär interessierte.

Diese jungen Menschen hatten andere Motive, die Dallas-Fortsetzung einzuschalten. Zum Beispiel Neuzugang Jesse Metcalfe, der als muskelbepackter Gärtner in der Serie Desperate Housewifes bekannt und zum Frauenschwarm wurde, und der nun den Adoptivsohn von Pam und Bobby spielt. Sein Auftritt findet auch bei deutschen Fans Gefallen.

Und dann ist da die Story, die vielen Intrigen. Jeder gegen Jeden, daran hat sich auch in der neuen Dallas-Version nichts geändert. Typen, die nicht nur ihre Verbindung zum Öl schmierig wirken lässt. Und dazu eine so sorgfältig komponierte Masse an Intrigen, dass der Zuschauer keine Minute Aufmerksamkeit verschenken darf, wenn er nicht von der Handlung abgehängt werden will.

Aber ganz ohne das Hier und Heute geht es dann doch nicht. Einer der Ewing-Cousins versucht sich neuerdings an der Förderung Erneuerbarer Energien und fährt sogar ein Elektroauto.

Natürlich wird auf Twitter auch gelästert, und zwar nicht zu knapp.

Ob die Quoten kommende Woche noch einmal so gut sein werden? Bei RTL wäre man sicher zufrieden. Und auch wenn es Kritik auf Twitter gibt, so können zumindest einige Fans die nächste Folge kaum abwarten: