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TV-Tipps zum Wochenende:Reingelegt

Verliebt und deshalb leichtgläubig: Louis (Jean-Paul Belmondo) begehrt Julie (Catherine Deneuve), die sich das zunutze macht.

(Foto: Arte/Artistes Associés/Films du Carrosse)

Ehrlichkeit zahlt sich nur selten aus. Vor allem im Kino nicht. Das Fernsehen zeigt einige der schönsten filmischen Gaunereien und Coups.

Von Milan Pavlovic

A Most Violent Year

Ehrlichkeit zahlt sich gerade im Kino nur selten aus. Wenn der New Yorker Abel Morales (Oscar Isaac) Anfang der 1980er versucht, saubere Heizöl-Geschäfte zu machen, ahnt er nicht, wie schwer das wird. Cops, Konkurrenten, ja selbst die eigenen Leute stellen sich ihm in den Weg. Kein Wunder, denn New York war damals ein anderer Planet, Hauptstadt von Mord und Totschlag, Moloch des Schmutzes, der Korruption und Gewalt. A Most Violent Year macht das nebenbei spürbar, durch gedämpfte, rostig wirkende Farben, bedrückende Schauplätze und alltägliche Schreckensmeldungen im Radio. Wie No Country For Old Men, ein anderer großer Film über die 1980er, profitiert auch dieses Werk von der Zeit, in der es spielt. Es gibt keinen technischen Schnickschnack, der uns ablenken und die Dinge vereinfachen könnte. Der Konflikt muss noch Mano-a-Mano ausgetragen werden.

Krimidrama, 3SAT, Samstag, 23.45 Uhr

Die Letzten beißen...

... die Hunde: Verbrechen lohnen sich, zumindest im Kino, aber bis zur Beute ist es ein beschwerlicher Weg, wenn auch oft zu unserem Vergnügen. In Thunderbolt & Lightfoot (Originaltitel), einem feinen Road Movie über Gaunereien mit Clint Eastwood und Jeff Bridges, ist der Weg das Ziel: lockeres 70er-Jahre-Kino, das komödiantisch beginnt und am Ende berührt. Andere Coups: Will Smith zeigt in Focus Margot Robbie alle Tricks und wird dafür bestraft (Sat 1, Samstag, 22.05 Uhr); Robert Redford und seine Crew werden in Sneakers genasführt und müssen nun ihren Reinleger reinlegen (ZDF, Samstag, 23.30 Uhr); und in Die üblichen Verdächtigen (Servus TV, Samstag, 23.15 Uhr) weiß irgendwann niemand mehr so richtig, wer wen warum wie betrogen hat. Klar ist nur, dass der Name der ungarischen Killerlegende Keyzer Söze wie eine Waffe wirkt.

Gaunerei, RBB, Samstag, 23.30 Uhr

Aviator

Martin Scorsese, Chefchronist männlicher Kommunikationsunfähigkeit, treibt sein ewiges Thema in Aviator auf eine neue Spitze. Die Ticks des Milliardärs Howard Hughes (Leonardo DiCaprio) bewirken, dass der Visionär so gut wie keinen Spaß am Alltag hat und sich in die kostspieligen Details seiner Erfindungen stürzt. Frauen bleiben da nur Staffage - mit einer Ausnahme: Katharine Hepburn (Cate Blanchett), deren Verlust ihn endgültig in einen Einsiedler ohne Hoffnung auf Erlösung verwandelt. Keine Erlösung im üblichen Sinn gibt es in Sam Peckinpahs selten gezeigtem Schocker Wer Gewalt sät (3sat, Sonntag, 23.15 Uhr), der selbst in der gekürzten Fassung schwer verdaulich ist: Hooligan-artige englische Landeier quälen ein amerikanisches Paar, bis der sanfte Mathematiker David (Dustin Hoffman) zur Bestie der Selbstverteidigung wird.

Drama, Tele 5, Sonntag, 16.55 Uhr

Das Geheimnis der...

... falschen Braut: Als Brieffreundschaften noch zu Ehen in französischen Kolonien führten, spielt dieses Krimi-Melo. Jean-Paul Belmondo erwartet auf seinem Anwesen auf der Insel Réunion eine schüchterne, intelligente Frau - doch vom Dampfer steigt die forsche, rätselhafte und fast unwirklich schöne Catherine Deneuve. Sie verdreht ihm erst den Kopf und nimmt ihm dann so gut wie alles, was er hat. Monsieur Mahé (Belmondo) schert sich aber nicht ums Materielle und auch nicht um seinen Namen. Er ist verliebt und will Julie (Deneuve) für sich gewinnen. François Truffaut wechselte für La Sirène du Mississippi (Originaltitel) zwischen melodramatischem, wurschtigem und märchenhaftem Erzählton. Das macht einen mitunter stutzig, weil nicht alles schlüssig ineinandergreift. Aber dem Fieber der Liebe wird das total gerecht.

Melodrama, Arte, Sonntag, 20.15 Uhr

© SZ vom 10.10.2020
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