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TV-Tipps zum Wochenende:Wilde Herzen

Wild at Heart - Die Geschichte von Sailor und Lula

Gemeinsam auf der Flucht, gemeinsam gierig nach Freiheit: Lula und Sailor (Laura Dern, Nicolas Cage).

(Foto: WDR/ARD Degeto/Polygram Filmprod)

Einige laufen in die falsche Richtung, andere im Kreis: Die Filmhelden des Wochenendes haben ihren inneren Kompass verloren. Und rennen weiter.

Von Stefan Fischer

Eine Leiche zum Dessert

Ein virtuoses Spiel mit den Konventionen des Kriminalfilms: Ein exzentrischer Millionär treibt seine bizarren Spielchen mit fünf berühmten Detektiven - die nicht von ungefähr an Figuren wie Miss Marple, Philip Marlowe oder Hercule Poirot erinnern. Ein weiteres Spiel also, von Regisseur Moore und Neil Simon, dem Autor dieser Geschichte. Ihre Spielfiguren: David Niven, Peter Falk, Truman Capote, Alec Guinness, Peter Sellers und Maggie Smith. Diese raffinierten Schauspieler suhlen sich förmlich in der vom Maître de Plaisir des Abends einkalkulierten Überheblichkeit derjenigen Exzentriker, die sie da spielen. Und natürlich auch in deren Eifersüchteleien untereinander. Sie sind einander wie Spiegel, die unentwegt brüllen, wer der Klügste, der Ausgebuffteste, eben der Beste unter ihnen ist. Nur dass man nichts versteht, weil alles herrlich durcheinandergeht.

Krimikomödie, Tele5, Sonntag, 20.15 Uhr

Die Queen

Die Fahne auf Halbmast zu setzen vor Buckingham Palace - wozu bitteschön? Seit ihrer Scheidung von Prinz Charles ist Diana schließlich nicht mehr Mitglied der königlichen Familie. Die Haltung des britischen Königshauses mag formal korrekt sein, aber sie ist nicht angemessen. Diana, die bei einem Verkehrsunfall stirbt, ist "The People's Princess", die Prinzessin des Volkes - das Etikett verpasst ihr der Premier oder macht es sich jedenfalls zu eigen. Der Premier, das ist Tony Blair, unlängst ins Amt gewählt, absolut instinktsicher, der hier das menschlich und politisch Richtige zusammenbringt. Stephen Frears hat 2006 einen sehr stillen Film über sehr aufwühlende Tage gedreht, in dem Queen Elizabeth mühsam ihren Kompass und damit den der Monarchie neu justiert - mit einer überragenden Helen Mirren in der Titelrolle.

Drama, Arte, Sonntag, 20.15 Uhr

True Grit

Hailee Steinfeld war die Entdeckung in diesem Spätwestern der Brüder Ethan und Joel Coen von 2010: Sie spielt die 14-jährige Mattie Ross mit einer bemerkenswerten Härte, ohne dem Mädchen die Verwundbarkeit eines Teenagers zu rauben. So entwickelt sie die faszinierende Figur einer Tochter, die ihren ermordeten Vater rächen will. Dafür muss sie tief hinein ins Indianerterritorium, wohin sich der Täter geflüchtet hat. Von den Institutionen des Staates bekommt sie keine Hilfe, also engagiert sie den widerstrebenden, knorrigen Haudegen Cogburn (Jeff Bridges). Steinfeld und Bridges umkreisen einander, ganz langsam nur lassen sie eine Beziehung ihrer Figuren zueinander zu. Das hat sogar Humor, den die Regiebrüder subtil in ihren Film einweben. Wie stets jedoch führen sie ihre Geschichte zu einem konsequenten, also unbequemen Ende.

Western, One, Samstag, 21.45 Uhr

Wild at Heart

Marietta Fortune will auf Nummer sicher gehen. Doch was bei ihrem Mann auf Anhieb geklappt hat - ihn zu töten, ohne einen Verdacht auf sich zu lenken, gestaltet sich beim Freund ihrer Tochter weitaus schwieriger. Fortune hat keine Fortune bei der Wahl der Vollstrecker, eine Messerattacke auf Sailor scheitert, auch eine Falle der Mafia schnappt nicht zu. Sailor und seine Liebe Lula merken lange Zeit gar nicht, in welcher Gefahr sie schweben - sie sind unterwegs, frei. Aber eben: vogelfrei. David Lynch hat dieses sehr gut besetzte Roadmovie - Laura Dern, Nicolas Cage, Diane Ladd, Harry Dean Stanton, Willem Dafoe, Isabella Rossellini - die Goldene Palme in Cannes eingebracht. Diese Suche nach Glück, Freiheit und Liebe ist auch ein unbändiges Stück Kino, dabei äußerst brutal zu seinen Figuren, die schmerzhaft lernen.

Roadmovie, WDR, Samstag, 23.15 Uhr

© SZ vom 24.10.2020
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