TV-Tipps zum Wochenende Unter Beschuss

Da sind sie ewig weg, die Männer, im Kälteschlaf oder im All. Trotzdem lief's ganz gut. Und kaum sind sie zurück, bricht die Hölle auf Erden los.

Von Arnold Hohmann

Der Schneider von...

... Panama: Der Ire und viermalige Bond-Darsteller Pierce Brosnan kann zwar eine umfangreiche Filmografie vorweisen, an die meisten seiner Arbeiten abseits von Bond jedoch kann man sich nur schwerlich erinnern. Sein Auftritt in John Boormans Verfilmung von John le Carrés Bestseller allerdings zeigt ihn in Hochform, als schmierigen britischen Agenten, der nach Panama strafversetzt wird. Seine Aufgabe, Informationen über den Kanal zu beschaffen, delegiert er an einen erpressbaren Schneider (Geoffrey Rush), dessen noble Kundschaft ihm schon Hinweise liefern wird. Der Ahnungslose aber hat keinen Schimmer vom Gewerbe, weshalb er sich bis zum bitteren Ende in Fake News rettet. Herausragend ist auch Brosnans an Tony Blair orientierte Darstellung eines britischen Ex-Premiers in Roman Polanskis Thriller Der Ghostwriter (Sat 1 Gold, Samstag, 22.25 Uhr).

Velvet Goldmine

Mit der eigenwilligen Dylan-Biografie I'm Not There hat der Regisseur Todd Haynes erst jüngst gezeigt, wie brillant er mit Musik und ihren Heroen umzugehen weiß. Dieser sehr viel früher entstandene Film entführt in die Zeit des britischen Glamrocks, als zu Beginn der 1970er-Jahre androgyn geschminkte Künstler auf den Bühnen dominierten. Jonathan Rhys Meyers verkörpert dabei überzeugend einen bisexuellen Musiker, in seiner Gestik angelehnt an David Bowies damalige Kunstfigur Ziggy Stardust. Ewan McGregor steht ihm dabei lange Zeit als US-Sänger mit viel Iggy-Pop-Anteil als Liebhaber und Muse zur Seite. Haynes bettet seine Erforschung des Glamrock kunstvoll in eine Rahmenhandlung, in der ein Journalist über seine Recherchen und eigenen Erinnerungen die Geschichte einer Zeit erzählt, die wie eine einzige große Party wirkt (ARD, Nacht zu Sonntag, 1.25 Uhr).

The Astronaut's Wife

Dass Johnny Depp mal einen Raumfahrer gespielt hat, mag man angesichts seiner häufigen Festlegung auf skurrile Charaktere und einen lallenden Piraten kaum noch glauben. Hier aber spielt er einen Astronauten, der während der Reparatur an einem Satelliten kurzzeitig nicht zu orten war. Als er auf die Erde zurückkehrt, meint seine Frau (Charlize Theron), seelische Veränderungen an ihrem Mann feststellen zu können. Was daherkommt als Science-Fiction-Horror, ist ein oft benutzter Kino-Topos: die Angst der Frau vor einem Gatten, der ihr plötzlich fremd erscheint. Ähnliches beschleicht auch Joanna (Nicole Kidman) in Frank Oz' Remake von Die Frauen von Stepford, als sie erkennt, dass die Nachbarinnen viel zu perfekte Hausfrauen sein wollen. Zugegeben, ein etwas später Beitrag zur Emanzipation (Sixx, Sonntag, 22.15 Uhr).

Mommy

Es ist nicht einfach für eine alleinerziehende Mutter, wenn der 15-Jährige Sohn an ADHS und einer undefinierten Affektstörung leidet. Es ist denn auch eine schwierige Beziehung, die das kanadische Kino-Wunderkind Xavier Dolan, 28, in seinem Film mit großer Intensität beschreibt. Die bedingungslose Liebe, die Diane ihrem Sohn Steve entgegenbringt, wird immer wieder torpediert von dessen Jähzorn. Die Lage entspannt sich etwas, als eine Nachbarin sich zu kümmern beginnt. Auch sie ist eine vom Schicksal Gestrafte. Das mag nach Sozialdrama klingen, ist aber weit davon entfernt. Und obwohl ein Happy End nicht erwartet werden kann, wird doch klar, wie sehr auch Steve an seiner Mutter hängt. Um die Enge seiner Figuren zu unterstreichen, hat Dolan im quadratischen Leinwandformat gedreht. Der Bildschirm wird also nicht ausgefüllt (Arte, Sonntag, 20.15 Uhr).